Steven Stealer Band supported by Barclay James Harvest



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Viel Publikum – ob VIP (vorne) und Masse (hinten) (Foto: Rainer Sander)

Viel Publikum – ob VIP (vorne) und Masse (hinten) (Foto: Rainer Sander)

Die Schwalm Rockt in Merzhausen

Willingshausen. Die Schwalm hat gerockt! Punkt! Bis nach Mitternacht riss die Steven Stealer Band mit Titeln von Deep Purple, Bon Jovi, Manfred Mann oder Led Zeppelin ein rockbereites Publikum mit. Paule Kesten und Jürgen Stieler gaben ihr Bestes an den Gitarren und Sänger Mike Gerhold war super aufgelegt. Bei Mighty Quinn oder Summer Of 69 tanzte fast der ganze Saal mit und der war mit rund 800 Besuchern gut gefüllt. Der Sommer von 69 war übrigens auch die Zeit, in der Barclay James Harvest (gegründet 1967) ihre ersten professionellen Schritte unternahmen – als Geheimtipp des „Progressive Rock“, der sie in Amerika und selbst in der Heimat Großbritannien bis heute geblieben sind.

Es hat eine gewisse Tradition, dass Rockstars in der Schwalm vor großem Publikum spielen, wenn Ihre Zeit als echte Stars schon seit Jahrzehnten vorüber ist. Den Auftakt dafür gab in den 70ern schon Mitch Ryder (C.C. Rider) und bei Bands wie „The Sweet“ war‘s in den vergangenen Jahren auch richtig gut! Auch wenn die Bands allesamt nur noch „Cover-Bands“ der früheren Erfogsbands sind – es ist immer nur noch einer aus der Ursprungsbesetzung dabei, der die Namensrechte besitzt und die Mitspieler bezahlt – das setzt eine Menge Erinnerungen im Publikum frei. Im gestrigen Fall war Les Holroyd der einzige echte BJH-Musiker, weshalb die Band auch seinen Namenszusatz (Featuring LH – also „BJHFLH“) verwendet.

Sie rockten nach „Barclay James Harvest Featuring Les Holroyd“ richtig los: Steven Stealer (Foto: Rainer Sander)

Sie rockten nach „Barclay James Harvest Featuring Les Holroyd“ richtig los: Steven Stealer (Foto: Rainer Sander)

Britisch akkurat: man „geht nicht so aus sich heraus“…
Bei Barclay James Harvest (BJH) ist es so: Man wartet zwei Stunden darauf, dass es losgeht – und wenn die Zugabe kommt, ist es soweit! Was kennt man von BJH, wenn man nicht eingefleischter Fan ist? „Hymn”, “Live Is For Living” und “Child Of The Universe”? Vielleicht noch Mockingbird? So haben 800 Menschen gebannt zwei Stunden gelauscht, ob sie etwas wiedererkennen. Auf der Bühne standen fünf Musiker – der Bass von Les Holroyd, Gitarre, Schlagzeug und zwei Keyboards – statt des Orchesters aus den Anfangsjahren der Band. Zu hören gab es einiges Neueres von der Band, die mehr oder weniger bewegungslos zwei Stunden lang ordentlich, akkurat und handwerklich perfekt ihre Instrumente bediente.
Dass sie bei ihrer eigenen Musik mitgehen, mal aus sich rausgehen, ist irgendwie nicht zu erwarten, außer, wenn Michael „Mike“ Byron-Hehir – ein früher Musiker aus Paul Youngs Sad Café Band – mal den Verzerrer seiner Gitarre einschalten darf und Rock’n’Roll-Feeling aufkommt. Aber kaum sind eine Handvoll Takte gespielt, legen sich die beiden mächtigen Keyborards und der monotone Bassrhythmus darüber und ersticken jede aufkommende Emotion auf der Bühne. Man bleibt – very british – akkurat.

 In Aktion: Mike Gerhold und Andreas Gutheil (bass) (Foto: Rainer Sander)

In Aktion: Mike Gerhold und Andreas Gutheil (bass) (Foto: Rainer Sander)

Kein Kind des Universums
Diesen Bombast-Sound kreieren „BJHFLH“ allerdings so gut, wie kaum eine andere Band. Hymn und Live Is For Living gab’s zu hören, „Child Of The Universe“ nicht und so schöne Klassiker wie Medicine Man auch nicht. BJH waren in der Tat immer nur in Deutschland richtig bekannt. In Großbritannien sind sie die ewige Nachwuchsband, in den USA will man Gefühl und Authentizität auf der Bühne und genau das kommt definitiv zu kurz. Die beste Chart-Platzierung in Großbritannien übrigens: Platz 49, mit dem hier allerdings wenig bekannten Titel „Rock And Roll Star“. Die beste Chart-Platzierung in Deutschland: Platz 2 mit – eben – „Live Is For Living“. Hierzulande haben sie mit einem Free-Concert am Reichstag einmal den Nerv des Deutschen Publikums getroffen und das hat für viele Jahre gereicht.

 

lt auch nicht schlechter Gitarre: Paul Kersten (Foto: Rainer Sander)

lt auch nicht schlechter Gitarre: Paul Kersten (Foto: Rainer Sander)

Fotoscheue Stars
In Willingshausen waren sie noch immer die Stars, die nicht fotografiert werden wollten (das war vor 25 Jahren in der Kasseler Stadthalle, mitten in der Erfolgsära bereits so), allerdings wenige Tage vor der Show, gab es die Anweisung vom Management – vermutlich nachdem man sich etwas erkundigt hatte – mit Blick auf die Steven Stealer Band: „We don’t play after this band…“ Und so spielten BJH als Vorband für Mike Gerhold & Co, die dem Abend am Ende ihren Stempel aufdrücken durften und das sichtlich genossen. Es gibt übrigens eine zweite Band namens „Barclay James Harvest“ um den Gitarristen der Originalformation John Lees und die lassen es auf der Bühne auch mal richtig rocken… Wer symphonischen Rock mag, kam allerdings bei BJH featuring Les Holroyd auf seine Kosten. So war es irgendwie für jeden in Willingshausen ein schöner Abend.

 

 

 

 

 

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