Neujahrsempfang mit Europaminister Michael Roth in Gudensberg

Trat engagiert für diplomatische Lösungen ein: Europaminister Michael Roth (Foto: Rainer Sander)

Trat engagiert für diplomatische Lösungen ein: Europaminister Michael Roth (Foto: Rainer Sander)

Diplomatie pur: Ahle Worscht geht immer…!
Gudensberg. Nicht, dass Gudensberg – wie die Russisch- oder die Griechisch-Orthodoxen Christen – nach dem Julianischen Kalender rechnet und das neue Jahr dort später beginnt: im Chattengau nimmt man sich kreativ Zeit mit den Neujahrsempfängen: Edermünde ganz früh, Gudensberg ganz spät. Ehrengast am Freitagabend im Gudensberger Bürgersaal, war der Heringer Michael Roth, Staatsminister für Europa in Berlin. Und mitten im Chattengau – der Wiege (Nord-) Hessischer Kultur – musste sich der Vegetarier Roth mit der Roten- beziehungsweise „Ahlen Worscht“ auseinandersetzen. Im Präsentkorb lag solch ein gutes Stück, aber der Minister, der mit Griechenland, der Ukraine und der EU gerade besonders viel zu tun hat, sieht sich auch als Botschafter hiesiger Esskultur und kann daher persönliche Lebenseinstellung von politischer Verantwortung ganz gut trennen.

Das gilt auch für die Diplomatie, die dieser Tage gerade in Osteuropa und in Griechenland besonders gefragt ist. Roth warb während seiner Ansprache um Verständnis für deutliche Aussprache: „Mir fällt zu Putin nichts Gutes ein.“ Und weiter: „zur Diplomatie gehört auch, sich mit A…löchern an einen Tisch zu setzen und Lösungen zu suchen!“ Auch wenn beide Sätze nicht im unmittelbaren Zusammenhang standen, so war doch klar, was der in Berlin aufstrebende Politiker aus der Region – der einzige Nordhesse im Kabinett – damit gemeint haben könnte. Und er machte klar, dass es ohne diplomatische Lösung nicht geht, denn niemand in der EU und schon gar nicht Deutschland, werde einen Konflikt mit Waffengewalt lösen. Auch dann nicht, wenn andere mal eben ein Land überfallen. Immerhin ist Putin ein demokratisch gewählter Präsident.

Bürgermeister Frank Börner beim Neujahrsempfang (Foto: Rainer Sander)

Bürgermeister Frank Börner beim Neujahrsempfang (Foto: Rainer Sander)

Griechenland: die „Kleinen“ zahlen die Zeche für falsche Politik
Viel wichtiger erscheint dieser Tage – für die (Volks-) Wirtschaft die Zukunft Griechenlands innerhalb des Euro. „Wenn in Griechenland die meisten Jugendlichen arbeitslos sind“, so Roth, „dann verlieren sie den Glauben an die Demokratie!“ Und das im Mutterland der Demokratie. Dass dort vieles unverständlich und neu zu regeln ist, weiß der Minister: es sind die kleinen Leute, die rund um die Akropolis die Zeche für eine falsche Politik zahlen. Unverständlich, dass Reeder – verfassungsmäßig verankert – nach wie vor gar keine Steuern zahlen, dass es keine Kataster gibt und damit auch keine Grundsteuer: „Inzwischen sind als Folge der Sparpolitik 30 Prozent der Griechen nicht mehr krankenversichert und wer ein Jahr arbeitslos ist, bekommt gar nichts! Und wir ärgern uns über Hartz IV…!“

Aber obwohl Roth sehr wohl weiß, dass die Einhaltung von Haushaltsdisziplin für Griechenland alternativlos ist, erinnert er an mögliche Folgen für Deutschland: was ist, wenn es auch die Franzosen und die Spanier nicht schaffen? Die meisten deutschen Exporte gehen in die EU und was wird mit unseren Arbeitsplätzen, wenn niemand mehr unsere Produkte kauft? Kein Staat sei in Europa groß genug, seine Probleme allein zu lösen und dass in der Not entstandene gute Verhältnis zwischen Merkel und Hollande – Deutschland und Frankreich – sei dafür das beste Beispiel: „wenn man in den Abgrund geschaut hat, rückt man zusammen!“

Der Eintrag ins Goldene Buch (Foto: Rainer Sander)

Der Eintrag ins Goldene Buch (Foto: Rainer Sander)

Gudensberg kann fehlendes Geld aus Wiesbaden schwer verkraften
Bürgermeister Frank Börner hatte zuvor die Gudensberger Neujahrs-Themen benannt: die Haushaltssituation der hessischen Kommunen sei auch für Gudensberg untragbar, 700.000 Euro fehlen seit 2010 jährlich. Trotzdem wird in Gudensberg investiert, in die Zukunft der Kinder, also in die Kindergärten und in die Infrastruktur. Zukunftsfähig sei auch die Beteiligung am gemeinsamen Rückkauf der örtlichen Stromnetze durch die FEE (Fulda-Eder-Energie). Nicht so überzeugend sei hingegen die überregionale Netzplanung: Südlink Netzbetreiber Tennet habe mit acht verschiedenen Trassenvarianten die Bürger verwirrt und unabhängig von der möglichen Sinnlosigkeit der Trasse ein besonderes Beispiel an undemokratische Intransparenz abgeliefert. Ein Unding sei außerdem die Tatsache, dass Deutschland und gerade Gudensberg im Ausbau des schnellen Internets ganz hinten rangiere. Auch das seien eigentlich keine kommunalen Themen, sondern gehöre nach Berlin und Wiesbaden. Und den Rahmen für die Wichtigkeit lokaler Themen zeigten zwei Filme über die Ahle Worscht aus Nordhessen.

Walter Pippert: so pragmatisch kann Lokalpolitik sein

Daran, wie pragmatisch Kommunalpolitik dennoch sein kann, erinnerte Stadtverordnetenvorsteher Walter Pippert in seinem Schlusswort, als er schilderte, wie pragmatisch die Gremien der Stadt und die Feuerwehr zusammengearbeitet haben, um eine dringend notwendige neue Tragkraftspritze zur Sicherheit der Bevölkerung anzuschaffen. Für den musikalischen Rahmen sorgte in diesem Jahr die Musiker der Big Band Haddamar mit aktuellen Pop-Titeln. (rs)

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