52 „Stammbäume“ in Baunatal gesetzt



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Stammbaum1

Urkunden gab es aus der Hand der Ersten Stadträtin Silke Engler (Foto: Rainer Sander)

Einen Apfelbaum pflanzen…
Baunatal. Ein bisschen wirkte die Szene wie bei der Eroberung des Wilden Westens. Gerade so als hätte man ein Stück Land zur Besiedelung freigegeben und ein jeder konnte mit seiner Familie darauf seinen Pflock einschlagen und sein Land markieren. Na ja, ein wenig war es ja auch so. Jede junge Familie, die im zurückliegenden Jahr ein Kind zur Welt gebracht hat, durfte am Samstagmorgen in Baunatal am Russgraben einen Baum pflanzen, 52 von 244 machten davon Gebrauch, in einem symbolischen Akt, dem Neugeborenen einen lebenslangen Begleiter und ein lebendiges Denkmal zu setzen: einen Baum, der von diesem Moment an das Kind mit seiner natürlichen Stärke und erdverbundenen Energie durch die Kindheit und in die Erwachsenenwelt geleitet.

Ein Haus, ein Kind und einen Apfelbaum
Seit dem Millennium, dem Jahr 2000, werden in Baunatal Stammbäume gepflanzt. 933 sind es jetzt an der Zahl. Einen Sohn zeugen, ein Haus bauen und einen Baum pflanzen müsse jeder Mann, soll Konfuzius dereinst gesagt haben. Dem Reformator Martin Luther unterstellt man, er habe verkündet, dass er heute noch einen Apfelbaum pflanzen würde, ginge morgen die Welt unter. Nun, beim Kinderkriegen sind nicht Männer die tragenden Personen und die Welt ist zuletzt am 21.12.2012 untergegangen.

Aber Häuser werden in Baunatal jede Menge gebaut und in der Folge wohl auch einige Kinder gezeugt. Über 200 sind es in Baunatal jedes Jahr und 52 Väter und Mütter haben 2014 das Angebot der Stadt angenommen, tatsächlich einen Apfelbaum zu pflanzen oder wahlweise auch einen Pflaumenbaum. Nicht nur die modernen Supermarktzüchtungen, wie Silke Engler betonte, die klassischen Sorten standen zur Auswahl. Apfelbäume, so die stellvertretende Bürgermeisterin, gab es schon in der Steinzeit und die Pflaume wurde angeblich durch Alexander den Großen nach Europa gebracht. Nach populistischer Bibelauslegung hat der Apfel beim Sündenfall durch Adam und Eva neben der Schlange die tragende Rolle gespielt. Na, wenn das nicht für einen Stammbaum bedeutungsvoll ist.

Verschiedene Bäume zur Auswahl – der Bauhof berät (Foto: Rainer Sander)

Verschiedene Bäume zur Auswahl – der Bauhof berät (Foto: Rainer Sander)

Großeltern als Helfer, Draht gegen Wühlmäuse
Beim Pflanzen waren auch viele Großväter und Großmütter dabei und Herr Althans vom städtischen Baubetriebshof half bei der – für viele ungewohnten – Arbeit. Die fiel in diesem Jahr komplizierter aus als sonst. Wegen der gerade erhöhten Wühlmauspopulation, mussten Drähte zum Schutz der Wurzeln mit eingegraben werden. Wenn alles gut geht, entsteht eine Streuobstwiese mit 52 Bäumen und die Kinder des Jahrgangs 2014 haben jedes Jahr die Möglichkeit, Früchte von ihrem Stammbaum zu ernten. (rs)



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