Darmkrebs-Vorsorge Experte aus dem RKH-Kassel klärt auf

Prof. Dr. med. Rudolf Hesterberg, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Ärztlicher Direktor am RKH Kassel / Foto: Axel Sauerwein / RKH Kassel

Prof. Dr. med. Rudolf Hesterberg, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Ärztlicher Direktor am RKH Kassel / Foto: Axel Sauerwein / RKH Kassel

Kassel, Februar 2015 – Darmkrebs zählt in Deutschland zu der zweit häufigsten Krebsart1. Frühzeitig erkannt, sind die Therapie- und Heilungschancen jedoch sehr gut. Umso wichtiger ist daher eine regelmäßige und vor allem frühzeitige Vorsorge. Doch genau diese meiden viele Menschen. Gründe sind u.a. Hemmungen vor der als unangenehm empfundenen Darmspiegelung sowie befürchtete Schmerzen während der Untersuchung. Prof. Rudolf Hesterberg, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Ärztlicher Direktor am Roten Kreuz Krankenhaus Kassel erklärt, warum eine regelmäßige Darmkrebs-Vorsorge so wichtig ist und die Sorgen der Patienten meist unbegründet sind. Seine Klinik ist eines von 74 zertifizierten Kompetenzzentren für Koloprotologie in Deutschland, also für Darmerkrankungen, und verfügt über eine hervorragende fachliche Kompetenz auf diesem Gebiet.

Herr Prof. Hesterberg, warum meiden viele Menschen eine regelmäßige Darmkrebs-Vorsorge?
Prof. Hesterberg: „Viele Menschen stehen einer Darmspiegelung skeptisch gegenüber, weil sie die Untersuchung als unangenehm empfinden. Hinzu kommen Ängste vor möglichen Schmerzen während der Untersuchung, die jedoch meist unbegründet sind. Denn eine Darmspiegelung – auch Koloskopie genannt – ist ein schmerzfreies und für den Körper schonendes Verfahren. 1. Robert Koch Institut, Berlin, 2012. Dennoch nehmen mein Team und ich die Bedenken unserer Patienten ernst und schaffen eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der sie sich optimal beraten und versorgt fühlen.“

Welche Methoden der Darmkrebsvorsorge gibt es?
Prof. Hesterberg: „Die mit Abstand sicherste Methode ist die erwähnte Darmspiegelung (Koloskopie). Hiermit können wir bereits die noch gutartigen Vorstufen von Darmkrebs (Polypen) erkennen und in vielen Fällen gleichzeitig entfernen. Hierdurch kann die spätere Entstehung eines Darmkrebses verhindert werden.
Bei einer relativ neuen Methode – der virtuellen Koloskopie – werden die nötigen Aufnahmen des Darminneren mithilfe einer Computertomographie (CT) von außen gewonnen. Die Nachteile: Der Patient ist einer hohen Strahlenbelastung ausgesetzt und Polypen unter acht Millimeter werden selten erkannt. Zudem gibt es seit 2008 die so genannte Kapselendoskopie. Hierbei schluckt der Patient eine mit einer Kamera versehene Kapsel, die in zwei-Sekunden-Abständen Aufnahmen des Magen-Darm-Traktes macht. Die Nachteile dieser Methode sind, dass der Arzt die Aufnahmen nicht steuern kann und eine evtl. nötige Gewebeentnahme oder Polypenentfernung in einem zusätzlichen Eingriff vornehmen muss. Eine einfache, aber gleichzeitig sehr ungenaue Methode ist die Untersuchung des Stuhlgangs. Hierbei können minimale Blutrückstände nachgewiesen werden. Die gutartigen Polypen oder auch sehr frühen Formen des Darmkrebses bluten aber nur sehr selten und werden deshalb häufig nicht erkannt.“

Wie läuft die endoskopische Koloskopie ab?
Prof. Hesterberg: „Wir führen die Darmspiegelung in den meisten Fällen ambulant durch. Einige Tage vor der Untersuchung besprechen wir mit den Patienten den Ablauf und die nötigen Vorbereitungen. Auf Wunsch des Patienten verabreichen wir ein beruhigendes Medikament, so dass die Untersuchung nicht bewusst wahrgenommen wird und schmerzfrei ist. Das Endoskop, ein fingerdickes, schlauchartiges Gerät wird dann vorsichtig in den After eingeführt. Hieran befindet sich eine winzige Kamera, inklusive Lichtquelle, mit der wir den Darm genau untersuchen. Zudem sind am Endoskop kleinste Zangen oder Schlingen angebracht, mit denen wir ggf. bereits während der Untersuchung Gewebeproben entnehmen oder Darmpolypen entfernen können. Auch in diesen Fällen ist die Koloskopie schmerzfrei. Nach 20 bis 30 Minuten ist die Darmspiegelung beendet und der Patienten wird kurz nach dem Eingriff wieder nach Hause entlassen.“

Welche Vorbereitungen sind nötig?
Prof. Hesterberg: „Damit wir bei der Endoskopie den Darm bestmöglich untersuchen können, ist eine vollständige Reinigung des Darms notwendig. Drei bis vier Tage vor der Untersuchung sollten die Patienten keine Eisenpräparate mehr einnehmen, da diese die Sicht auf die Schleimhäute einschränken können. Das Gleiche gilt für Lebensmittel, die Körner enthalten und schwer verdaulich sind. Um die Verdauung anzuregen und den Darm zu reinigen, sollten die Patienten viel trinken, z.B. Wasser oder Tee. Zusätzlich bekommen die Patienten am Abend vor der Untersuchung eine abführende Lösung zum Trinken. Am Tag vor der Darmspiegelung empfehlen wir leichtverdauliche Kost wie Joghurt oder klare Gemüsebrühe.“

Wann sollte man zur Vorsorgeuntersuchung gehen?
Prof. Hesterberg: „Wenn kein erhöhtes Risiko vorliegt, sollte die Vorsorgeuntersuchung ab dem 55. Lebensjahr erfolgen. Typische Risikofaktoren sind beispielsweise Übergewicht, Bewegungsmangel, eine fettreiche Ernährung in Kombination mit einem geringen Verzehr von Gemüse, Obst und Rohkost, Rauchen sowie regelmäßig starker Alkoholkonsum. Wenn in der Familie bereits Darmkrebs aufgetreten ist oder der Betroffene unter einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung leidet, sollte die Vorsorge bereits mit 40 bis 45 Jahren stattfinden. Findet der Arzt keine Veränderungen, ist die nächste Untersuchung nach ungefähr zehn Jahren notwendig.“

Warum ist die Vorsorge so wichtig?
Prof. Hesterberg: „Durch die endoskopische Koloskopie werden im Idealfall die noch gutartigen Polypen als Vorstufe des Darmkrebses erkannt. Durch die Abtragung dieser Polypen kann die Entwicklung eines Darmkrebses verhindert werden. Wenn ein Darmkrebs bereits entstanden ist, wird er durch die Vorsorgespiegelung
in den meisten Fällen frühzeitig – mit guten Heilungsaussichten – entdeckt. Die Krankenkassen zahlen diese Vorsorgeuntersuchung ab dem 55. Lebensjahr. Bei Beschwerden wie Blut im Stuhl, chronischen Darmerkrankungen oder anderen Risikofaktoren, übernehmen die Krankenkassen auch die Kosten einer frühzeitigen Untersuchung.“

Fünf Tipps für einen gesunden Darm
• Bewegen Sie sich täglich mindestens 30 Minuten
• Trinken Sie wenig Alkohol
• Rauchen Sie nicht
• Vermeiden Sie Übergewicht
• Essen Sie viel Obst, Gemüse und ballaststoffreiche Lebensmittel (z.B. Vollkornprodukte) und schränken Sie den Verzehr von rotem Fleisch und Fett ein.

Als neuen Service bietet die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Roten Kreuz Krankenhaus (RKH) Kassel eine Sprechstunde für Patienten mit chronischen Darmerkrankungen an. Geleitet wird das Angebot von Chefarzt und Ärztlichem Direktor Prof. Rudolf Hesterberg nebst Team. „Im Zuge unserer aktuell erfolgreichen Re-Zertifizierung als Kompetenzzentrum für Koloproktologie, haben wir einen enormen Zuwachs an Patienten mit chronischen Darmentzündungen gewonnen. Eine extra Sprechzeit wird unserem hohen Anspruch an eine hochqualitative und patientenzugewandte Behandlung gerecht“, so der Experte. Interessierte melden sich bitte unter Tel.: 0561 – 3086-4201.

Prof. Dr. med. Rudolf Hesterberg, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Ärztlicher Direktor am RKH Kassel / Foto: Axel Sauerwein / RKH Kassel
Neuer Service am RKH Kassel: Eine Sprechstunde ausschließlich für Patienten mit chronischen Darmerkrankungen. Buchbar unter T: 0561 – 3086-4201. / Foto: RKH Kassel

Quelle: Rotes Kreuz Krankenhaus Kassel, Gemeinnützige GmbH

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