Halbmarathon geschafft: Tempo 100 ab sofort

Die A49 durchschneidet den Ortsteil Holzhausen und sorgt seit der Sanierung für erhöhte Lärmbelastung (Foto: Rainer Sander)

Die A49 durchschneidet den Ortsteil Holzhausen und sorgt seit der Sanierung für erhöhte Lärmbelastung (Foto: Rainer Sander)

Erfolgreiche Interessengemeinschaft – Lärmschutz an der A 49 beginnt

Edermünde. Sie haben jetzt fast zwei Jahre für ihre Sache gekämpft, die Bürger von Holzhausen. Nun wird ihr Anliegen umgesetzt, zumindest erst einmal mit dem Minimalziel. Für Bürgermeister Thomas Petrich und Günther Schumann, den Sprecher der als „Interessengemeinschaft Lärmschutz A 49 Holzhausen“ gegründeten Bürgerinitiative, ist die Arbeit wie ein Marathonlauf. Aber, so Petrich, „jetzt haben wir den Halbmarathon geschafft“. Seit dem 30. November 2015 gilt im Abschnitt Edermünde-Holzhausen das Tempolimit 100.

Seit 1967 leben die Menschen in Holzhausen mit der vierspurigen Bundesfernstraße. Das Neubaugebiet am Hahn hat sich prächtig entwickelt, Gewerbeflächen sind entstanden und alles in friedlicher Koexistenz zwischen Bewohnern, Gewerbetreibenden und der Autobahn. Bis diese 2013 erneuert wurde. Der neu aufgetragene Belag ist wesentlich lauter und schalldämmende Bepflanzung ist verschwunden. Daraufhin entstand die Interessengemeinschaft, nicht um gegen die Autobahn zu kämpfen, sondern um den alten Zustand wiederherzustellen. Unterstützung fand sie in Landtagsabgeordneten, Bundestagsabgeordneten sowie Amtsträgern aus Gemeinde und Landkreis. Eigentlich wollten alle den Missstand ändern, selbst der zuständige Minister Tarek Al-Wazir zeigte Verständnis und Hessen Mobil räumte zumindest ein, dass ein Fehler passiert sein könnte. Aber so schnell repariert man einen neuen Autobahnabschnitt dann doch nicht und vor allem wollte ganz offensichtlich niemand echte Beweise für den verschlechterten Zustand.

Zufrieden mit dem Minimalziel: Bürgermeister Günther Schumann und Thomas Petrich (rechts) (Foto: Rainer Sander)

Zufrieden mit dem Minimalziel: Bürgermeister Günther Schumann und Thomas Petrich (rechts) (Foto: Rainer Sander)

Mit Fachwissen auf Augenhöhe – die Ergebnisse
Die Interessengemeinschaft hat sich, so lobte Bürgermeister Thomas Petrich in der gestrigen Pressekonferenz deren Vertreter, so viel Fachwissen angeeignet, dass sie mit Hessen Mobil auf Augenhöhe verhandeln konnte. Das prägte auch das letzte Gespräch im Rathaus am 30.11.2015 mit Herrn Eugen Reichwein von Hessen Mobil, bei dem es „Zusagen zu einigen unserer Forderungen nach einem verbesserten Lärmschutz“ gab, so Schumann. Ab sofort gilt Tempo 100, der bestehende Lärmschutz-Wall wird erhöht, ein Teil des Fahrbahnbelags wird ausgetauscht und der Austausch des übrigen Belages Aussicht gestellt. „Wir sind mit dem Minimalziel Tempobeschränkung auf jeden Fall zufrieden!“ Verkündete Schumann, dennoch verliert man in Edermünder das Ziel nicht aus den Augen.

Neue Zahlen belegen Lärmbelästigung
Der Weg war nicht ganz einfach, zumal Hessen Mobil von geringeren Zahlen ausgegangen war. Auf wundersame Weise gab es praktisch kaum noch Autoverkehr auf der A 49 und die Interessengemeinschaft drängte auf eine neue Verkehrszählung. Diese wurde nach zähem Ringen um die Anschlussstelle Edermünde angeordnet, durchgeführt und von der Interessengemeinschaft mit einer eigenen Erfassung begleitetet.

Das Ergebnis brachte neue Erkenntnisse zu den Verkehrsmengen (DTV-Werte), die maßgeblich für die Berechnung der realen Lärmbelastung sind. Fast 39.000 Autos bewegen sich täglich über die Straße und damit sind nun doch die Voraussetzungen erfüllt, um von einer Lärmbelästigung sprechen zu können, der mit einem Tempolimit wirksam begegnet werden kann.

Die Tempozone 100 reicht vom Brückenbauwerk der B254 (Anschlussstelle Felsberg) bis zur ARAL-Tankstelle und gilt 24 Stunden rund um die Uhr und ist befristet bis zur Erneuerung der Fahrbahndecke. Nachtabsenkungen auf Tempo 80 würde keine hörbare Minderung mehr erzielen.

So werden die Maßnahmen umgesetzt (Grafok: Hessen Mobil | nh)

So werden die Maßnahmen umgesetzt (Grafok: Hessen Mobil | nh)

Lärmschutzwall hat sich gesenkt
Die Erhöhung des bestehenden Lärmschutzwalls im Abschnitt Holzhausen (Auffahrt in Richtung ARAL-Tankstelle – Ostseite A49) wird angeordnet, weil die aktuelle Höhe von der Planfeststellung um 13 bis 70 Zentimeter abweicht, da sie sich gesenkt hat. Dies geschieht im 2. Quartal 2016. Die Fahrbahnsanierung im Abschnitt vom Anschluss Edermünde in Nordrichtung bis zur Tankstelle ARAL Ost ist vorgesehen für Mitte 2017. Der dann verwendete Fahrbahnbelag soll eine Erleichterung um -2 dB(A) bringen. Die Ausschreibung erfolgt im Herbst 2016.

Lärmschutzwall in privater Initiative?
Bürgermeister Thomas Petrich informierte außerdem darüber, dass ein Angebot eines örtlichen Unternehmens vorliege, das kostengünstig einen weiteren Lärmschutzwall errichten könnte. Diese Maßnahme gilt es zu prüfen, denn sie wäre, so der Verwaltungschef, eine weitere Entlastung. (rs)

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