Hochdruck in Lohfelden



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Geschichte – so sahen die Richterhallen früher aus – Foto aus der Ausstellung „Momente“ im Rathaus von Lohfelden (Foto: Rainer Sander)

Arvos GmbH – Schmidtsche Schack übernimmt Richter-Hallen
Lohfelden. Es war ein kurzer Solartraum in Lohfelden mit Kirchner Solar aus Alheim. Unmittelbar vor Beginn der Krise in der Solarindustrie hatten sie hoffnungsvoll ein Riesenprojekt in Lohfelden begonnen. Jetzt beginnt in den alten Industriehallen an der Langen Straße ein neues, ein weiteres Kapitel. Vor einiger Zeit bereits hat die frühere Schmidt’sche Heissdampf das Gelände angemietet die Produktion begonnen. Jetzt ist sie Eigentümer des Geländes.
Die heutige SCHMIDTSCHE SCHACK | ARVOS GmbH entstand 1995 aus dem Zusammenschluss der beiden Traditionsunternehmen Schmidt’sche Heissdampf-Gesellschaft mbH, gegründet 1910 in Kassel-Wilhelmshöhe und Rekuperator Schack GmbH, seit 1931 in Düsseldorf. Firmensitz und eigene Fertigung sind in Kassel, eine Zweigniederlassung in Düsseldorf und die Tochtergesellschaft ARVOS LJUNGSTRÖM GmbH ist operativ in Heidelberg. Die SCHMIDTSCHE SCHACK beschäftigt 400 Mitarbeiter, davon 250 in Kassel. Der Umsatz beträgt 200 Millionen Euro.

 

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Es wird großes bewegt bei Schmidtsche Schack (Foto: pm | nh)

Weltweit führend bei Hochtemperatur und Hochdruck
SCHMIDTSCHE SCHACK ist ein weltweit führender Entwickler und Fertiger von prozessrelevanten und prozesskritischen Hochtemperatur-/Hochdruck Wärmeübertragungskomponenten und –systemen für die chemische, petrochemische und metallurgische Industrie.
Weltweit agierende Ingenieurgesellschaften entwickeln neue chemische Reaktionsprozesse oder optimieren bestehende Prozesse. SCHMIDTSCHE SCHACK ist ihr regelmäßiger Partner und für Entwicklung, Berechnung, Konstruktion und meist auch Fertigung von „Prozesswärmetauschern und Energierückgewinnungssystemen“ verantwortlich. Hierbei kann es sich um ein „schockartiges“ Abkühlen von Prozessgasen handeln um auf diese Weise eine Stabilisierung des Reaktionsproduktes zu erzielen, wie beispielsweise bei der Äthylenherstellung.
Ein durchaus erwünschter „Nebeneffekt“ ist die Rückgewinnung von Wärme aus dem Reaktionsprozess. Diese Wärme, in Form von Wasserdampf oder vorgewärmter Luft, wird dem Herstellprozess wieder zugeführt oder zur Stromerzeugung verwendet, was sich in jedem Fall positiv auf die Energiebilanz des Prozesses und die Wirtschaftlichkeit der Produktionsanlage auswirkt.
Kombination aus Verfahrenstechnik und Ingenieurleistungen
Die besondere Kompetenz von SCHMIDTSCHE SCHACK resultiert aus der Kombination außerordentlicher Fähigkeiten von Ingenieursleistungen in Verfahrenstechnik, Entwicklung und Konstruktion sowie in ihren hervorragenden fertigungstechnischen Fähigkeiten. In der Summe führen diese Eigenschaften zu exzellenten, innovativen Produkten die weltweit nachgefragt werden.
Seit zehn Jahren nutzt SCHMIDTSCHE SCHACK neben der Fertigung des Stammhauses in Kassel, Bettenhausen die ehemaligen „Richter Hallen“ zur Fertigung vor allem großer schwerer Apparate. Hier entstanden Schmidt’sche® Prozessgaskühler, Schmidt’sche® Spaltgaskühler, aber auch die größten weltweit jemals gebauten Schmidt’sche® Synthesegaskühler für Korea und Indien sowie technisch hochinnovative Schmidt’sche® Dampfüberhitzer.
Diese für SCHMIDTSCHE SCHACK wesentlichen und zukunftsweisenden Aufträge waren nur realisierbar durch die besondere eigene Fertigungskompetenz und das Werk Lohfelden. SCHMIDTSCHE SCHACK wurde zum weltweit führenden Anbieter sehr spezieller Apparate für die chemische Industrie, dank seiner Fähigkeiten, besonders leistungsfähige technische Lösungen entwickeln und – ganz entscheidend – in eigener Fertigung mit eigener Fertigungskompetenz herstellen zu können.

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Nutzung der Hallen während der Gewerbeschau (Foto: Rainer Sander)

Kauf am 1. April
Am 1. April 2016 kaufte SCHMIDTSCHE SCHACK | ARVOS GmbH die bisher angemietete Immobilie Werk Lohfelden. Hierzu Zitat von Karsten Stückrath „Der Kauf zeigt die Zuversicht des Unternehmens in eine weiterhin positive Marktentwicklung sowie das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig ist die Investitionsentscheidung ein Bekenntnis zum Standort Nordhessen: Wir in SCHMIDTSCHE SCHACK wissen, dass wir durch Bündelung unserer besonderen Fähigkeiten in der gesamten Prozesskette, alle Aufgaben meistern können und auch werden!“
Wesentliche Produkte aus eigener Fertigung in Kassel und Lohfelden sind: Schmidt’sche® Spaltgaskühler für die Äthylenindustrie. Hier hat SCHMIDTSCHE SCHACK eine führende Position weltweit. Über 7000 Spaltgaskühler, gebaut nach dem Schmidt’sche® Doppelrohrsystem mit Ovalsammlern sind im Einsatz in den Äthylenfabriken weltweit. Mehr als die Hälfte der weltweit verwendeten Kunststoffe werden mit Hilfe von Schmidt’sche® Spaltgaskühlern hergestellt.
Hochtemperaturluftvorwärmer für die Rußindustrie
Ruß ist ein wichtiger technischer Funktionsträger bei der Herstellung von Gummi, zum Beispiel für die Reifenindustrie. Um Industrieruß herzustellen wird kohlenstoffhaltiger Rohstoff, meist Erdgas, Erdöl oder Naphta, unter Sauerstoffmangel oxidiert (unvollständig „verbrannt“). Das dabei entstehende Gasgemisch mit hohem Anteil an Kohlenstoff muss von etwa 1150 Grad Celsius auf 450 Grad Celsius abgekühlt werden, um in Größe und Form klar definierte Kohlenstoffpartikel zu erhalten. Diese Aufgabe übernimmt der Schack® Luftvorwärmer. Kühlmedium ist hier Luft, die bis auf 900 Grad Celsius vorgewärmt wird und dem Prozess als Verbrennungsluft zugeführt wird. Die meisten Rußfabriken weltweit arbeiten mit Schack® Luftvorwärmern. Man kann also davon ausgehen, dass der Ruß in den eigenen PKW-Reifen, Gummistiefeln und Scheibenwischern mit Hilfe eines Schack® Luftvorwärmers von SCHMIDTSCHE SCHACK erzeugt wurde.
Prozessgaskühlsysteme für die Herstellung von Methanol, Ammoniak oder Wasserstoff
In sogenannten Reformeranlagen werden große Menge dieser chemischen Grundstoffe erzeugt die Ausgangspunkt einer Vielzahl chemischer Endprodukte für verschiedenste Verwendungsmöglichkeiten sind: Methanol, ein Alkohol, wird z.B. als Kraftstoffersatzstoff verwendet; Ammoniak ist Ausgangsstoff für z.B. Kunstdünger während Wasserstoff in Raffinerien den schweren Fraktionen beigegeben und zu Reaktion gebracht wird um die Ausbeute an leichtflüchtigen Fraktionen zu erhöhen.

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Der Bürgermeister der Gemeinde Lohfelden, Michael Reuter (l.), unternahm gemeinsam mit Geschäftsführer der Firma Schmidtsche Schack, Karsten Stückrath (M.) und Kämmereileiter Thorsten Bürgel (r.) einen Rundgang durch die Produktionshalle in den ehemaligen Richterhallen (Foto: pm | nh)

Gesundes Wachstum auch mit neuen Produkten:
Synthesegaskühler für die Vergasung (partielle Oxidation) von Raffinerieabfällen (zum Beispiel Petrolkoks oder extremes Schweröl), Kohle, Öl, haben bei SCHMIDTSCHE SCHACK eine sehr lange, über 40 jährige, Tradition. 2012 wurden drei Synthesegaskühler von SCHMIDTSCHE SCHACK in Kassel konstruiert und gefertigt. Die Verschiffung der 34 Meter langen und 300 Tonnen schweren Apparate zum Kunden in Korea erfolgte über die Weser ab Hann.Münden.
Zum Jahreswechsel 2012/13 erhielt SCHMIDTSCHE SCHACK den Lieferauftrag für insgesamt 10 Synthesegaskühler mit dem gigantischen Transportgewicht von 700 Tonnen und eine Länge von 45 Metern. Die Lieferung zur Baustelle in Indien erfolgte zwischen September 2014 und Ende 2015.
Die Aufgabe von Synthesegaskühlers ist in einem Reaktor erzeugtes Synthesegas von 1450 Grad auf ca. 300 Grad Celsius abzukühlen. Kühlmedium ist Wasserdampf der je nach Auslegungskriterien bis über 100 bar und Temperaturen von über 300 Grad Celsius erreicht.
Die beiden Vergasungsanlagen in Korea und Indien sind die größten weltweit gebauten oder im Bau befindlichen Anlagen. Das Vertrauen der Endkunden und Planer in SCHMIDTSCHE SCHACKs Fähigkeiten in Berechnung, Konstruktion und Fertigung war so groß, dass man Aufträge platzierte ohne dass es Referenzen für vergleichbare Ausführungen gab. Allein das auch hier angewandte Schmidt’sche® Doppelrohrsystem mit Ovalsammlern überzeugte überlegen.
Dampfüberhitzer für Methanisierungsanlagen
Ein Teil des in der indischen Anlage erzeugten Synthesegases soll in einem nachfolgenden Methanisierungsprozess „energetisch aufgewertet“ werden. Wiederum konnte SCHMIDTSCHE SCHACK, mit einer ganz besonderen konstruktiven Lösung, den Wettbewerb für sich entscheiden.
Anfang Mai 2016 werden die beiden je 200 Tonnen schweren und 22 Meter langen Dampfüberhitzer die Reise von ihrer Fertigungsstelle, dem SCHMIDTSCHE SCHACK Werk Lohfelden, über die Weserverladestelle Hann.Münden nach Indien antreten.
Weitere Aufträge für Dampfüberhitzer befinden sich in der Konstruktionsphase. Fertigstellung und Verschiffung sind für Ende 2016 sowie im Laufe des Jahres 2017 geplant. (pm|rs)

 



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