Nordhessens Beste rocken in Fritzlar zum Jahresschluss



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Best_2Woodstock-Retro zum Festivaljubiläum
Fritzlar. Es begann vor zehn Jahren mit einer Handvoll Musiker im damaligen Scala-Theater in Fritzlar und nicht einmal 200 Fans. Heute, zehn Jahre später, am 27.12.2014, war die Veranstaltung „Best of 70th, 80th“ (die alten Helden rocken und der englische Grammatikfehler im Titel gehört zum Programm) in der Stadthalle Fritzlar, 10 Tage nach Beginn des Vorverkauf im November, bereits ausverkauft. Weit mehr als 800 Karten (so viele Menschen dürfen in die Halle) hätten verkauft werden können. Der rockige Jahresausklang in Fritzlar ist längst Kult, vor allem seit er mit dem Line-Up, der Zusammensetzung der Bands, tatsächlich das Beste auf die Bühne bringt, was Nordhessen an Instrumentalisten und Sängern aufzubieten hat. Und diesmal – 2014 – war’s besonders gut!
Da standen Flash Bat In The Roof mit der begnadeten Sängerin Kim Hermann und den beiden Paltinat-Söhnen Timmy und Roman in völlig neuer Besetzung auf der Bühne und überraschten mit einem Janis Joplin-Block. Passend zum zehnjährigen Best Of und 45-jährigen Woodstock-Jubiläum hatten die beiden Veranstalter Kalle Paltinat und Walter Meyer alle Bands aufgefordert, im Woodstock-Retro und mit Titeln von Bands aufzutreten, die bei dem legendären Festival auf der Bühne standen. Auch wenn Janis Joplin in Woodstock nicht unbedingt ihre später bekannten Titel gespielt hatte – bis dahin stand sie noch mit „Big Brother And The Holding Company“ auf der Bühne – gingen Songs wie Me And Bobby McGee oder Mercedes-Benz unter die Haut. Erstaunlich, wie nahe Kim dem „kratzigen“ Original kam. Und mit „Piece Of My Heart“ gab’s auch einen echten Woodstock-Klassiker.
Rockmachine mit Who-und CCR-Titeln – Hommage an Woodstock
Als zweites stand die Band auf der Bühne, deren Musiker schon seit den siebziger Jahren Kassels Konzerthallen beherrschen und die dabei so viel Spaß zu haben scheinen, wie kaum eine andere „Truppe“: Rockmachine. Nach dem Auftakt mit Titeln wie Highway Star (Deep Purple) und Alright Now (Free), ging es mit einem Who-Block mitten hinein ins Woodstock-Geschehen. Bei Songs wie Pinball Wizard – lange nach Woodstock in die Rock-Oper Tommy integriert – oder My Generation (das Lied über die Woodstock-Generation) wurde deutlich, dass Ulf Gottschalk Roger Daltray nicht nur stimmlich nahe kommt, sondern ihm auch optisch mit zunehmendem Alter immer ähnlicher wird. Nahtlos ging es weiter mit einer CCR-Hommage: Down On The Corner, Up Around The Bend und Suzie Q (das einzige Lied aus der Woodstock-Setlist).
Gleich danach folgte Woodstock-Substanz. Ulf Gottschalk, Kim Hermann und Harry Stingl hatten eine gute Handvoll Musiker und Sänger – unter anderem aus dem TIC in Kassel – um sich geschart und zwei Titel von Crosby, Stills, Nash & Young eingeübt. „Love The One Your With“ war Auftakt und Motto zugleich. Und ein Teil der Musiker blieb gleich auf der Bühne für San-A-Tana, die Band, die einst für dieses Festival in Fritzlar gegründet wurde. Mit beiden Sängern – Carmine Biscosi und Achim Schultz, der just in Time in der Halle auftauchte und sich quasi auf der Bühne seines Mantels entledigte, legten die Mannen um Harry Stingl gleich richtig los: Mit Jingo zum Aufwärmen den einzigen Woodstock-Song. Black Magic Woman oder Samba Pa Ti stammen – wie fast alle Santana-Hits – aus der Post-Woodstock-Ära.
Joe Cocker und Jimi Hendrix authentisch präsentiert
Chip’n’Steel sind eine der etablierten Bands in Nordhessen und eine der ältesten noch dazu. Eigentlich beherrschen sie alles aus den letzten vier Jahrzehnten Rockmusik, aber nichts können sie besser, als Joe Cocker. Und keiner in Nordhessen kann Joe Cocker besser als Michael Dippel. Und der Mann, dessen Stern mit „With A Little Help Of My Friends“ in Woodstock aufgegangen war, hat sich vor wenigen Tagen entschieden, jetzt auf einer anderen Bühne weiter zu spielen. Und so geriet das Cocker-Special von Chip’n’Steel diesmal etwas länger und wurde mit einem Requiem für den verstorbenen Sänger – „Up Where We Belong“ – eingeleitet. Dem Publikum gefiel es und mit Liedern von Sly And The Familiy Stone, CCR sowie Canned Heat (Going Up The Country) vervollständigten die Chips ihre Hommage des Abends an Woodstock. Hätte es ein Applausometer gegeben, hätte die Band mit Veranstalter Kalle Paltinat an den Tasten vermutlich den Publikumspreis gewonnen.
Der letzte Musiker, der am frühen Montagmorgen in Woodstock 1969 auftrat, war Jimi Hendrix und mit einem Bündel an Jimi Hendrix-Titeln leitete die Steven Stealer Band (SSB) den Schluss des Jahres-End-Festivals in Fritzlar ein. Paul Kersten, Sologitarrist bei SSB, wird nicht umsonst als Nordhessischer Jimi Hendrix bezeichnet. Mit Voodoo Chile, All Along The Watchtower und Hey Joe rissen Paul Kersten, Mike Gerhold & Co das Publikum mit. Krönender Höhepunkt der authentischen Hendrix-Show war die Gitarren-Version von „Star Spangled Banner“ aus dem Repertoire des früh verstorbenen „Gitarren-Gottes“. Mit der typischen Steven Stealer-Show ging das Festival gegen 2:30 Uhr zu Ende – diesmal ohne das übliche Finale mit allen Musikern. Das vermisste am Sonntagmorgen allerdings niemand, die vielen musikalischen Höhepunkte und Eindrücke wirkten nachhaltig genug.
Das Festival wird jedes Jahr besser und irgendwann stellt sich vielleicht die Frage, womit sich das Aneinanderreihen von Highlights zukünftig noch steigern lässt? Bis dahin wird es jedes Jahr mehr Nachfrage als Karten geben und Nordhessen darf sich auch 2015 auf ein grandioses Festival in der Stadthalle zum Jahresausklang freuen. (rs)



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