Gut für Umwelt und Etat: Der „elektronische Wassermeister“

So klein ist das System geworden: Bürgermeister Klaus Wagner, Matthias Weniger und Andreas Herget mit Tablet-PC vor dem alten Serverschrank (Foto: Rainer Sander)

So klein ist das System geworden: Bürgermeister Klaus Wagner, Matthias Weniger und Andreas Herget mit Tablet-PC vor dem alten Serverschrank (Foto: Rainer Sander)

Nordhessische Gemeinde und Elektronik-Firma entwickeln innovatives System

Oberaula. Im Knüll ist es romantisch. Vor allem aber haben die Kommunen dort lange Leitungen – rein physisch! Und vor allem Wasserleitungen und Kanäle verursachen hohe Kosten. Ein wenig wird in der Abgeschiedenheit des Knüll, nämlich in Oberaula, aber gerade die Welt verändert. Ohne hohen Kostenaufwand aber mit viel Innovation entstand dort ein Steuerungssystem, das viel Geld, Personaleinsatz und Wasser spart.

In langen und teuren Wasserleitungen kann viel kostbares Nass verloren gehen, beispielsweise dann, wenn man von einem Leck gar nichts merkt und dafür ständig mehr Wasser in die Hochbehälter pumpt oder von vornherein eine Sicherheitsreserve ansammelt. Zwischen Quelle, Hochbehältern, Verbrauchern und Kläranlagen liegt meist ein ausgeklügeltes System mit vielen Leitungen, Rohren und einer Menge Speicher- und Regelungstechnik, um das Wasser für ein paar Tausend Einwohner mit dem richtigen Druck verfügbar zu machen, zu entsorgen und wieder aufzubereiten. Nach alter Steuerungstechnik wurde in Oberaula bisher überall ein Telefonanschluss mit analogem Modem betrieben, um Daten zu übertragen und Störungen zu melden. Bei einem Defekt, musste ein Mitarbeiter losfahren und nachsehen, denn die Anlage konnte weder analysieren noch auswerten, geschweige denn Fehler beheben. Der Weg in entlegene Hochbehälter – mitten im Wald und im Winter fast unzugänglich – war oft weit und nachts abenteuerlich.

Schwer zugänglich: der Hochbehälter im Ortsteil Olberode erfordert kilometerlange Anfahrt durch den Wald (Foto: Rainer Sander)

Schwer zugänglich: der Hochbehälter im Ortsteil Olberode erfordert kilometerlange Anfahrt durch den Wald (Foto: Rainer Sander)

Fernwirk-Wasser-Weniger – FeWaWe
Andreas Herget ist Wassermeister in Oberaula und hat sich schon seit fünf Jahren nach Alternativen umgesehen. Als Störungen nicht mehr quittiert werden konnten und die Kontrollbesuche zunahmen, musste er handeln. Allein die Reparatur des Steuerungssystems der Altanlage hätte 20.000 Euro gekostet. Mit Matthias Weniger von der ortsansässigen Firma Elektronikservice wurde die Idee entwickelt, auf Basis einer Codesys-Programmierung eine eigene Lösung zu bauen. Ziel war es, den Arbeitsaufwand zu minimieren, Übersicht und Aussagefähigkeit zu verbessern und dabei Kosten und Ressourcen zu sparen. Ein Gedanke, die bei Bürgermeister Klaus Wagner und Bauamtsleiter Helmut Henning sofort auf Zustimmung stieß.
Seit ein paar Wochen läuft das System „Fernwirk-Wasser-Weniger“ (FeWaWe) fehlerfrei und sorgt für Begeisterung auch beim Kämmerer. Statt analoger Telefonanschlüsse arbeitet der Wassermeister jetzt mit Mobiltelefon-Anschlüssen. Das neue System spart jedes Jahr bei 12 Außen-Stationen 5000 Euro an Telefonkosten und zusätzlich 2000 Euro an Stromkosten. Dazu kommen ein deutlich geringerer Personaleinsatz und weniger Betriebskilometer mit den Gemeindefahrzeugen. Mit 27.000 Euro wurden insgesamt nur 7000 Euro mehr investiert, als für die Altanlage fällig waren und die werden sich nach dem ersten Jahr bereits mehr als amortisiert haben.

Statt bisher einer Abfrage pro Tag meldet das System jetzt alle fünf Minuten Daten. Bei Bedarf kann auf eine Minute umgestellt werden. Übertragen werden Messlinien aus 12 Stationen (Tiefbrunnen, Hochbehälter, Übergabe-, Pumpen-, Druckminder-Schächte, Kläranlagen), die übereinandergelegt sofort eine Auswertung liefern. Grafisch werden die Stationen zusätzlich auf einem Ortsplan der Gemeinde übersichtlich dargestellt und Störungen visuell angezeigt. Dank der App für Tablet und Smartphone kann der Wassermeister praktisch von jedem Ort der Welt sein System steuern.

Alle Außenstellen in einer Übersicht auf der Software (Grafik: Matthias Weniger)

Alle Außenstellen in einer Übersicht auf der Software (Grafik: Matthias Weniger)

Steuerung vom Tablet – mehr Sicherheit im Brandfall
Früher waren Mengen oft Schätz- und Erfahrungswerte. Jetzt werden Messwerte in Echtzeit umgesetzt. Schieber können vom Tablet aus geöffnet und geschlossen werden. Bei Feuerwehreinsätzen musste immer zum Hochbehälter gefahren werden, um die Wassermenge zu erhöhen. Jetzt kann die Feuerlöschreserve mit dem Zeigefinger auf dem Display freigegeben werden. Plötzlich auftretende Wasserverluste oder Mehrverbräuche können sofort lokalisiert werden, das spart Zeit und Kosten bei der Suche.

Bürgermeister Wagner ist froh darüber, einen so engagierten Wassermeister und solch einen innovativen Betrieb in seiner Gemeinde zu haben. Systementwickler Matthias Weniger ist sicher, dass das System auch in vielen anderen Kommunen erhebliche Einsparungen im Haushalt und bei Ressourcen bewirken kann. Insgesamt 800 Mess- und Schalteingänge sind möglich, damit würde die Technik auch in größeren Städten und Gemeinden funktionieren. (rs)

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