Im Auftrag Ihrer Kanzlerin



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Simone Solga in Gudensberg (Foto: Rainer Sander)

Simone Solga in Gudensberg (Foto: Rainer Sander)

Simone Solga im Bürgerhaus Gudensberg

Gudensberg. „Die TV- und bühnenbekannte Kanzlersouffleuse Simone Solga kratzt nicht… sie schlägt zu und garantiert einen Abend der hinterhältigen Unterhaltung“ so wurde die Kabarettisten angekündigt und hielt, was sie versprach: Frauen sind ganz offensichtlich frecher, zumindest im Kabarett.

98 Prozent aller Gudensberger müssen jetzt ganz stark sein, begann die „Souffleuse der Kanzlerin“ mit der Handy-Kamera in der Hand: „Ich will Sie gleich mal Fotografieren, das geht auch direkt nach Amerika“. Klar, Kabarettbesucher gelten als die letzten kritischen Menschen und davon gab es reichlich am Sonntagabend im ausverkauften Bürgerhaus von Gudensberg. Und Frau Solga erklärt, was es ab sofort bei Cabaret nur noch geht: Vermeidung von Kritik durch Einbindung! Das Programm: Simone Solga – Im Auftrag Ihrer Kanzlerin, Als Kabarettveranstaltung getarnt…

Wir leben in einer stabilen Diplomatie

Und sie nimmt über nichts ein Blatt vor den Mund. Zum Türkeibesuch von Angela Merkel kommt die Anmerkung: „Wir leben in einer stabilen Diplomatie“ und zur Flüchtlingsfrage wiederholt sie die Kanzlerin: „wir schaffen das! Eskalieren wird das erst, wenn die alle einen Telekomanschluss beantragen…“ Eine Sorge bleibt: „Aber wenn der Trump in Amerika Präsident wird, dann kommt die nächste Flüchtlingswelle von gut ausgebildeten Amerikanern auf uns zu.“ Und auch eine Frage: „Wo Kommen denn plötzlich die ganzen Nazis her? Wir hatten doch früher nicht so viele hier?“

Der Rassismus, so stellt sich ernüchtert und ganz undiplomatisch fest, ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen: „Lauter Leute, die im Urlaub so viel Geld auf wenden, um die Hautfarbe zu bekommen, wie die Leute, die sie in ihrer Straße nicht wohnen haben wollen…“ Dabei fällt ihr Lutz Bachmann auf, denn der hatte am Jahresanfang ein Burnout: „Früher hatten die Nazis hoch Schusswunden…“

Der Alpentaiban redet viel

Trotz aller Diskussionen und merkwürdiger Auswüchse, möchte sie niemandem den Mund verbieten: „der eine, der Unsinn redet, ist weniger schädlich für die Demokratie, als die 99, die ihm den Mund verbieten wollen.“ Aber eines möchte sie keinesfalls, nämlich Berliner und Schwaben kreuzen, sonst gibt das Großmaultaschen.

Und sie fragt: „warum haben sie dem de Maiziere bloß diesen Posten gegeben? Der macht ihm doch gar keinen Spaß. Der ist bloß der Gegenentwurf zu Seehofer. De Maiziere weiß viel, aber sagt nichts. Der Alpentaliban sagt viel…“ Zum Beispiel: „es müssen Einwanderer kommen, die zu uns passen! Dann müssen wir anfangen in Syrien nach schlecht gelaunten Installateuren zu suchen?“

In Fritzlar kann man besser lesen

Und zwischendurch wendet sie sich immer wieder ans Publikum: „Sie wirken nicht so depressive, wie sie sich in Gudensberg fühlen müssten!“ Und sie stichelt gerne: „in Fritzlar kann man besser lesen. In Gudensberg kann man besser rechnen – aber das Ergebnis nicht Iesen…“

Ein provozierender aber unterhaltsamer Abend mit viel Stoff zum Nachdenken. (rs)



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