Ausstieg in 4000m Höhe

Man sagt ja, die besten Dinge passieren dann, wenn man überhaupt gar nicht damit rechnet! So ist es wirklich…

Ich hatte absolut nicht mit dem Anruf meines Kollegen gerechnet und noch viel weniger mit der Frage “Willst Du mal eben einen Tandemsprung machen?“. Natürlich hatte er damit den Überraschungseffekt auf seiner Seite, sowas kommt in der Regel ja nicht aus heiterem Himmel. Aber wenn der einzige Haken an der Sache sein sollte, dass ich einen Bericht über die Aktion schreiben soll… “Hey, KLAR da BIN ICH doch DABEI!“

Nun sollte es so sein! Noch keine zwei Tage Vorlaufzeit boten nicht die Gelegenheit um richtig aufgeregt zu sein (Mir zumindest nicht) und eigentlich hatte ich es ja auch schon immer gewollt.

Als wir am Sprungtag, morgens um zehn, in Calden an der Halle von Aero ankamen, war ein Wetter wie aus dem Bilderbuch und schon ordentlich Betrieb. Wir meldeten uns an (eigentlich nur mich!!! wenn man das “Hallo hier sind wir!“ mal außen vor lässt) und ich musste ein Formular ausfüllen, kurz und schmerzlos, so hätte man es überall gern! Dann hieß es erst mal warten! Wir setzten uns vor der riesigen Halle, in der die Sportler sich fertig machen und ihre Schirme packen (übrigens auch eine sehr interessante und faszinierende Sache) in die Sonne und sahen den herunterkommenden Springern zu. Immer wieder wurden die Gruppen für die nächste Maschine aufgerufen und die Tandemgäste zur Einweisung gebeten.

Endlich war es dann so weit, ich war an der Reihe, immer noch todesmutig und die Ruhe selbst! Wir waren eine Gruppe von sechs Tandemspringern! Alle bestens gelaunt und zu Späßen aufgelegt. Als erstes gab es einen stylischen roten Anzug für jeden, eine Fliegermütze und eine Brille! Danach wurde es ernst und wir wurden eingegurtet! Dann gab es eine ausführliche Einweisung über den Ablauf und wie wir uns zu verhalten hatten – beim Sprung aus dem Flugzeug, Haltung in der Freifallphase, Landung, beim Foto machen und zum guten Schluss machten wir noch eine Trockenübung des freien Falls (was schon eine klein wenig gemeine Sportübung war)!Tandemsprung_003

Jetzt wurden uns unsere Tandempartner zugeteilt. Ich sollte mit Harry springen! Er kontrollierte meine Gurte, stellte alles richtig ein und erklärte mir nochmal alles ausführlich, was, wann, wo, wie und warum! Mit der Hoffnung sich alles zu merken ging es nun ab in die Shuttlebusse, die uns zum neuen Flughafengelände brachten, wo eine kleine Maschine uns bereits erwartete. Nach einander kletterten wir über die Leiter ins Innere und setzen uns wie zuvor gelernt schön in Reihe… Die Stimmung war gigantisch und auch Scherze wie “Ich habe das Gefühl ich hab was vergessen“ (vom fallschirmtragenden Profi) wurden gemacht. Endlich wurde die Rolltür heruntergezogen und es ging los!

Ab nach oben, 4000m im Steilflug! Die Welt unter uns wurde immer kleiner…. Ab 2000m wurde es wuselig im Flugzeug. Die Gurte wurden verbunden, Karabiner klacken ein, alles wurde nochmal richtig festgezogen, Mützen auf, Brillen auf… Dann wurde die Rolltür wieder aufgezogen und schon purzelte das erste Pärchen (gefolgt von einem Einzelspringer als Videobegleitung) zur Tür hinaus! Als ich sie alle so nach und nach aus der Tür verschwinden sah, hörte ich eine innere Stimme die zu mir sagte “Hallo hier ist dein Leben! Du hast KEINE Ahnung was du da tust, oder?“ und ich muss sagen, sie hatte Recht, aber ich wollte es und ich hatte auch ehrlich gesagt überhaupt gar keine Zeit mich drum zu kümmern, denn wir waren bereits an der Tür! Also, Beine unters Flugzeug und nach oben gucken!!! Und schon ging es abwärts…. 2500m im freien Fall! Ein kleiner Klaps auf die Schulter um die Freifallhaltung einzunehmen. Und dann, die nächsten Sekunden sind etwas, was man irgendwie gar nicht so wirklich beschreiben kann (zumindest nicht nach dem ersten Mal) und mir fehlen wahrhaftig nicht oft die Worte! Es hat was von absoluter Freiheit! Man fällt ohne zu spüren, dass man fällt. Klar, der Wind zuppelt an einem, aber man nimmt nicht wirklich wahr, dass man der Erde mal eben in wenigen Sekunden 2,5km näher gekommen ist. Zwischendurch kam immer mal Harrys Arm von hinten, an dem eine Kamera war – schön lächeln, etwas posen (soviel Zeit muss sein!)! Dann plötzlich ein erneuter Klaps auf die Schulter, das Zeichen, die Arme wieder einzuziehen. Ein leichter Ruck und schon hingen wir am Schirm! Jetzt ging´s zum chilligen Teil über! Es war wesentlich ruhiger und ich konnte wieder mit Harry kommunizieren. Er erklärte mir das Fallschirmfliegen und ließ mich sogar lenken. Dann demonstrierte er mir noch, was man mit so einem Fallschirm so alles machen/fliegen kann, wenn man es kann! Das machte Spaß, aber langsam kam die Erde dann doch sichtbar näher, also peilte Harry denn großen hellen Fleck mitten auf einer Wiese an – unser Ziel! Plötzlich ging dann alles ganz schnell, Beine hoch und schon waren wir auch ganz sanft gelandet. Die Freude war riesig und das Gefühl einfach unbeschreiblich! Ich musste Harry erst mal drücken! Er wird definitiv zu den Menschen gehören, die ich in meinem Leben nicht mehr vergessen werde. Danke!

Dann ging es zurück in die Halle, wir wurden alle wieder von den Gurten befreit und trennten uns von den roten Anzügen! Alle, wirklich alle hatten ein fettes Grinsen im Gesicht! Dann gabt es noch eine Urkunde und die Fotos auf einem USB-Stick!

Es war ein tolles Erlebnis! Ich würde es JEDERZEIT WIEDER tun!

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal von ganzem Herzen bedanken!!! Bei Harry, der mir bei diesem tollen Sprung zur Seite gestanden hat! Und vor allem bei Matthias Maushake, dem Chef der Aero Fallschirmsport GmbH, der dies alles überhaupt erst ermöglicht hat!   DANKE!!!


©Text: C:Klimt Foto: M.Kittner/Aero Fallschirmsport

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