Olympia 2022 zwischen Upland und Knüll – Initiativbewerbung bereits beim IOC abgegeben

Olympia1

Olympia1: In Frielendorf stehen schon die neuen Hinweisschilder – Es freuen sich: (von links) Karl-Heinz Rosenthal (Silbersee-Bahn), Günter Wald (WellnessParadies), Rainer Sander (Ferienpark/SilberseeAlm), Bürgermeister Birger Fey, Olaf Rüttgers (auf dem Schild) und Joachim Etzel (Hotel/Frielo-Land/Kletterpark), Frank Althaus (Wohnmobilpark), Michael Siegl (touristischer Berater) und Robin Tintera von der beauftragten Werbeagentur Artack-Design (Foto: Köster)

Nordhessen. Die Nachricht schlug wie eine Bombe ein. Die Region Knüll hat sich beim IOC um die Austragung der Olympischen Winterspiele 2022 beworben. Fast ein Jahr lang haben die Bürgermeister Thomas Fehling von Bad Hersfeld, Jürgen Kaufmann aus Schwarzenborn, Klemens Olbrich aus Neukirchen, Birger Fey aus Frielendorf und Gerald Näser aus Schwalmstadt im Geheimen geplant. Herausgekommen ist ein Konzept, das sich sehen lässt und die ersten Olympischen Winterspiele seit Jahrzehnten mit einem ordentlichen Gewinn verspricht. In der Schwalm und im Fuldatal ist man sparsam, weiß Näser, der als Geologe vor allem bei der Planung der alpinen Skisportarten eine sehr wichtige Rolle eingenommen hat. Olympia im Knüll, das steht unter dem Motto der „Ersten Olympischen Recycling-Spiele“ der Geschichte. Fast alles wird „Second Hand“ sein und trotzdem verspricht Fehling die modernsten Winterspiele der Neuzeit.

Amazon-Sportpark

Ohne die Gewerkschaft Verdi, schmunzelt Thomas Fehling, wäre Olympia in Nordhessen nicht möglich. Die Gewerkschaft und die Medien haben dem Versandriesen Amazon so zugesetzt, dass das Unternehmen seinen noch vor 2012 auslaufenden Mietvertrag für das Versandzentrum in Bad Hersfeld nicht mehr verlängern wird. Der Eigentümer, ein weltweit agierender Baukonzern, der viele Logistik-Hallen für Amazon errichtet, hat signalisiert, das gesamte Objekt symbolisch für einen Euro an die Stadt Bad Hersfeld verkaufen zu wollen. Über 16 Fußballfelder groß sind die Hallen. Die kann man in der Region weder erneut vermieten, noch verkaufen. Ein Abriss würde viele Millionen Euro kosten, eine Einsparung, die der Eigentümer und der bisherige Nutzer zum großen Teil wieder in Werbung investieren werden. Sie kaufen die Namensrechte für die Amazon-Arena auf fünf Jahre:

„Da schwingt ein bisschen Nostalgie mit“, sagt Amazon-Chef Jeff Bezos „und außerdem wollen wir Verdi gerne daran erinnern, dass es uns trotzdem noch gibt, auch wenn die Pakete dann aus Polen nach Deutschland kommen!“

Alles unter einem Dach mit Recycling-Baumaterial

Architekten haben den Umbau bereits geprüft und festgestellt, dass sich sowohl das Eishockey-Stadion, die Eisschnelllaufbahn, die Curling-Anlagen, die Eiskunstlauf-Arena, eine spezielle Short-Track-Anlage und weitere Sport- und Trainingsanlagen ohne Probleme hier unterbringen lassen. Um die Umbaukosten noch weiter zu drücken, ist es den Bürgermeistern von Rotenburg/Fulda, Schwarzenborn und Schwalmstadt gelungen, Gebäude und Anlagen aus den stillgelegten Bundeswehr-Standorten geschenkt zu bekommen. Das Bundesverteidigungsministerium spart hier immense Kosten und zum Teil kurz vor der Standortaufgabe erst neu errichtete Gebäude können zerlegt und mit diesen fast neuwertigen Baummaterialien schöne Sportanlagen errichtet werden.

Und der Clou, sagt Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald: die EU hat zugesagt, dieses riesige Bau-Recycling-Projekt mit einem Milliarden-Zuschuss zu unterstützen. Warum? Wir machen aus der ganzen Sache ein Internationales Projekt und übernehmen Fertigbauteile aus Tausenden von Neubauten in Spanien, Portugal oder Griechenland, die seit Platzen der Immobilienblase dort Leerstehen. Alle unbenutzt! Mit den Zuschüssen von Land und Bund kosten die Sportstätten die „Olympische Union Knüll“ keinen einzigen Cent.

Schießanlage in Schwarzenborn für Biathlon, Langlauf am Eisenberg

Die Langlauf-und Biathlon-Wettbewerbe werden rund um den Eisenberg angesiedelt. Dafür müssen wir am wenigsten tun, sagt Neuensteins Bürgermeister Walter Glänzer und auch Klaus Wagner aus Oberaula sowie Clemens Olbrecht aus Neukirchen stimmen zu. Wir verknüpfen die Loipen am Eisenberg mit der Steinwaldloipe in Neukirchen und die Biathlon-Anlage entsteht selbstverständlich auf dem Gebiet des früheren Truppen-Übungsplatzes in Schwarzenborn. Hier gibt es sogar eine neuwertige Schießanlage, die wir nur vom Sommer- auf den Winterbetrieb umstellen müssen. Recycling pur, das kostet alles fast nichts.

Olympia3Knüllköpfchen wird auf über 1200 Meter aufgestockt

Die größte Herausforderung liegt in der Ausrichtung der alpinen Wettbewerbe. Das Argument des Schneemangels lässt sich bei modernen Beschneiungsanlagen komplett vernachlässigen. Theoretisch, so Birger Fey aus Frielendorf, kann man heute auch auf Mallorca Skirennen anbieten. Aber für die alpinen Abfahrtsrennen ist ein Höhenunterschied von mindestens 800 Metern vorgeschrieben und daraus ergibt sich eine Streckenlänge von rund 3 Kilometern. Das geht eigentlich nur an einer einzigen Stelle und das ist am Knüllköpfchen Richtung Nord-Westen.

Bisher ist das ganze Knüllköpfchen nur etwas mehr als 600 Meter hoch. Wir machen das ganz einfach, wissen Kaufmann und Fey, die eigenen sensationellen Plan ausgeheckt haben: „wir erhöhen das Knüllköpfchen um weitere 600 Meter, dann sind wir auf der sicheren Seite. Dabei wird Richtung Frielendorf fast das gesamte Gelände zwischen Großropperhausen und Lenderscheid zugeschüttet. Dadurch, dass der Berg immer mehr Richtung Westen wandert, haben wir quasi ein gleichmäßiges Gefälle bis zum Silbersee. Dort, auf der Wiese oberhalb des Ferienwohnparks, wird das Skistadion für Zieleinläufe und Siegerehrungen errichtet. Aber was soll das kosten? Die Lösung ist so genial, wie einfach:

„Wir lösen das Atommüll-Problem endgültig und umweltfreundlich“

Die Bundesregierung sucht seit vielen Jahren eine Endlagerstätte für den Atommüll. Wir ziehen den gesamten Atommüll aus allen Atomreaktoren in Deutschland rund um das Knüllköpfchen in den Niederungen zusammen, ummanteln die Fässer mit einem speziellen Beton und schütten darüber stellenweise bis zu 750 Meter Erde auf. Durch die Verdichtung könnte selbst bei vollständiger Freisetzung aller radioaktiven Materialien nach Zersetzen der Fässer in den nächsten 1000 Jahren keine Strahlen an die Oberfläche gelangen. Beton und Erdreich absorbieren jede Strahlung über Jahrtausende. Da es nach Ende der letzten Atomkraftwerke keinen neuen Atommüll in Deutschland geben kann, ist dies überhaupt die einzig vorstellbare endgültige Lösung für das Atom-Problem.

Da Errichtung und Wartung von Endlagerstätten Milliarden von Euro gekostet hätten, wird die Bundesregierung hier 100 Milliarden Euro zufließen lassen, etwa der Betrag, der in den nächsten 25 Jahren für die Endlagerung ohnehin hätte aufgewendet werden müssen. Und mit diesem Betrag wird in den nächsten Jahren jeder Bodenaushub irgendwo in Deutschland und jedes abgerissene Gebäude in den Knüll gelockt. Wir wissen, dass viele Bauschuttdeponien jetzt schon an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen und Kommunen in ganz Deutschland Schwierigkeiten haben, neue Flächen dafür auszuweisen. Wir nehmen ganz Deutschland Abraum und Bauschutt ab und können den Transport je nach Entfernung mit den Milliarden vom Bund angemessen bezuschussen. Kommunen gewinnen auf diese Weise etwa zehn Jahre Zeit, neue Konzepte für Bauschutt zu entwickeln, der durch den demographischen Wandel ganze Dörfer, die in Deutschland verschwinden, noch verschärft wird.

Und die touristische Infrastruktur? Die Ferienwohnparks in Frielendorf, Oberaula und Kirchheim werden zu Olympischen Dörfern. Bad Hersfeld und Kassel haben durch die Festspiele und die documenta eine Hotel-Infrastruktur, die nur geringfügig aufgestockt werden muss. Der Rest ergibt sich.

Olympia2Edmund Stoiber wird Botschafter – Bob und Skispringen im Sauerland?

Und was ist mit Bob und Skispringen? Hier schmunzeln Näser & Co.: die Bürgermeister von Willingen und Winterberg haben uns insgesamt 3,5 Millionen Euro geboten, wenn wir kein eigenes Skisprungstadion und keine eigene Bob- und Rodelbahn bauen, sondern die im Sauerland vorhandenen Anlagen nutzen. „Nun, jeder Olympia-Ort hat seine ‚Außenspielorte‘ und mit diesen beiden hochmodernen Anlagen können wir sehr gut leben. Außerdem können wir auf diese Weise die Hotelkapazitäten im Sauerland mitnutzen“, weiß Olbrich. „Wir verhandeln zurzeit mit der Bundesregierung, um das Transrapid-Modell noch einmal aufzunehmen und hoffen, die seit über zehn Jahren zugesagten Mittel für eine deutsche Versuchsstrecke zu reaktivieren, um von Bad Hersfeld über Schwalmstadt nach Winterberg – mit einer Querverbindung nach Kassel zum Flughafen den Transrapid fahren zu lassen. Dann gäbe es auch eine minutenschnelle Anbindung, wenn Sie in Schwalmstadt zu Hause losfahren beginnt der Skilauf praktisch auf dem Weg zum Bahnhof – oder so ähnlich“, sagt der bereits verpflichtete Olympia-Botschafter Edmund Stoiber, der mit seinen Erfahrungen aus den bayrischen Wintersportorten ein echtes Juwel ist.

Und was passiert nach 2022?

Was nach 2022 passiert? Ganz einfach: der Bad Hersfelder Investor Dennis Rossing wird die dann denkmalwürdigen Hallenkomplexe der Amazon-Arena erwerben, die Kassel Huskys von Simon Kimm zurückkaufen und dann wird Bad Hersfeld DEL-Standort. Bis dahin ist die Kasseler Eissporthalle so marode und unmodern, dass sie nur noch abgerissen werden kann. Und mit dem gesamten Gelände drum herum sind wir der ideale Standort für Trainingslager und Wettkämpfe unter einem Dach. So etwas gibt es weltweit kein zweites Mal. „Wir haben jetzt schon Anfragen aus China, Japan und Nordamerika.“

Und die Auslastung nach Olympia? „Was für eine dumme Frage“, sagt Birger Fey: „wir schneiden den Holländern und Norddeutschen den Weg in die Alpen ab und haben die einzige schneesichere und alpine Region zwischen Garmisch und Oslo. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, welches den Tourismus im Knüll in die Spitzengruppe der deutschen Tourismusregionen katapultieren wird. Wir werden bereits im ersten Jahr nach Olympia Schwarzwald und Wattenmeer mit den Gästeübernachtungen überholen und uns hinter Allgäu und Ostsee die Position drei in Deutschland sichern.“

Entscheidung praktisch schon sicher

Bei so viel Nachhaltigkeit haben die meisten IOC-Exekutiv-Komitee-Mitglieder bereits Zustimmung signalisiert. In Peking, einem der beiden bisherigen Bewerber, liegen die Wettbewerbe bis zu 200 Kilometer auseinander und das kasachische Almaty ist durch die Ukraine-Krise praktisch sowieso aus dem Rennen. „Ein einmaliges und unkopierbares Konzept“, staunte IOC-Chef Bach bei einem Anruf von nh24. Damit scheint die offizielle Bewerbung nur noch eine Formsache zu sein.

 

Bildunterschriften

Olympia1: In Frielendorf stehen schon die neuen Hinweisschilder – Es freuen sich: (von links) Karl-Heinz Rosenthal (Silbersee-Bahn), Günter Wald (WellnessParadies), Rainer Sander (Ferienpark/SilberseeAlm), Bürgermeister Birger Fey, Olaf Rüttgers (auf dem Schild) und Joachim Etzel (Hotel/Frielo-Land/Kletterpark), Frank Althaus (Wohnmobilpark), Michael Siegl (touristischer Berater) und Robin Tintera von der beauftragten Werbeagentur Artack-Design (Foto: Köster)

 

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