documenta 14 und das National Museum of Contemporary Art, Athens(EMST) geben ihre Zusammenarbeit für Athen und Kassel bekannt



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Ich erlebte meine erste documenta 14 Pressekonferenz einen Monat vor der Eröffnung „ unserer“ documenta 14 in Athen. Sehr viele internationale, nationale und örtliche Journalisten füllten einen Ausstellungsraum im Fridericianum. Kamerateams, Fotografen, Berichterstatter und die Simultanübersetzerin in ihrer Kabine waren bereit. Was dann die Vertreter der Kunstausstellung auf dem Podium boten, war schon sehr schwer verdaulich: lustloses Ablesen vorgefertigter Texte, ohne jegliche Intonation und ohne in das Publikum aufzublicken, ob man noch dabei war. Alles in englischer Sprache ,was eigentlich kein Problem war, da die Übersetzerin sehr emotional und mit veränderlicher Gestik und Mimik in Ihrer Kabine das Vorgetragene über die bereitgestellten Kopfhörer in deutscher Sprache weitergab.Wohl dem, der sich der Übersetzerin „ angeschlossen“ hatte. Sogar die Protagonisten auf der Bühne hatten Mühe mental dabei zu sein. Die vorgesehenen Fotos, die über Beamer projiziert wurden, verfehlten ihre auflockernde Wirkung, da es im Raum viel zu hell war.

War die Pressekonferenz schlecht vorbereitet? War es Ignoranz der anwesenden Journalisten gegenüber ? Waren meine Erwartungen zu hoch? Oder ist das so mit der Kunst? Die Öffentlichkeit musste informiert werden ………….. und das ist geschehen. Mission erfüllt!

Vielleicht reagiere ich so empfindlich auf diese Pressekonferenz, weil ich jahrelang Präsentationen von Schülern bei ihren Hauptschul -bzw. Realschulprüfungen mit bewertet habe. Hierbei ging es neben der Beurteilung der Inhalte auch um deren Präsentation vor einer Prüfungskommission. Ob das Team dieser Pressekonferenz das Prüfungsziel erreicht hätte??

Ach so: Ob das Motto der documenta 14 : „ Von Athen lernen“ bisher gefruchtet hat, konnte ich der folgenden Pressemeldung auch nicht entnehmen.
© M.Kittner

„Im Fridericianum in Kassel stellten Griechenlands National Museum of Contemporary Art, Athens (EMST) und die documenta 14 in einer Pressekonferenz die verschiedenen Bereiche ihrer Zusammenarbeit vor, die sowohl die beiden Institutionen wie auch deren Gründungsstädte umfassen. Katerina Koskina (Leiterin des National Museum of Contemporary Art, Athens) und Adam Szymczyk (Künstlerischer Leiter der documenta 14) gaben bekannt, dass das EMST als größte Spielstätte der documenta 14 in Athen Gastgeber der Ausstellung sein wird. Die documenta 14 begrüßt wiederum das EMST im Fridericianum in Kassel und zeigt eine kuratierte Auswahl aus dessen öffentlicher Sammlung griechischer und internationaler zeitgenössischer Künstler_innen, bevor die ständige Sammlung im EMST in Athen zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr präsentiert wird.

Im Zentrum der Zusammenarbeit steht ein gemeinsames Anliegen: Wie werden Kunst und ihre Institutionen öffentlich und zu einem Teil des Gemeinwohls? Das National Museum of Contemporary Art, Athens (EMST) hat seit seiner Gründung im Jahr 2000 Werke griechischer und internationaler Künstler_innen aus den 1960er Jahren bis zur Gegenwart gesammelt. In den letzten Jahren wurden die Werke aus der wachsenden Sammlung durch Ausstellungen in zahlreichen temporären Ausstellungsorten wie Megaron – The Athens Concert Hall, Athens Conservatoire und im öffentlichen Raum kontextualisiert – ein wichtiger Schritt, um das Museum und seine Sammlung trotz der Herausforderungen, mit denen es sich konfrontiert sah, öffentlich zu machen. Währenddessen wurden Vorbereitungen für einen Umzug in den ständigen Sitz des Museums in der ehemaligen Fix-Brauerei an der Syngrou Avenue getroffen. Dieser Umzug fand 2015 statt. Mit dem Programm EMST in the World wurde und der Plan, diese zentrale öffentliche Institution vollständig zugänglich zu machen – das Gebäude, die Sammlung und die Ausstellungen für all jene zu öffnen, die in Athen leben oder die Stadt besuchen – in die Tat umgesetzt. Trotz der Folgen der Austeritätspolitik gelang es dem EMST, Kooperationen zu knüpfen, um ihre Sammlung im Dialog mit den Werken anderer internationaler Museen und Kunstinstitutionen zu zeigen. Aufbauend auf seinem nomadischen Dasein belebt das EMST das Fix-Gebäude mit einem lebhaften Programm, nutzt aber auch die historische Gelegenheit, um innezuhalten und darüber nachzudenken, was ein zeitgenössisches Museum heute bedeutet.

Die Fähigkeit der documenta, eine Ausstellung zu produzieren, die im Fokus zeitgenössischer Kunst und Theorie steht, beruht auf stabiler finanzieller Zuwendung von öffentlichen Förderern wie der Stadt Kassel, dem Land Hessen und der Kulturstiftung des Bundes. Die Geschichte der Ausstellung lässt jedoch ihre ideologischen Fundamente als westdeutsche Institution deutlich werden, die sich nach 1989 wandelte, um globale Kunst einzubeziehen und nun die Verantwortung trägt, ihre Beziehung zum internationalen Kunstmarkt, ihre wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt Kassel sowie die Zugänglichkeit für die Gesamtöffentlichkeit im Gegensatz zur Notwendigkeit der Budgetsicherung durch den Verkauf von Eintrittskarten abzuwägen. Für die documenta ist die Frage, was sie für die Öffentlichkeit heute auf allen Ebenen – der künstlerischen, politischen und finanziellen – bedeutet, entscheidend geworden. Adam Szymczyks Vorschlag, die documenta 14 in Athen und Kassel zu veranstalten, befragt die Stellung dieser Institution, indem die Rolle der Gastgeberin, die so sehr zur Gewohnheit geworden ist, umgekehrt und stattdessen die Ausstellung in einem Kontext entwickelt wird, in welchem sie selbst Gast ist und ihre Visitenkarte die Einladung zu einem gemeinsamen Von Athen lernen darstellt.

Die Sammlung des National Museum of Contemporary Art, Athens wird während der documenta 14 erstmals in Deutschland im Fridericianum gezeigt. Der Ansatz von Katerina Koskina und dem kuratorischen Team des EMST betrachtet die Sammlung im Licht der langen Geschichte des Fridericianum, das 1779 als erstes öffentliches Museum auf dem europäischen Festland gegründet wurde, dann als Bibliothek, und heute schließlich als Kunsthalle agiert, sowie selbstverständlich als Geburtsort der documenta im Jahre 1955, als das Gebäude selbst noch Ruine war. Zusätzlich dient die historische Tatsache, dass das Fridericianum auch das Parlamentsgebäude des kurzlebigen Königreichs Westphalen (1807–13) und zugleich der ersten parlamentarischen Vertretung in der Geschichte Deutschlands war, als Inspirationsquelle dafür, dort die Sammlung des EMST zu zeigen, die Gegenstand internationaler Diskussion sein wird. In diesem Sinne teilt die Sammlung Geschichten, stellt hegemoniale Geschichte und ihre Protagonist_innen in Frage und fordert durch ihr Engagement für die Erhaltung von Kunstwerken und durch das Dokumentieren ihrer Entstehung die Politik heraus.

Das Gebäude des EMST wurde 1961 von dem visionären modernistischen griechischen Architekten Takis Zenetos (1926–77) in Zusammenarbeit mit Margaritis Apostolidis (1922–2005) als Brauerei entworfen. Die Vorstellung von Künstler_innen der documenta 14 und ihrer Kunstwerke in diesem Gebäude, einem mächtigen, vierstöckigen, horizontalen Betonblock, der in das ältere Stadtbild eingesetzt wurde und dessen Fertigungsanlage von außen einsehbar ist, ist von einer ungesteuerten Ökonomie inspiriert, die Produktion, Währungen und Abläufe als immer sozial und immer öffentlich neu denkt. Die gesamte vertikale Spanne des Gebäudes steht der Präsentation der documenta 14 in Athen zur Verfügung und repräsentiert gleichermaßen exemplarisch die zahlreichen Kooperationen mit anderen öffentlichen Einrichtungen in der griechischen Hauptstadt. Zu diesen zählt die Athens School of Fine Arts (ASFA) und das Städtische Kunstzentrum Athen im Parko Eleftherias, wo das Parlament der Körper, die Öffentlichen Programme der documenta 14, im September 2016 eröffnet wurde. Zu diesen Kooperationen gehören auch verschiedene Komplexe des Benaki Museum, mehrere archäologische Stätten und Museen, Archive, Hochschulen und Orte, die ein Lernen verkörpern, das sich auf den Straßen abspielt.

Das Gebäude des EMST und die Sammlung des Museums werden öffentlich gemacht; allerdings geschieht dies nicht gleichzeitig und nicht am selben Ort, was den Bedingungen der Verschiebung entspricht, unter denen sowohl das EMST als auch die documenta 14 derzeit arbeiten.

Eine vollständige Liste der Ausstellungsorte der documenta 14 in Athen und Kassel wird in Kürze veröffentlicht.“

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