Schnell mal laden

Die Elektro-Tankstelle (Foto: Rainer Sander)

Die Elektro-Tankstelle (Foto: Rainer Sander)

Am Lohfeldener Rüssel entstehen 50KW-Ladepunkte
Lohfelden | Kassel. Elektroautos sind zu teuer, haben keine Reichweite und man kann nirgends laden, so fasste Thomas Keil bei der Vorstellung der Ladeinfrastruktur am Lohfeldener Rüssel die Totschlagargumente gegen die Elektromobilität zusammen. Zurzeit geben mehrere Hersteller bis zu 5000 Euro Zuschuss beziehungsweise Rabatt auf Elektrofahrzeuge, die Reichweiten gehen in wenigen Wochen bei der Internationalen Automobilausstellung – IAA ganz sicher nach oben – Tesla bietet schon jetzt über 500 Kilometer – und was die Ladeinfrastruktur betrifft, da rüstet Nordhessen gerade mächtig auf. Die EnergieNetz Mitte – Tochter der EAM – als regionaler Versorger stellt jetzt am Lohfeldener Rüssel sechs Schnellladepunkte zur Verfügung, die im November endgültig fertiggestellt sein sollen. Laden geht allerdings – wenn auch noch nicht mit voller Leistung – jetzt schon.

Heute wurde die Technik vorgestellt. 6 × 50 KW werden zur Verfügung gestellt und je nach Fahrzeughersteller, kann man hier in einer halben Stunde möglicherweise das Fahrzeug wieder voll aufladen. Mit einem Kaffee im Autohof wird es schneller damit durchaus zum attraktiven Angebot für E-mobile Autofahrer. Die Firma Kirchner-Solar – vertreten durch Lars Kirchner – hat bereits zwei über zwei Achsen nachführbare Solarbäume aufgestellt, die Strom alleine für 1.250 Fahrzeugladungen im Jahr produzieren. Damit präsentiert sich die Schnellladestation mit einer hervorragenden CO2-Bilanz.

Solarbäume am Lohfeldener Rüssel (Foto: Rainer Sander

Solarbäume am Lohfeldener Rüssel (Foto: Rainer Sander

Wenn Aldi und Ikea das können…
Wenn ALDI-Süd und Ikea, die beide nicht im Ruf stehen unsinnige Investitionen zu tätigen, anfangen ihre Märkte mit Schnell-Ladestationen auszustatten, dann müssen andere nicht nachstehen. Eugen Jung, Aufsichtsratsvorsitzender der SVG, die am Lohfeldener Rüssel den Autohof betreibt, erläuterte, dass er gerne bei den Ersten sein wollte, zumal er bereits seit 1980 ein Elektroauto fährt. Damit ist er nicht allein, 17.500 Elektrofahrzeuge sind in Deutschland zugelassen, knapp die Hälfte – nämlich 8000 – im Jahr 2014. Dass es in Amerika bei dreimal so vielen Einwohnern zehnmal so viel Elektroautos, nämlich fast 180.000 sind, spricht dafür, dass es auch in Deutschland bald viel mehr sein werden.
Wenn Daimler ängstlich gewesen wäre…

Den Hebel umgelegt … (Foto: Rainer Sander)

Den Hebel umgelegt … (Foto: Rainer Sander)

Thomas Keil, der mit der EAM die Infrastruktur zur Verfügung stellt, erläuterte, dass die Hauptverkehrsachse der A7 zwingend eine Ladeinfrastruktur benötigt. Vor allem in der Mitte Deutschlands, also in Lohfelden am Rüssel. Bürgermeister Reuter, der in Lohfelden das ehrgeizige Ziel verfolgt, die gesamte Gemeinde bis zum Jahr 2030 CO2 neutral „umgerüstet“ zu haben, fährt ebenfalls selbst bereits elektrisch und ist nicht nur stolz auf den Rüssel, sondern jetzt auch auf die Ladestation. Und mit Blick auf die noch stiefmütterlich beachtete neue Technologie: „wenn Herr Daimler ein ängstlicher Deutscher gewesen wäre“, so Reuter, „würden wir heute vermutlich kein Auto fahren.“

Wohin das Auge blickt am Rüssel: Solar-Module… (Foto: Lars Kirchner)

Wohin das Auge blickt am Rüssel: Solar-Module… (Foto: Lars Kirchner)

Der Boom kann kommen
Wenn der E-Mobilitäts-Boom kommt, kann die Anlage übrigens erweitert werden. Thomas Keil, Leiter des Regionalzentrums Mitte blickte in die Zukunft. 1200 KW sind insgesamt möglich. Damit könnte man ein kleines Dorf mit Strom versorgen. Die EAN, so Keil sei zwar kein Auto-Verkäufer, aber sie wolle ihren Beitrag zur Ladeinfrastruktur leisten und außerdem zur Harmonisierung der Anschlüsse. Über den Dienstleister New Motion können E-Mobilisten bundesweit auf Ladeinfrastruktur zugreifen.
Christoph Wehrum (Vorstand der Raiffeisenbank Borken eG) vom Verein Elektromobilität Nordhessen e.V., der ab morgen in Schwalmstadt-Ziegenhain für zwei Tage die 3. im Mobilitäts-Messe veranstaltet, erklärte, dass gerade der ländliche Raum in Nordhessen ein Wegzugsgebiet sei und auch solche Strukturen dabei helfen, die Region attraktiver zu gestalten. (rs)

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