Gefahrgutunfall im Tanklager Waldau Katastrophenschutzübung

Feuerwehruebung Nov (37)Am 01. November fand in Kassel eine groß angelegte Voll-Katastrophenschutzübung mit Beteiligung von sämtlichen verfügbaren Rettungsorganisationen statt. Einsatzort war das Öllager der Firma ÖTAG in der Lilienthalstraße.

Die Szenarien bei diesem simulierten Katastrophenfall waren die Rettung von 2 bewusstlosen Mitarbeitern, ein unkontrollierter Austritt von Betriebsstoffen aus einem der 3 Großraumtanks. Entzündung der Betriebsstoffe und Explosionsgefahr durch das Feuer für diesen Tank und für benachbarte Tankanlagen. Ziel der Übung war es, die Zusammenarbeit der Rettungsorganisationen weiter zu trainieren und zu optimieren sowie die Wasserversorgung, die für die Löschung des Feuers und für die Kühlung der gefährdeten benachbarten Großraumtanks notwendig ist, sicherzustellen.

Die Lage beginnt am späteren Morgen des 01. November mit der Alarmierung des Rettungsdienstes, der kurze Zeit später die bewusstlosen Firmenmitarbeiter reanimiert und aus dem Gefahrenbereich in Krankenhäuser verbringt. Parallel dazu treten aus dem äußeren der 3 Tanks unkontrolliert Betriebsstoffe aus, die sich entzünden.

Die Firma ÖTAG ist eines von drei Unternehmen in Kassel, die der Störfall-Verordnung unterliegen und verpflichtet sind, regelmäßige Übungen abzuhalten um die automatischen Sofortmaßnahmen und die Alarm-Meldewege zu kontrollieren. Nach Entzündung der Betriebsstoffe an einem der Tanks begann als Sofortmaßnahme die automatische Bekämpfung der Flammen durch eine selbstständig und automatisch arbeitende Mega-Maxi-Sprinkleranlage, die aus dem unweit gelegenen Löschwasserteich des Unternehmens gespeist wird und Löschwasser und Löschschaum an den Brandherd bringt. Auf unseren Fotos und in der Videostrecke sind die brachialen roten Wasserleitungen sowie die Wasser- und Schaumkanonen auf den Dächern der großen Tanks gut zu erkennen. Das Schaum-Wassergemisch mindert den Sauerstoffzutritt, das Löschwasser kühlt die Wände der Tanks, so die Antwort von Norbert Schmitz, Amtsleiter der Kasseler Berufsfeuerwehr.

Parallel zu dieser automatisierten Sofortmaßnahme läuft ein Notruf durch die Brandmeldeanlage des Betriebes in der Leitstelle der Berufsfeuerwehr auf und die Alarmkette startet. Kurze Zeit später trafen die ersten Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr auf dem Firmengelände ein. Etwas erschwert und dadurch auch zeitlich verlängert, wurde die Erstalarmierung durch einen prioritären realen Wohnungsbrand in Rothenditmold, der fast gleichzeitig mit dem Notruf aus Waldau in der Leitstelle der Feuerwehr einging. Nach erster Sondierung des Feuers an einem Öltank wurde erkannt, dass für diese Lage weitere unterstützende Einheiten angefordert werden müssen, um den betroffenen und die beiden anderen Großraumtanks zu schützen und vor allem zu kühlen. Es muss unbedingt eine Explosion verhindert werden.

Somit wurden alle freiwilligen Feuerwehren aus Kassel, die freiwillige Feuerwehr aus Helsa und die Feuerwehr Baunatal alarmiert und in diese Katastrophen-schutzübung eingebunden. Ebenso trafen ständig Rettungswagen am Einsatzort ein. Die Alarmwege haben funktioniert und obwohl es sich um eine Übungslage handelte, waren alle Einsatzkräfte konzentriert und der Bekämpfungseinsatz lief geordnet und abgestimmt ab. Insgesamt waren bis zu 120 Einsatzkräfte vor Ort.

Tausende Liter Wasser und Löschschaum wurden auf die Tanks der Öl- und Benzinlager geschossen. Jetzt wurde angenommen, dass die Wasservorräte des betrieblichen Löschteiches allmählich erschöpfen und auch durch dieFeuerwehruebung Nov (31) Löschfahrzeuge demnächst nicht mehr ausreichend Wasser herbei geschafft werden kann. Die Lage droht sich zu verschlimmern. Die Tanks müssen unbedingt gekühlt werden bis sich die Umgebungstemperaturen gesenkt haben. Außerdem darf sich das entstandene Feuer nicht weiter ausbreiten. Die technische Einsatzleitung der Berufsfeuerwehr Kassel, die sich aus taktischen Gründen, entfernt von dem Einsatzort in einem mobilen Büro positioniert hat, entschloss, gemeinsam mit dem Einsatzleiter vor Ort eine zusätzliche und unterstützende Wasserversorgung aus dem benachbarten Buga-See aufzubauen.

Der Plan ist, einen von dem Brandort nicht weit entfernten Bach aufzustauen und Wasser aus dem Buga-See in diesen Bachlauf zu pumpen. Aus einem Staubecken soll dann Wasser über große Kreiselpumpen und Schläuche in die Pumpstation bzw. in den Löschteich der Firma ÖTAG eingespeist werden.

Schon im Voraus wurde das Technische Hilfswerk (THW) über die Lage informiert und alarmiert. Nun kommt es zum Einsatz und vor Ort wird von den THW-Kräften eine Staumauer mit Holz-Verschalung und Sandsäcken gebaut und in den Bachlauf eingebracht. Das dringend benötigte Wasser wird nun von dem Buga-See in den Bach gepumpt und staut sich wie gewollt an der THW Staumauer. Dort wird es über große Kreiselpumpen in die Pumpstation des Betriebes transportiert und steht der automatischen Löschanlage auf den Öltank-Dächern und den Löschfahrzeugen zusätzlich zur Verfügung.

Die Alarmierungskette, die Aufgabenverteilung in einer Krisensituation und die Koordination von unterschiedlichen Rettungseinheiten werden ständig trainiert und optimiert. Eine Übung wie hier hat gezeigt, dass die Organisation funktioniert. In einem wirklichen Katastrophenfall spielt natürlich der Faktor Mensch eine ganz wichtige Rolle. Auch wenn die Technik und Kommunikation perfekt funktioniert.

© 2014 NHR  Text/Fotograf: Lutz Müller Fotograf: C.Bültemann Videograf: H.Jacob

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