Ein Tag bei der Hessischen Landesfeuerwehrschule mit Produkttests

Landesfeuerwehrschule-KasselDie Nordhessen Rundschau war einen Tag zu Gast bei der Hessischen Landesfeuerwehrschule und konnte auf einem Übungsgelände Hilfsmittel zur Selbstrettung, Erste-Hilfe-Produkte und Auto-Feuerlöscher am direkten Objekt  und fast live testen.

Der Tag begann mit einem Rundgang durch das großflächige Gelände. Begleitet wurde unser Redaktionsteam durch Herrn Brandamtmann Dipl.-Ing. Volker Heerdt, der hier auch als Lehrkraft für die Veranstaltungsteilnehmerinnen und Veranstaltungsteilnehmer tätig ist. Die Landesfeuerwehrschule sieht in Teilbereichen so aus, als wäre sie eine normale Feuerwache, nur das von hier keine realen Einsätze gefahren werden. Es gibt einen eigenen Fuhrpark von Einsatzfahrzeugen, eine auf dem neuesten Stand befindliche Lehrleitstelle und einen Schlauchturm, um die Feuerwehrschüler möglichst realitätsnah auszubilden bzw. bereits im Dienst stehende Feuerwehrleute weiterzubilden und auf neue Rettungstechniken zu schulen.

Sämtliche Weiterbildungen werden in Kassel für die Feuerwehren in ganz Hessen angeboten. Das gerade erweiterte Internatsgebäude bietet 240 Veranstaltungsteilnehmerinnen und Veranstaltungsteilnehmer Platz. Eine Kantine sorgt für die eigenständige Verpflegung und ein Casino/Café bietet nach Veranstaltungsende, die Möglichkeit für Freizeitaktivitäten und außerdienstlichen Gesprächen. Volker Heerd erklärte weiter, dass die Unterkünfte umgebaut wurden, so dass jedem Internatsgast ein Einzelzimmer angeboten werden kann, zurzeit 60 Zimmer mit 2 Personen belegt.

Die dunkle Jahreszeit mit schlechter Sicht, Glatteis, Eisregen und Nebel führt verstärkt zu Verkehrsunfällen und daher haben wir dieses Thema einmal näher fokussiert. Wie sieht es bei Ihnen eigentlich aus?

Haben Sie sich schon einmal Gedanken gemacht, wie Sie den Sicherheitsgurt im Auto lösen, wenn das Gurtschloss hakt oder durch einen Unfall blockiert, bzw. wenn Sie mit Ihrem Fahrzeug auf dem Dach liegen und kopfüber im Gurt hängen. Ohne ein griffbereites Gurtmesser steigt die Panik und verhindert ein durchdachtes Vorgehen.

Wenn die Elektrik nach einem Unfall nicht mehr funktioniert, werden oftmals bei einer gewissen Stärke des Aufpralls auch automatisch die Batterien getrennt. Wie gelingt es Ihnen dann bei elektrisch betriebenen Fensterhebern die Seitenfenster oder das Schiebdach zu öffnen? Gar nicht. Ohne einen wirkungsvollen Glasbrecher haben Sie ohne fremde Hilfe kaum eine Chance, sich aus dem Fahrzeug zu befreien.

Liegt Ihr Verbandskasten so im Kofferraum, wie Sie ihn gekauft haben, oder wie er bei Ihrem Auto mit dabei gewesen ist? In einer Unfallsituation, die sowieso belastend und anspannend ist, helfen 10 Minuten, um sich bereits zuhause einmal mit dem Inhalt und der Anwendung des Verbandskastens zu beschäftigen. Das letzte Thema ist das richtige und wirkungsvolle Löschen von Entstehungsbränden im Motor- oder Innenbereich des Fahrzeuges. Haben Sie einen kleinen Pulverlöscher in Ihrem Wagen? Und haben Sie einen entsprechenden Aufkleber an der Seitenscheibe befestigt? Damit machen Sie andere Verkehrsteilnehmer darauf aufmerksam, dass bei Ihnen ein Löscher an Bord ist.

Gurttrennung, Scheibenzertrümmerung, Erste-Hilfe, Feuer

Hilfsmittel für diese 4 potentiellen Gefahrenquellen in einer Unfallsituation stellen wir nachfolgend in Bild und Video vor. Ebenso empfehlen wir Hersteller der jeweiligen Rettungsprodukte und geben Hinweise auf Bestellmöglichkeiten.

Boeker-LogoFür den ersten Test von Gurttrennern haben wir uns auf einem Übungsgelände mit Schrottfahrzeugen begeben. Im Test sind hier Produkte von Firma Böker www.boker.de Das Böker Plus Cop Tool kostet im Onlineshop der Firma 65,95 Euro und konnte uns durch die Schlagkraft des gehärteten Stahldorn überzeugen. Mit wenig Kraft wird eine Zertrümmerung der Seitenscheiben erreicht. Gleichzeitig ist bei diesem Fahrtenmesser ein scharfer Gurttrenner, Schaber und Meißel integriert. Dieses Böker Produkt lässt sich auch als Hebel und multifunktionales Messer einsetzen.

Böker bietet weiterhin eine kostengünstige aber durchaus nicht weniger wirkungsvolle Lösung für die Selbstrettung aus Fahrzeugen an. Nämlich das am Gurt zu befestigende kleine orangene Boeker-Plus-Cop-ToolExitool mit einem Preis von 26,95 Euro. Mit einer Hand zu öffnen, wird es direkt in den Gurt, möglichst in Bauch-oder Brusthöhe, eingeklappt. Das Exitool hat einen Gurttrenner, einen Stahldorn für Zertrümmerung der Seitenscheiben und eine Mini-LED Leuchte. Mit minimalem Aufwand haben die in Not geratenen Personen eine preisgünstige Möglichkeit für die Selbstbefreiung aus Fahrzeugen. Erhältlich ebenfalls im Onlineshop der Firma Böker www.boker.de

Bei Messern für die Gurttrennung muss auf eine ständige Erreichbarkeit geachtet werden, so Ausbilder Volker Heerdt. So kann zum Beispiel bei Autos mit mechanischer Handbremse der Gurttrenner mit Klettband an dem Holm der Handbremse gefestigt werden. Auch eine Anbringung an den Seitenholmen ist möglich, hier ist jedoch auf die Funktionsfähigkeit von Airbags zu achten.

DocCheck-LogoIm zweiten Test ging es um die Zertrümmerung von den Seitenscheiben, wohl gemerkt, nur von Seitenscheiben! Frontscheiben, bei modernen Fahrzeugen auch Heckscheiben sind wegen der zwischenliegenden Kunststofffolie mit Stahldornen nicht zu zerstören! Es wird nur einen Riss, wie bei einem Steinschlag geben. Die Frontscheibe zerspringt eben nicht in viele kleine Stücke.

Wir haben hier ein Rettungswerkzeug mit Produktnamen T3 Auto-Rettungswerkzeug, vertrieben durch die DocCheck GmbH, www.doccheckshop.de getestet und können es empfehlen. DasDocCheck-T3 T3 Autorettungsmesser mit federgeführtem Stahldorn hat uns überzeugt. Neben dem wichtigsten Merkmal, nämlich dem Stahldorn, der bei einem stärkeren Aufdrücken des Messers auf die Seitenscheiben-, heraus schnellt und die Scheibe sofort zertrümmert, ist das Rettungsmesser mit einer scharfen Messerklinge und einer Wellenschliffklinge sowie einer kleinen integrierten LED-Leuchte ausgestattet. Dieses kompakte Rettungsgerät wiegt 180 Gramm und wird mit einer stabilen Nylontasche und Gürtelclip geliefert. Es kostet ca. 40 Euro im Onlineshop von www.doccheckshop.de.

Unsere Redakteure waren von der Einsatzkraft und der Einsatzbereitschaft von den Menschen bei der Feuerwehr stark beeindruckt. Natürlich wird das trainiert, aber genauso gehört dazu ein ausgeprägter Wille um sich in Gefahrsituationen hinein zu begeben, um andere Menschen zu schützen oder zu retten.

Jetzt gab es erst einmal Mittagessen. Es war ein Mittwoch und kein Freitag, aber es gab trotzdem Fisch zum Mittag. Auch hier wurden wir vom Kantinenchef mit einer leckeren Mittagsmahlzeit überrascht. Warum Fisch nur immer am Freitag, ja damit hat er Recht. Sein Rezept hat uns geschmeckt.

Nach der Mittagspause ging es weiter. Zwei weitere Produkttests standen noch auf dem Plan. Erste-Hilfe und Brandbekämpfung. Vorher ging es aber in die Atemschutzübungsanlage, die jeder Atemschutz-Geräteträger einmal im Jahr durchlaufen muss. Ausbilder Heerdt und der zuständige Ausbilder für die Atemschutzschutzübungsanlage standen uns immer begleitend an der Seite. Der Ausbildungsleiter für die Atemschutz-Trainingsanlage, Herr Brandinspektor Sascha Reuß erklärte uns die hohen Anforderungen, die gestellt werden, um bei einem realen Einsatz optimal reagieren zu können.

 

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Gleich daSoengen-Logonach ging es weiter zum Übungsgelände. Es stehen noch Produkttests von Auto-Feuerlöschern und Erste-Hilfe Material an.

Herr Brandamtmann Matthias Müller, Ausbilder für Feuerwehr-Sanitäter, stellte in einer Verkehrsunfallsituation die Verwendung von einem Erste-Hilfe Koffer und einem Rettungsrucksack für ausgebildete Fachkräfte, beide von der Firma Söhngen vor.

Der Söhngen First Responder Octett Rettungsrucksack, gemäß DIN 13155, ist gut durchgedacht, übersichtlich und bietet ausgebildeten Rettungssanitätern oder Sanitätern der Feuerwehr ausreichende Möglichkeiten für eine umfassende Erst-Versorgung. Ausbilder Müller vermisst in dem Rucksack einen HWS Stützkragen zur Fixierung und Stabilisierung der Halswirbel.

 

Söhngen hat neben diesem Sanitäter-Rucksack auch Erste-Hilfe Koffer und Verbandkästen für nicht professionelle Anwender im Angebotssortiment.Auch das Thema Freizeitsport und Erste Hilfe für TierSoehngen-Octett-Rettungsrucksacke kommt bei Söhngen nicht zu kurz. Für jeden Anwendungsfall gibt es Erste Hilfe Pakete bei Söhngen. Bestellbar ist der First-Responder Rucksack und alle weiteren Artikel bei www.soehngen.de Auch bei diesem Produkttest bedanken wir uns bei Herrn Heerdt und Herrn Müller für die ganztägige Unterstützung. Ganz besonderer Dank gilt Herrn Dipl.-Ing. Silvio Burlon, langjähriger Direktor der Hessischen Landesfeuerwehrschule.

 

 

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Abschließend noch das letzte von den 4 Themen. Feuer im Kraftfahrzeug.

Gloria-LogoWas macht man, wenn offene Flammen/Feuer aus dem Motorraum zu sehen sind? Kleine Entstehungsbrände sind leicht mit einem Pulver-Autofeuerlöscher in den Griff zu bekommen. Es kommt aber entscheidend auf die Handhabung des Löschers und auf die Löschtechnik an.

Verständlicherweise konnten wir bei unserem Feuerlöschgerät-Test aus umweltrechtlichen Gründen kein Auto mit einem Motor- oder Innenraumbrand simulieren. Einen ausgedehnten oder gar einen Vollbrand können Sie mit einem kleinen Autolöscher nicht bekämpfen. Hier ist dann professionelle Hilfe von der Feuerwehr absolut nötig. Aber es ging uns hier um Entstehungsbrände, z.B. an der Einspritzpumpe im Motorraum, Motoröl-Entzündungen und um Anfangsbrände im Innenraum. Hier haben wir einen Pulver Gloria-Auto-Feuerlöscher getestet.

Dieses zwar nicht bei einem Fahrzeugbrand, dennoch aber anschaulich bei einem simulierten Benzin/Diesel Brand auf dem Übungsgelände der Hessischen Landesfeuerwehrschule in Kassel. www.hlfs.hessen.de
Halten Sie bei einem Fahrzeugbrand den Löscher nicht gegen den Wind, bei einem Brand im Motorenraum von einem KFZ, versuchen Sie, durch die Öffnungen des Kühlers oder von unten das Löschpulver an den Brandherd zu bringen.Gloria

Für die Löschung von Entstehungsbränden im Motor- und Innenraum hat Gloria hier einen passenden und wirkungsvollen Pulverlöscher im Sortiment. Der getestete F2G Gloria- Pulverlöscher für Kraftfahrzeuge kostet im Handel ca. 40-50 Euro und beinhaltet eine stabile KFZ-Befestigung sowie einen Aufkleber für Seitenscheiben. Bezugsquellen sind unter www.gloria.de zu erhalten.

Nun sind unsere Produktvorstellungen für eine Selbstrettung aus Gefahrensituationen abgeschlossen und wir hoffen, dass sich jeder Fahrzeugführer, auch entsprechende Gedanken darüber macht. Mit wenig Aufwand kann eigenes Leben und das Leben anderer gerettet werden. Die Rettungsmittel sind da, müssen aber nur adäquat und besonnen angewendet werden.

Ein ganz besonderer Dank geht an die Hessische Landesfeuerwehrschule, Kassel und an Dipl.-Ing. Volker Heerdt, der unser Team den gesamten Tag über begleitet und tatkräftig unterstützt hat.

© 2014 NHR Text: L. Müller (LM) Fotograf: H.Jacob (JH) Videograf: U.Scholz (US)

Videostrecke

Ein Kommentar

  • Super ausführlicher Artikel. Rauchmelder sind in Deutschland schon fast überall Pflicht, aber wie sieht es aus wenn es wirklich brennt? Die wenigsten Leute haben einen Feuerlöscher zu Hause, um für den Notfall ausgerüstet zu sein. Ich finde das es ein sehr wichtige Thema ist, über da man viel mehr Informieren muß.

    Viele Grüße

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