Kassel Marathon 2018

Mission erfüllt : Kassel Marathon 2018
Von Afrika eingeflogen, gestartet, gewonnen, Preisgeld verdient, Familie zu Hause versorgt! So war der Plan!
Top Läufer aus Afrika zeigten Spitzenleistungen und gewannen wie erwartet den Kassel Marathon. Diesmal waren die Läuferinnen und Läufer aus Kenia über die 42,195 Kilometer nicht zu schlagen. Mit 2:12:51 stellte der Sieger Edwin Kosgei sogar einen neuen Streckenrekord auf. „Mit der Siegprämie habe ich das Schulgeld für meinen Sohn in Afrika gesichert!“

Nicht nur Berlin kann Rekorde, auch Kassel. Beim EAM Kassel Marathon gab es  sogar drei. Marathon-Sieger Edwin Kosgei stellte einen neuen Streckrekord in 2:12:52 auf. Karl Junghanns (LAZ Erfurt Top Team) verbesserte den ein Jahr alten Halbmarathon-Rekord auf 1:05:28. Halbmarathon-Siegerin und Hessenmeisterin Sandra Morchner ließ der Jugend keine Chance und lief mit 1:17:11 neuen Deutschen W45-Rekord! Marathon-Siegerin Brendah Kebeya verbesserte sich um vier Minuten auf 2:36:43.
Als die Marathon-Spitze im Ziel war, nahm sich EAM Kassel-Marathon-Veranstalter Winfried Aufenanger ein paar Minuten Ruhe auf der Laufbahn. Die Anspannung der letzten Monaten und Wochen war abgefallen, der Macher der größten nordhessischen Sportveranstaltung atmete kurz kräftig durch. Alles war prima gelaufen, (nicht nur) dank der neuen Grünen Linie auf der Marathon-Strecke und der erstklassigen Arbeit der Führungsfahrer unter der Leitung von Gerd, Niklas und Per Heyser. Die Läufer selbst gaben ihren Anteil dazu und hielten Wort. Sie hatten zuvor vesprochen, für eine flotte Pace zu sorgen auf der schnellen Kasseler Strecke.
Die legte vor allem der Sieger von 2016, Edwin Kosgei (Kenia) vor, der von Beginn an mächtig aufs Tempo drückte. Schon nach 10 km mit Durchgangszeit von 31:42 Minuten war die zuvor vierköpfige Spitzengruppe gesprengt. „Bei der Geschwindigkeit hatte ich Angst um die Gesundheit der Läufer“, scherzte Aufenanger später, allerdings war der Blick dabei durchaus immer auf den bisherigen Streckenrekord von Joel Chepkonol aus dem Jahr 2010 gerichtet (2:12:54). „Edwin hatte während des ganzen Rennens eine unglaubliche Leichtigkeit“, berichtete der Organisationschef. Der Sieger bestätigte, dass er sich gut gefühlt hat, „nur die letzten 5 km waren sehr, sehr hart.“ Bereits nach 10 km habe ihn vor allem der Wettbewerb zwischen Kenia und Äthiopien gepusht, erzählte er in der Pressekonferenz. Und wahrscheinlich hat er auf dem Weg zum letztendlich neuen Streckenrekord schon die prächtige Stimmung im Auestadion mitbekommen, wo HR1-Moderator sich in absoluter Top-Form präsentierte und während des Rennens die Zuschauer immer wieder darauf einstimmte, dass der Rekord fallen könnte. Für den 29-jährigen Kosgei hat sich der Weg nach Kassel diesmal also wieder gelohnt, mit 2:12:52 war er schließlich zwei Sekunden schneller als Chepkonol 2010. Hinter ihm kamen der Äthiopier Sisay Azew Tola (2:14:59) als Zweiter und der Dritte Dickson Kirui (Kenia, 2:16:35) mit deutlichem Abstand ins Ziel.
Tobias Schreindl (LG Passau) kam als starker Vierter und bester Deutscher nach 2:24:20 ins Ziel. Der Deutsche Marathon Meister von 2014 hatte sich insgeheim eine bessere Zeit erhofft, dennoch überwog bei ihm die Freude – nicht nur wegen der sehr guten Kasseler Prämie für den besten deutschen Läufer. „Mir hat heute die Spritzigkeit gefehlt, aber es war ein schöner Ausflug nach Kassel“, sagte er – und hatte Winfried Aufenanger auch endlich den „gefühlt schon seit 20 Jahren bestehenden Wunsch“, dass er einmal bei einem Lauf in Kassel starten solle, erfüllt. Michael Kendelbacher (TSV Barsinghausen) verbesserte sich als zweitbester Deutscher in 2:36:13 um über zwei Minuten.
Auch bei den Frauen setzte sich die Top-Favoritin durch. Die in Forchheim lebende Kenianerin Brendah Kebeyah absolvierte ein starkes Rennen. Die 26-jährige Bayerische Halbmarathon- und 10 km-Meisterin lief in 2:36:43 die zweitschnellste Frauen-Zeit bisher in Kassel und steigerte sich um fast genau vier Minuten. „Die Bedingungen waren einfach perfekt heute“, sagte sie in ebenfalls perfektem Deutsch auf der Pressekonferenz, „das Wetter war optimal, die Zuschauer waren der Wahnsinn und haben mich motiviert. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht.“ Jetzt hofft sie, dass ihre Einbürgerung bald klappt. Und auch bei den Frauen siegte Kenia im afrikanischen Duell mit Äthiopien, die zweitplatzierte Ethaga Bekele Bontu war in 2:37:50 aber ebenfalls sehr gut unterwegs.
Für eine schöne Überraschung sorgte Jessica Ehlers (SG Athletico Büdelsdorf). Die 22-Jährige, bereits in Hamburg beste Deutsche, schaffte dies erneut und verbesserte sich in 2:42:36 als Dritte  um knapp zwei Minuten. „Das hab ich da genau gebraucht“, zeigte sie sich nach dem Lauf  vor allem angetan vom Empfang mit ihrem Death Metal-Wunsch-Sound von Dimmu Borgir, der ihr am Hot Spot Joe’s Garage von Einheizer Dirk van der Werf als Unterstützung für die letzten Kilometer liebend gerne erfüllt wurde. Und auch wenn die Strecke im Vergleich zu ihrer Kieler Heimat anspruchsvoll war, sagte sie später überglücklich:  „Es war uns eine Ehre und wir hatten einen tollen Tag“, und freute sie sich über Platzierung, Bestzeit und Prämie. Und immerhin: Als beste Deutsche in Kassel war sie  locker sechs Minuten schneller als die beste Deutsche beim zeitgleichen Berlin-Marathon, Anke Esser.
„Es war“,  sagte also Winfried Aufenanger danach, „die beste Veranstaltung, die wir gemacht haben“, sichtlich begeistert von der Stimmung an der Strecke und im Stadion und von den Leistungen. „An dieser Stelle Danke an alle, die dabei waren! Es hat uns unglaublich uns Spaß gemacht!“

Der Kassel Marathon war wie immer wieder eine tolle Sportveranstaltung mit herausragenden Leistungen.Dabei meine ich nicht unbedingt die Ergebnisse der offiziellen Gewinner, sondern vielmehr die Leistungen der „Normalos“, der Freizeitsportler. Die den inneren Schweinehund überwanden und bis an ihre persönlichen Grenzen gegangen sind und diesen Gewinn mit erschöpftem und glücklichem Strahlen im Ziel feierten.

Info: KS Marathon Pressedienst / M.Kittner                      © Fotos: M.Kittner

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