Sonnen- und Mondkalender an den „Druidensteinen“ in Jesberg

Lothar Klitsch als Kellerwald-Druide: Mächtige Steine bilden den historisch nachempfundenen Kalender (Foto: Rainer Sander)

Lothar Klitsch als Kellerwald-Druide: Mächtige Steine bilden den historisch nachempfundenen Kalender (Foto: Rainer Sander)

Ein kleines Stonehenge in Nordhessen
Jesberg. Wenn wir wissen wollen, was für ein Tag es ist, schauen wir auf dem Handy in den Kalender. Wollen wir Termine, Feiertage oder Ferienzeiten wissen, finden wir sie dort oder einfach im Internet. Wann es Zeit ist zum Pflügen, Säen und Ernten, erfahren Landwirte zusätzlich über Agrarwetter-Portale. In der Eisenzeit und noch vorher in der Steinzeit hatten die Menschen keine solchen Hilfsmittel. Sonnenstand und Mondzeiten waren die wichtigsten Kalendermerkmale, an denen sie alles ablesen mussten. Die Himmelskörper bestimmten das Leben im Altertum und in der Vorzeit.
Wer schon damals nichts dem Zufall überlassen wollte, setzte sich irgendwo in der Landschaft Markierungen, an welcher Stelle die Sonne zu welchen Zeiten auf- und untergeht. Und immer, wenn der Fixstern eine bestimmte Position wieder erreicht hatte, war ein Jahr vergangen. Sogar Schaltregeln kannte die „Wissenden“ in der damaligen Zeit bereits, wie die Himmelsscheibe von Nebra belegt. Dieses Wissen setzt Jahrzehntelange Beobachtungen voraus. Manche Zyklen brauchen Jahrhunderte und die feinen Abweichungen erforderten bereits in der Frühzeit der Zivilisation enorm präzise Auswertungen. Die Himmelsscheibe von Nebra offenbart sogar Jahrtausende altes Wissen über die „Synchronisation“ von Mondjahr und Sonnenjahr.

Stonehenge oder Goseck: alte Kalender hatten riesige Dimensionen
Die Steine von Stonehenge oder die noch älteren Pfähle im Sonnenobservatorium von Goseck – unweit der Himmelsscheibe von Nebra entdeckt und aus dem gleichen Zeithorizont – waren vorzeitliche Kalender. Wenn die Sonne einen bestimmten Stand erreicht, fällt ihr Lichtstrahl über einen markierten Stein oder eine Lücke zwischen Holzpalisaden in die Mitte der uralten und groß dimensionierten „Kalender“. 21 Jahre dauerte – späteren Aufzeichnungen aus Irland folgend – bei den Kelten die Ausbildung zum Druiden. Eine Lehrzeit, die mit Sicherheit mit der Vielfalt des Wissens und der Beobachtung von Naturzyklen korrespondierte. Wissen, das bereits aus der Steinzeit mündlich überliefert wurde, denn Schrift und Bücher gab es noch nicht.

e Druidensteine von Jesberg: Aus der Luft ist die gesamte Anlage des Freizeit-Historikers Lothar Klitsch gut zu erkennen (Foto: Rainer Sander)

e Druidensteine von Jesberg: Aus der Luft ist die gesamte Anlage des Freizeit-Historikers Lothar Klitsch gut zu erkennen (Foto: Rainer Sander)

Neuzeitliche Reproduktion alter Wissenschaften
Wer an den Druidensteinen in Jesberg – in der Verlängerung der Fontanestraße – verweilt, bekommt einen Eindruck davon, was damit gemeint ist. Lothar Klitsch, geschichtsbegeisterter Ruheständler und ehemaliger Marketingchef der Kreissparkasse, hat selbst über mehr als ein Jahr den Sonnenstand auf seinem unbebauten Grundstück beobachtet und Markierungen für die wichtigen Tage der Sonnenwenden (21. Dezember und 21. Juni) sowie die Tag-Nacht-Gleichen am 21. März und 22. September gesetzt. Diese Tage kennzeichnen noch heute unsere vier Jahreszeiten. Mit großem Aufwand verbunden und – wie Klitsch mit einem Augenzwinkern verrät – auch nicht ganz billig, war das Aufstellen der mächtigen Steine an diesen Markierungen mit Hilfe eines Krans. Die Steine hat Klitsch über Jahre hinweg in seiner Heimat Kellerwald zusammengesucht und für den LKW-Transport auf sein Grundstück gesorgt.

Auch Halloween (Samhain) ist markiert
Inzwischen sind mit kleinen Basaltstelen auch die alten keltischen Feiertage Imbolc (Lichtmess 1. Februar), Beltane (oder Walpurgis am 1. Mai), Lugnásad (1. August) sowie Samhain/Halloween (Allerheiligen am 1. November) gekennzeichnet.

Mit Esoterik hat das alles nichts zu tun, selbst wenn Lothar Klitsch – als Kellerwald-Druide bekannt – gerne auch mal ins „weiße Kostüm“ schlüpft. Im Grunde ist er Perfektionist und möchte nachvollziehen, wie die Menschen in der Vorzeit gelebt haben und welches die Stil- und Hilfsmittel waren. So wirkt es fast enttäuscht, wenn Klitsch erzählt, dass er einen Stein nicht präzise genug ausrichten konnte, weil die Sonne hinter der nahen Häuserzeile untergeht…

Wanderung an Samhain
Wer mit dem Kellerwald-Druiden wandern möchte, kann es an diesem Wochenende tun: Start ist am Sonntag, den 1. November 2015 um 10.30 Uhr am Wanderparkplatz „Kellerhute“ in Jesberg-Densberg. Der Parkplatz ist in der Ortsmitte in Densberg ausgeschildert und liegt direkt am Waldrand. Es geht hinauf zum alten keltischen Kultplatz auf dem 675 Meter hohen Wüstegarten. Anmeldung und Infos bei: Lothar Klitsch, Telefon: 06695/649 oder Mail an: Info@der-kellerwalddruide.com. (rs)

[sam id=69 codes=’allow‘]
Werbung

[sam id=66 codes=’allow‘]
Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.