Schwälmer Heringstopf mit Christian Schmidt im SilberseeStadl

Christian Schmidt: ein artiger und ehrlicher Redner (Foto: Rainer Sander)

Christian Schmidt: ein artiger und ehrlicher Redner (Foto: Rainer Sander)

Schwälmer Heringstopf mit Christian Schmidt im SilberseeStadl
Der Bundeslandwirtschaftsminister: mit dem iPad aufs Feld?
Friedendorf. Der Schwälmer Heringstopf ist heimgekehrt an den Silbersee, wo er seit den neunziger Jahren regelmäßig stattfand. Die Renovierungsarbeiten am Silbersee zwangen zwei Jahre zu einer Zwischenlösung in Schwarzenborn. Zum ersten Mal hatte die CDU Schwalm-Eder Repräsentanten aus Wirtschaft, Verbänden, Politik und die eigenen Mitglieder dazu am Sonntag in den SilberseeStadl, die Festscheune der SilberseeAlm mit bayerischem Bierzeltflair, eingeladen. Als prominenter Gast aus Berlin war Landwirtschaftsminister Christian Schmidt angereist.
Der CDU-Kreisvorsitzende MdB Bernd Siebert, der stets in seiner Begrüßungsansprache möglichst alle prominenten Gäste persönlich begrüßt, hatte bei über 300 Besuchern diesmal eine Menge zu tun und Landratskandidat Mark Weinmeister hätte vor dem großen Auditorium gern einen Moment länger gesprochen, aber um 13:00 Uhr gab es pünktlich die Schmandheringe mit Kartoffeln.

Visionen als Landrat: Mark Weinmeister (Foto: Rainer Sander)

Visionen als Landrat: Mark Weinmeister (Foto: Rainer Sander)

Keine Offenbarungen oder Visionen – dafür ehrliche Worte
Wer von Christian Schmidt politische Offenbarungen, Visionen und jede Menge Neuigkeiten aus Berlin oder Brüssel erwartet hatte, dürfte den Heimweg vom Silbersee enttäuscht angetreten haben. Dafür ist der Franke mit Dienstsitz in Berlin zu bodenständig. Er ist der unermüdliche Arbeiter, nicht unbedingt der Visionär aber auch keiner, der etwas verspricht, das er nicht halten kann. Zugegeben, ohne vollmundige Versprechen kann eine politische Rede schnell etwas langatmig werden, zumal dann, wenn sie gleichzeitig wenig überzeugende Antworten auf die Herausforderungen der Zeit  Artig dankte er für die bayerische Dekoration des SilberseeStadl und bewies, dass er sich im Landkreis auskennt.

Mehr als die Hälfte von Schwalm-Eder wird landwirtschaftlich genutzt, den Bundeswehrstandort Fritzlar hat er im alten Job als Staatssekretär im Verteidigungsministerium noch gemeinsam mit Bernd Siebert gesichert und er freut sich heute immer noch über fliegende Hubschrauber. An dieser Stelle sei eine redaktionelle Anmerkung erlaubt: der Bundeswehr-Standort Roth, an dem der Tiger jetzt nicht mehr fliegt, weil er ausschließlich in Fritzlar landet, liegt im Wahlkreis von Christian Schmidt. Er hat bei der Bundeswehrreform in der Sache für Fritzlar und nicht für seine eigene Heimat entschieden, was in der Politik nicht selbstverständlich  Außerdem hat er vor dem Besuch der SilberseeAlm noch schnell Ahle Worscht gekauft, die seine Frau so gerne isst! Außerdem weiß er, dass im Kreis der nördlichste Weinanbau Hessens geschieht, wenngleich das folgende Wortspiel, dass dann ein Weinmeister der passende Landrat wäre, nicht alle zum Lachen brachte.

 Zünftiges zum Auftakt: Stefan aus dem Voralpenland (Stefan Garde) am Akkordeon (Foto: Rainer Sander)

Zünftiges zum Auftakt: Stefan aus dem Voralpenland (Stefan Garde) am Akkordeon (Foto: Rainer Sander)

Freihandel – SuedLink – Gentechnik – Ahle Worscht und Regelungsdichte
Immerhin erklärt er, dass im Hinblick auf Freihandelsabkommen wie TTIP oder CETA auch die Ahle Worscht erhalten bleiben soll, versprochen hat er dies nicht. Dass es keine Chlorhähnchen gibt, klang allerdings tatsächlich wie ein Versprechen und dass er den Anbau von gentechnisch veränderten Organismen verhindern möchte absolut echt! Die Einschränkung: alles muss in einem Rechtsstaat vor Gericht standhalten können. Die Regelungsdichte sei nirgends so groß wie in der Landwirtschaft, was er gerne verändern möchte und als Vertreter des Freistaats Bayern setzt er sich kritisch mit SuedLink auseinander, schon allein deshalb, weil die Stromtrasse landwirtschaftliche Flächen vernichtet. Jeden Tag gingen in Deutschland sowieso 80 Hektar verloren, ein Wert, der bereits jetzt zu hoch sei. Veränderungen in der Landwirtschaft sind für ihn unausweichlich, die Vorstellung, dass der Landwirt nur noch mit dem iPad in der Hand seinen Hof bewirtschaftet, ist für ihn befremdlich.

 Ahle Worscht vom Staatssekretär für den Minister (Foto: Rainer Sander)

Ahle Worscht vom Staatssekretär für den Minister (Foto: Rainer Sander)

Griechenlands Rendezvous mit der WirklichkeitWer aus Berlin kommt, kann dieser Tage das Thema Griechenland nicht aussparen. Und jedem, der das tut, merkt man an, wie genervt das politische Europa vom Verhalten Griechenlands ist. Dem Bundeslandwirtschaftsminister tauchen in der Krise ganz interessante Fragen auf: in Griechenland gibt es keine Kataster, also auch keine Besteuerung von Grund und Boden wie in anderen europäischen Ländern, aber wie um Himmels willen berechnen die Griechen eigentlich flächenbezogene Ausgleichszahlungen? Indirekt spricht er hier ein heikles Thema an, nämlich dass in Deutschland jede EU-Richtlinie wortwörtlich umgesetzt wird, während anderen EU-Mitgliedern dafür schon allein die Berechnungsgrundlage fehlt. Und das Resümee? Griechenland könnte es schaffen, aber dabei geht es nicht um Finanzen. „Wenn die mit dem dicken Geld einen schlanken Fuß machen können, dann geht es nicht!“ Schmidts Botschaft ist ein versteckter Hinweis darauf, dass in Griechenland nach wie vor Unternehmer – wie beispielsweise Reeder – überhaupt nicht besteuert werden und andere Wohlhabende jedes Steuerschlupfloch folgenlos nutzen können.

 Bis auf den letzten Platz gefüllt: der SilberseeStadl (Foto: Rainer Sander)

Bis auf den letzten Platz gefüllt: der SilberseeStadl (Foto: Rainer Sander)

Mehr Botschaften von Mark Weinmeister
Mehr Botschaften gab es in der Rede von Mark Weinmeister, der auch auf die Landwirtschaft einging. Er ist fasziniert davon, dass ein Traktor heute GPS- und computergesteuert ein Feld bearbeitet und automatisch angemessen düngt und sät. Allerdings, so der Landratskandidat und amtierende Staatssekretär, muss sich ein Landwirt diese Technik auch leisten können, was bei den aktuellen Erzeugerpreisen kaum möglich sei. Ganz sicher ist sich Mark Weinmeister, dass die A 49 jetzt tatsächlich kommt und das der Schwalm-Eder-Kreis mit seiner Lage mitten in Europa beste Chancen hat, sich zukunftsfähig zu entwickeln, wenn er den richtigen Landrat hat. Die Bertelsmann-Studie sieht enorme Entwicklungschancen, die seiner Meinung nach allerdings nur durch Umsetzung innovativer Ideen zu erreichen sind. (rs)

 

 

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