Hessens Milchkönigin kommt aus Gudensberg



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Sarah 1, Friedhelm Schneider und die scheidende Svenja 1 auf dem Hof Knaust in Gudensberg (Foto: Rainer Sander)

Sarah 1, Friedhelm Schneider und die scheidende Svenja 1 auf dem Hof Knaust in Gudensberg (Foto: Rainer Sander)

Sarah I repräsentiert Berufsstand und das Lebensmittel Milch

Gudensberg. Seit dem Bauerntag in Bad Hersfeld am 10. Juni ist Sarah Knaust aus Gudensberg neue Hessische Milchkönigin. Vergangene Woche wurde sie auf dem elterlichen Hof im Chattengau vorgestellt. 23 Jahre jung und doch schon engagiert und versiert, was den Beruf angeht. Hauptberuflich ist die studierte Agrarwissenschaftlerin (Bachelor-Abschluss der Georg-August-Universität Göttingen) für den hessischen Rinderzuchtverband, der Zucht- und Besamungsunion eG in Alsfeld, tätig. Wenn sie über Kühe und Milch redet, weiß sie definitiv, wovon sie spricht. Und wenn es die Zeit erübrigt, hilft sie auf dem elterlichen Hof in der Besser Straße.

Es ist nicht die beste Zeit, um als Milchkönigin ein schönes Leben zu führen. Die Milchpreise sind so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr, teilweise unter 20 Cent werden pro Liter vergütet, während der Bauernverband und der Verband der Milchwirtschaft von über 40 Cent Kosten ausgehen. Die hessischen Bauern produzieren demnach weit unter der Kostendeckung. Da bekommt eine Milchkönigin jede Menge Arbeit, um den Berufsstand der Landwirte zu vertreten und um Verbraucher, Einzelhandel, Discounter und Molkereien gleichermaßen davon zu überzeugen, dass Milch ein Lebensmittel und keine Ramschware ist.

Sarah 1, Glückliche Kühe auf dem Hof Knaust - 160 Milchkühe sind es insgesamt (Foto: Rainer Sander)

Sarah 1, Glückliche Kühe auf dem Hof Knaust – 160 Milchkühe sind es insgesamt (Foto: Rainer Sander)

Ein strammes Repräsentationsprogramm

Zwei Jahre lang wird sie in Amt und Würden sein und ist für diese Zeit das „Gesicht der Milch“. Sie freut sich auf viele Veranstaltungen und Termine, in denen sie die Milchwirtschaft repräsentieren darf. 60 bis 80 davon sind es in der Regel jedes Jahr, also etwa sechs jeden Monat. Ein Highlight wird zweimal in ihrer Amtszeit die Grüne Woche in Berlin sein. Für sie, so erzählt sie der versammelten Presse, ist mit der Wahl ein Traum in Erfüllung gegangen, schließlich sind Kühe, der Hof und die Milch ihr Leben. Gute Voraussetzungen, für eine „Hoheit“. Und dass sie diese Aufgabe vor allem mit Sachverstand, Fachwissen und Selbstbewusstsein im Dienste der Milchbauern und deren Tiere erfüllen wird, macht sie gleich am ersten Tag als Königin in der Heimat deutlich.

Als Friedhelm Schneider, Vorsitzender der Landesvereinigung Milch Hessen e.V. nach seiner Begrüßungsansprache und der Verabschiedung ihrer Vorgängerin Svenja I, mit der Presse zur Tagesordnung und zum Betriebsrundgang übergehen möchte, interveniert sie mutig und selbstbestimmt „jetzt bin ich erst einmal dran…“ und gibt ihr Statement ab.

Schneider machte durchaus deutlich, mit wieviel Sendungsbewusstsein und einer starken Lobby die Verbände der Milchwirtschaft in der Bundesrepublik agieren. Die Zeiten sind nicht leicht, im Jahr 2000 gab es noch 6000 Milchviehbetriebe in Hessen, aktuell sind mit 3200 knapp mehr als die Hälfte übrig geblieben. Der Preis ist ruinös. Je mehr Kühe, desto mehr Verlust, so sein Fazit für die noch bestehenden Bauernhöfe. Er bittet nicht, sondern nennt seine Variante der Lösung: wenn schon Kommunen, die nicht fähig sind zu wirtschaften, einen Schutzschirm bekommen, dann müsse es auch einen Schutzschirm für die Milchbauern geben.

Geschenke auch für die Eltern Doris und Michael Knaust (Foto: Rainer Sander)

Geschenke auch für die Eltern Doris und Michael Knaust (Foto: Rainer Sander)

Etwas weniger Energiewende – dafür 2,8 Milliarden Euro als verlorenen Zuschuss

Dass der gleiche Vorwurf auch seine Branche treffen könnte, lässt er gewiss nicht gelten. Die Ursache, so Schneider, liegt einerseits an den hohen Umweltauflagen vom Abwasser bis zum Lärmschutz in der EU und in Deutschland im Vergleich zu den USA, wo man Abwässer noch einfach weglaufen lassen könne, vor allem aber im Russland-Embargo der EU. 1,4 Milliarden Euro an Umsatz brechen dadurch pro Jahr weg und die möchte er als verlorenen Zuschuss zwei Jahre lang für die Milchbauern. Dafür würde er gerne auf ein Stück Fortschritt und Energiewende verzichten, der Unsinn mit den Elektroautos müsse stattdessen aufhören.

Sympathieträgerin aus dem Chattengau

Damit macht man sich nicht nur Freunde, aber von denen wird die Milchwirtschaft in Zukunft eine Menge brauchen. Ganz sicher wird Sarah I ihren sympathischen und kompetenten Beitrag dazu leisten. Gegen sieben Kandidatinnen hat sie sich vor der Inthronisierung durchgesetzt und ganz sicher wird sie als Botschafterin für das weiße Lebensmittel auch zur Sympathieträgerin werden.

Während des Pressetermins kam ein Kälbchen zur Welt. 160 Milchkühe beherbergt der Hof Knaust, der seit 1730 im Familienbesitz ist. (rs)

 



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