Fernwehfestival 2017



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„Es ist 14 Uhr. Guten Tag meine Damen und Herren, guten Morgen liebe Studenten!“ Gereon Roemer begrüßt uns mit einem lockeren Spruch. Das wollte er schon immer mal sagen, gibt er mit einem Schmunzeln zu. Der erste Lacher ist ihm dadurch sicher. Auch sonst ist der Vortrag geprägt von seinem Humor.

Schottland — Ruf der Freiheit

Foto: Gereon Roemer

„Schottland beschreibt ein Lebensgefühl, es steht für Freiheitskampf, Naturverbundenheit und Gastfreundschaft“ schreibt Gereon Roemer in seiner Vortragsankündigung. Der Untertitel „Ruf der Freiheit“ sei auf verschiedene Weise zu verstehen: und zwar politisch, menschlich und landschaftlich. Politisch, weil Schottland seit Jahrhunderten für seine Freiheit gekämpft hat und letztlich sogar die Römer „überzeugt“ hat, sie in Ruhe zu lassen. Menschlich, weil es viele Individualisten kennt und zulässt. Und landschaftlich, wie es z.B die Highlands selbst nicht besser darstellen könnten. 90 Minuten lang genießen wir wunderbare Landschaftsbilder und originelle Geschichten. Unterbrochen wird der Vortrag nur von einer Pause zur Hälfte und leider diversen technischen Problemen des Beamers. Letztere führen beim ersten mal noch zu dem Kommentar „that’s live“, aber die Wiederholungen übersieht Roemer souverän, indem er in seinem Vortrag einfach weiter macht. Das ist der Stimmung aber keineswegs abträglich.

Zunächst kommen fast keine Menschen vor. Nur die Weite der Natur ist das Thema, das er mit beeindruckenden Fotos unterlegt. Die einzige Person auf den Fotos ist dabei er selbst. Nach der Pause antwortet er auf die Frage, ob er allein oder mit einem Kamerateam unterwegs gewesen sei. Roemer versichert, es seien im Grunde auch nur Selfies gewesen und schildert anschaulich, wie er mit seiner Kamera auf einem Stativ und dem Fernauslöser diverse Aufnahmen und Filmszenen zuwege gebracht hat. Das habe stellenweise etwas komisch ausgesehen. „Daher verstehen Sie nun sicher, weshalb ich lieber allein fahre.“

Es gibt in dem Vortrag sehr viele Filmsequenzen, darunter auch die Langzeitfilme, die die sich entwickelnde Lichtstimmung wiedergeben, und die über Stunden hinweg aufgenommen wurden. Diese Technik ergänzt Film und Foto um eine Art Zeitreisekomponente, die mit den beiden andere Techniken allein nicht erreichbar wäre.

Doch dann kommen die Menschen. In jedem August findet in Edinburgh ein großes Festival statt. Künstler aller Schattierungen zeigen ihre Fähigkeiten, und im Vortrag hebt Roemer die besonderen Eigenheiten hervor. So zum Beispiel einen Jongleur, der mit Messer, laufender Kettensäge und Handgranate jongliert. „This may be a bit dangerous“, kommentiert jener selbst seine Darbietung im Film.

Auch die Suche nach Nessie darf in einem Vortrag über Schottland natürlich nicht fehlen. Am Ufer des Loch Ness trifft Roemer auf einen Mann, der seinen guten Job und seine Frau aufgegeben hat, um hier in aller Ruhe nach seinem persönlichen Sinn des Lebens zu suchen. Er empfiehlt, „lebe deinen Traum, und sei geduldig dabei“. Für die Touristen verkauft er selbst hergestellte (und sehr eigenwillige) Nessie-Figuren. Auch die Geschichte von einem Sportler, der ein Klavier auf den Ben Nevis, den höchsten Berg Schottlands getragen hat, um für den Kampf gegen den Krebs Spenden zu sammeln, nachdem zwei seiner Freunde an Krebs gestorben sind.

Das Festival

Das 14. Fernwehfestival ist in diesem Jahr zum wiederholten Male Schauplatz der besten Reisefotografen und Vortragenden.  Geschichten aus fernen Ländern faszinieren die Menschen seit je her, ob sie es nun als Anregung für eigene Reisen nehmen oder als Ersatz dafür. Die lebendigen Vorträge lassen den Begriff „Fernweh“ Wirklichkeit werden.

Ergänzend sind im Foyer zahlreiche Stände aufgebaut. Da ist Claudius Diemer von albedo39, der fantastische Satellitenbildkarten (die keine Fotos sind) macht. Diamir Erlebnisreisen ist dabei, Abendrot Reisen, Greenpeace, und traditionsgemäß natürlich der Fotoclub Göttingen mit einer Ausstellung mit dem Thema „Brücken“. Auch dies Bilder, die sich sehen lassen können, die jedoch in dieser Ausstellung für sich selbst sprechen müssen.

Das Fernwehfestival kann am Sonntag noch besucht werden. Um 11 Uhr geht es los mit den „Kanarischen Inseln“, gefolgt von „Zwei fuhren los, drei kamen zurück“ um 14 Uhr, „Abenteuer Yukon“ um 17 Uhr und zum Abschluss um 19:30 h „Skandinavien“, sowie zwei Sondervorträge.

Veranstaltungsort ist das zentrale Hörsaalgebäude am Platz der Göttinger Sieben in Göttingen. Die Parkplätze auf dem Gelände sind begrenzt, eine rechtzeitige Anreise wird daher empfohlen. Ebenso Kleingeld für den Parkscheinautomaten.

Beitragsbild aus dem Vortrag „2 fuhren los, 3 kamen zurück“ von Roland Sonderegger



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