Kultur in den Kellern von Gudensberg

Der Künstler Wackerbarth vor seinem beleuchteten Haus (Foto: Rainer Sander)

Der Künstler Wackerbarth vor seinem beleuchteten Haus (Foto: Rainer Sander)

Inspirierende Kulturnacht unter und über der Erde

Gudensberg. Einmal im Jahr werden Gudensberger Keller zum Leben erweckt. Dann geht die Kultur in den Untergrund. Privathäuser werden dafür ungeöffnet. Dazu gibt es Konzerte in der Synagoge und der Stadtkirche. Zusätzliche Kulturangebote, faszinierende Lichter und kulinarische Leckerbissen sorgen für ein rundes Programm. Eine riesige Besuchermenge erfreute sich an Theater, Musik und Gesang unterschiedlichster Art.

Herwig Lucas im Keller Giese

Im stimmungsvollen Keller der Familie Giese, der von der Straße „Hinter der Mauer“ zu erreichen war, begegneten die Gäste dem Schauspieler Herwig Lucas und seinem Programm „Sachen zum Lachen, zum Schmunzeln und Stirne runzeln“ mit Texten von Goethe über Lessing bis Frankenfeld. Aber auch triviale Groschen- und Arztromane klangen bei ihm wie klassische Literatur.

Das Kasseler Organtheater im Löwensteinkeller

Im rustikal eingerichteten Löwensteinkeller von Familie Sprenger am Alten Markt gastierte das Organtheater mit seinem Programm „Begnadigte Körper“. Nach Begrüßung durch den Hausherrn wurde die Gesundheits-App vorgestellt: „Ich messe, also bin ich.“ Wir können unsere Gesundheit weder dem Zufall noch uns selbst überlassen. Die App misst in Echtzeit unsere Gefühle, überwacht uns selbst und ganze Familie gleich mit. Am Ende hat man seinen Körper wieder richtig lieb.

Chansons mit „Entre Nous“ im Kulturhaus Synagoge

Ghislaine (Gesang) und Thorsten Seydler (Klavier, Akkordeon, Mouthpercussion) präsentierten und interpretieren als Duo Entre Nous französische Chansons entweder ganz nah am Original oder völlig neu arrangiert als Pop-, Rock- oder Jazz-Songs. Altbekanntes wie „La mer“ kam dabei ebenso zu Gehör wie Modernes, beispielsweise „Le sac des filles“ von Camille. Ghislaine Seydler wurde gern auch philosophisch: „besser an nichts denken, als gar nichts denken…“

A Capella in der Stadtkirche (Foto: Rainer Sander)

A Capella in der Stadtkirche (Foto: Rainer Sander)

„The Sounding Joy“ in der Stadtkirche

Aus der thüringischen Landgemeinde Nesse-Apfelstädt, verschwistert mit Obervorschütz, kam das Doppelquartett „The Sounding Joy” mit einem breiten Repertoire an A Capella-Musik. Die insgesamt 10 Sängerinnen und Sänger begeisterten mit viel Freude und anspruchsvollen Chorgesängen. Die fertig renovierte Stadtkirche erlebte niveauvolle Chorsätze alter Meister (Händel, Bach) aber auch Lieder der Comedian Harmonists oder gar der Wise Guys. In wenigen Ausnahmen gab es auch Keyboard-Begleitung.

Insgesamt dürften fast 300 Kulturinteressierte unterwegs gewesen sein. Und wer an diesem Abend zwischen Kellern, Kirche alte Synagoge unterwegs war, erlebte eine perfekte Organisation, liebevolle Dekoration und faszinierende Illumination. Da wiesen Kerzen und nicht Wegweiser den Weg zwischen den einzelnen Veranstaltungsorten und viele Hauseigentümer, wie der Künstler Frank Wackerbarth, nutzt die Gelegenheit, ihr Haus einfach ebenfalls anzustrahlen und der Garten sowie der Keller Wolfgang Mand waren in der Pause ebenfalls geöffnet. Viele Gäste wurden dort und am „kleinen Häuschen“ beim Keller Giese bewirtet. Dort spielte in der Pause die Bigband Haddamar.

Alle Künstler traten zweimal auf, die Besucher hatten die Wahl zwischen zwei verschiedenen Programmen und zwei verschiedenen Uhrzeiten. Wer alle vier sehen wollte, musste – wie wir – nach der Hälfte der Zeit einen Standortwechsel vornehmen, was allerdings kaum jemand tat.

Im nordhessischen Veranstaltungskalender nehmen die Kellerkonzerte die Rolle eines absoluten Alleinstellungsmerkmals ein, eine der vielen kreativen Ideen, die nur mit viel Liebe zum Detail und innerhalb einer funktionierenden kommunalen Gemeinschaft entstehen können. Dort, wo allein Eigeninteresse und Geschäftserfolge das Dasein bestimmen, funktioniert so etwas nicht. Insofern hat auch Gudensberg ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der Städte und Gemeinden Nordhessens. (rs)

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