MT wie aus einem Guss: 31:24-Sieg gegen Berlin

aDSC_5426Das war ein klasse Vorstellung der MT Melsungen im Heimspiel in der DKB Handball-Bundesliga gegen den nur einen Punkt entfernten Tabellennachbarn Füchse Berlin. Vor 3.417 restlos begeisterten Zuschauern in der Kasseler Rothenbach-Halle schlugen die Nordhessen den Hauptstadtclub mit 31:24. Schon zur Halbzeit hatte die Mannschaft von Trainer Roth mit neun Toren vorne gelegen (20:11). Beste Schützen waren für die MT Michael Müller, Allendorf, Sellin, Maric und Fahlgren (alle 4) und für Berlin Drux und Wiede (jeweils 6).
Es war zu Beginn ein Spiel der Torhüter. Mikael Appelgren und sein Füchse-Gegenüber Petr Stochl vereitelten noch in der ersten Minute glasklare Einwurfmöglichkeiten von Petar Nenadic und Paul Drux sowie Malte Schröder auf der anderen Seite. Auch als Momir Rnic die Melsunger Führung erzielt hatte, blieb das Momentum durch den bärenstarken Appelgren auf Seiten der MT. Ein gehaltener Siebenmeter von Nenadic sowie eine weitere Großchance von Pavel Horak machte der Schwede zunichte, während Patrik Fahlgren und Malte Schröder erfolgreich waren. Nach vier Minuten führten die Nordhessen mit 3:0.

Sie ließen sich in der Folge auch von einem kurzen Hoch der Hauptstädter nicht irritieren, die nach Michael Allendorfs Gegenstoßtor zum 5:1 mit zwei Treffern durch Fabian Wiede wieder aufschlossen. Die Partie blieb unglaublich schnell und intensiv, mit zunehmenden Vorteilen der Schützen auf beiden Seiten. Die fackelten hüben wie drüben nicht lange und machten bis zum 9:7 durch Nenadic (12.) Tor um Tor, ehe sich das Spiel wenigstens für ein paar Minuten beruhigte. Beeindruckend blieb jedoch die Wurfquote der Gastgeber, die sich oberhalb der 70%-Marke bewegte. Ein Verdienst vor allem von Fahlgren und Schröder, die nervenstark entweder aus dem angezeigten passiven Spiel heraus oder unter harter Bedrängnis trafen (11:9, 19.).aDSC_5297.jpgas

Ein Wurf an die Unterkante der Latte von Michael Allendorf und ein verwandelter Siebenmeter von Wiede bescherten den Füchsen den Anschluss, eher MT-Trainer Michael Roth mit einer Auszeit und den Einwechslungen von Marino Maric für Felix Danner und Michael Müller für Malte Schröder die Karten neu mischte. Mit Erfolg, denn schnelle Tore von Johannes Sellin und Maric, begleitet von einer Doppelparade Appelgrens gegen Konstantin Igropulo und aus nächster Distanz gegen Evgeni Pevnov, zwangen wiederum Füchse-Coach Dagur Sigurdsson zur Reaktion. Die jedoch verpuffte. Weil Appelgren sein Paradenkonto schon früh in zweistellige Bereiche schraubte und seine Kollegen im Angriff weiter untadelig blieben, woran auch der eingewechselte Silvio Heinevetter nichts ändern konnte. Im Gegenteil, denn Michael Müller traf zum 17:11 sogar durch die Beine des Nationaltorhüters (25.). Ganz anders Appelgren, der auch als Passgeber auf Maric zu glänzen wusste. Zwei Minuten vor der Pause erhielt das Team in Rot-Weiß bereits Standing Ovations von den Rängen, wofür sich die Flügelzange Sellin und Allendorf mit den Treffern zum 20:11-Pausenstand bedankte.

Man konnte schon sehen, dass sich die Gäste nach der Pause etwas vorgenommen hatten. Dennoch konnten sie Melsungens erstmalige Zehn-Tore-Führung durch eine traumhafte Kombination von Fahlgren über Danner auf Sellin zum 22:12 (32.) nicht verhindern. Und auch Appelgren hielt seine glänzende Statistik am Leben. Weder Jesper Nielsen noch Petar Nenadic kamen an ihm vorbei. Eine kurze Schrecksekunde gab es in der 35. Minute, als Silvio Heinevetter erst überragend gegen Allendorf parierte, dann aber liegen blieb und behandelt werden musste. Kurz darauf gab es Entwarnung: der Nationalkeeper konnte weitermachen.

Die Melsunger Spielfreude effektiv unterbrechen konnte er jedoch nicht. Schwerer erwischte es dagegen Patrik Fahlgren nur zweieinhalb Minuten später. Gestützt auf Gegenspieler Mattias Zachrisson und MT-Physiotherapeutin Jenny Bajerke musste der Regisseur das Spielfeld verlassen. Nenad Vuckovic übernahm seinen Part im Spielaufbau. Und so langsam entwickelte sich in dieser Spielphase auch Heinevetter zum Faktor. Der hielt gegen Rnic und Allendorf, während seine Mannschaftskameraden das im Vorwärtsgang nicht zu nutzen wussten. Zu stark war an diesem Abend die MT-Deckung mit dem überragenden Appelgren dahinter (26:16, 42.).

aDSC_5506Immerhin verstand es die Berliner Deckung jetzt weitaus besser, das unwiderstehliche Melsunger Tempospiel besser zu stören und die Bartenwetzer ins gebundene Spiel zu zwingen. Dennoch gelang es den Hausherren, den Vorsprung stabil zu halten. Auch durch schnörkellose Einzelaktionen wie beispielsweise von Michael Müller zum 27:17 (44.). Auch Nenad Vuckovic konnte die entstehenden Räume durch die offensiver werdende Füchse-Deckung nutzen Sowohl als Passgeber, als auch als Vollstrecker. Egal, was die Berliner auch versuchten, die MT fand ein probates Mittel dagegen.

Was auch das Publikum bereitwillig immer wieder honorierte. Entweder mit zwischenzeitlichen Standing Ovations für die herausragende Defensivarbeit, als auch mit Szenenapplaus für die Übersicht von Jeffrey Boomhouwer, der eine unsichere eigene Gelegenheit sausen ließ, das Leder sicherte und so Marino Maric im danach sauber aufgebauten Spielzug seinen persönlichen Erfolg ermöglichte.

Ein wenig Verwirrung gab es zu Ende dann doch noch. Als Nenad Vuckovic zusätzlich zur bereits verhängten Strafe gegen Felix Danner raus musste, und nur kurz darauf Frederik Petersson mit Michael Müller aneinander geriet, was beiden eine Strafzeit bescherte. Mit fünf Berlinern gegen drei Melsunger gelang den Hauptstädtern dann doch noch eine kleine kosmetische Verbesserung, die aber spätestens mit Boomhouwers frenetisch bejubelten 31:22 (57.) wieder vergessen war. Michael Roth klatschte seine Spieler auf der Bank bereits zwei Minuten vor dem Ende ab, die komplette Rothenbach-Halle stand und sang sich die Kehlen heiser. Der Doppelschlag von Paul Drux zum Endstand ging im Jubel fast völlig unter.

Stimmen zum Spiel

Michael Roth: Wir haben in der ersten Hälfte gespielt, wie es besser wohl kaum geht. Das war einfach sensationell. Wie haben vor der Pause nur einen technischen Fehler gemacht, und das ist gegen so einen Gegner eine überragende Quote. Was wir vor Wochen gegen den HSV noch nicht geschafft haben, ist uns heute gelungen. Unser Spiel hat perfekt funktioniert. Von der Abwehr über den Angriff mit einem überragenden Torwart dahinter. Die Grundlage war unsere 5:1-Deckung in der Anfangsviertelstunde, und bis zur Halbzeit haben wir das Spiel dann schon entschieden. In der zweiten Hälfte haben wir das Tempo etwas herausgenommen. Zum Feiern haben wir jetzt keine Zeit, weil schon am Samstag mit der Partie in Friesenheim das nächste Spiel ins Haus steht. Das wollen wir noch erfolgreich gestalten, dann haben wir den März fantastisch abgeschlossen.

Dagur Sigurdsson: Glückwunsch an Melsungen. Sie haben top gespielt und die Partie verdient gewonnen – auch in dieser Höhe. Es hätte sogar auch noch deutlicher ausfallen können. Wir haben das Spiel in den letzten zwölf Minuten vor der Pause weggeschmissen. Wir haben einfach nicht gut genug gespielt und es Melsungen zu leicht gemacht. Ich glaube, wir haben vor dem Seitenwechsel allein acht oder neun Tore über Gegenstöße bekommen, und das ist dann tödlich.

© Info: MT-Melsungen  Fotos: M.Kittner

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