Ein Tag in einem Borg-Kubus

Meine Assimilation wird fortgesetzt. „Wir sind die Borg! Sie werden assimiliert werden.“ Ich habe den Eindruck, in einem Borg-Kubus zu sein. An zehn fast gleichartigen Geräten, die in einem in die Länge gezogenen Kreis angeordnet sind, sitzen zehn Personen mit Akustikimplantaten. Von jedem Ohr führt ein Kabel weg und verschwindet im Inneren. Alle bewegen sich in gleichförmiger Weise. Auch wenn die Bewegungen sich unterscheiden, ist doch der synchrone Rhythmus deutlich zu erkennen. Dann, wie auf ein geheimes Kommando hin, stoppen alle gleichzeitig ihre Bewegung, stehen auf und bewegen sich in langsamer Gangart zum nächsten Gerät im Uhrzeigersinn. Dort setzen sie sich, halten ihre Identitätsmarke an das Gerät und warten bewegungslos. Nach einigen Sekunden beginnen plötzlich alle zehn wieder mit ihren rhythmischen Bewegungen. Gleichgeschaltet. Ferngesteuert. Borg. „Widerstand ist zwecklos!“

eGym-Zirkel

eGym-Zirkel

Was wie ein Borg-Alkoven wirkt, entpuppt sich aus der Nähe als eGym-Zirkel. Das sind 10 Geräte, die auf einer fast kreisförmigen Fläche aufgestellt sind. Der Begriff „Zirkel“ dürfte aber eher von dem im sportlichen Bereich üblichen Verfahren herrühren, bestimmte Übungen nacheinander, aber wiederholt durchzuführen. „eGym“ klingt zunächst wie ein schönes Modewort. Hier scheint jemand die „Gymnastik“ rigoros abgekürzt und das moderne kleingeschriebene „e“ vorangestellt zu haben. Doch auch dieser Name passt gut zum Konzept, denn es sind tatsächlich elektronisch gesteuerte Trainingsgeräte. Hier werden keine echten Gewichte bewegt. Statt dessen wird der Gegendruck von einem Elektromotor mit Hydraulik genau in dem Maße aufgebaut, wie es meine Trainingseinstellungen erfordern.

Anmeldung am eGym-Gerät

Anmeldung am eGym-Gerät

Die Geräte sind natürlich computergesteuert. Über einen Touch-Screen (also ohne Maus und Tastatur) startet oder beendet der Trainierende das Training. Viel mehr muss man nicht machen, alles andere ist bereits festgelegt.

Während der Einweisung werden die eGym-Geräte zunächst vom Trainer einzeln auf meine körperlichen Abmessungen eingestellt. Das betrifft z.B. die Sitzhöhe und die Start- und Endposition der Bewegungen. So wird gewährleistet, dass meine Muskeln und Gelenke stets in einem Bereich arbeiten, wo das Training effektiv ist. Die oben bereits angesprochene Kraftmessung liefert dann die Grundlage für die künftige Belastung. Dadurch fordern die Geräte mir immer genau die Kraftmenge ab, die meiner aktuellen Leistungsfähigkeit entspricht. Damit die eGym-Geräte mich erkennen, trage ich einen kleinen Chip (RFID-Tag) an einem Band um den Hals. Vor Beginn einer Übung halte ich diesen kurz an den Monitor, wodurch das Gerät mich erkennt und meine speziellen Einstellungen von einem zentralen Computer herunterlädt.

Im Verlaufe jeder Trainingssitzung wird der eGym-Zirkel mehrmals durchlaufen. An jedem Gerät sind pro Durchlauf eine feste Anzahl an Hüben eingestellt. Dabei ist die Reihenfolge der Geräte strikt einzuhalten, was zum Teil organisatorische Gründe hat. Aber auch für die Muskeln ist es wichtig, dass die jeweils gegensätzlichen Muskelgruppen nacheinander trainiert werden. So folgen zum Beispiel Beinbeuger und Beinstrecker unmittelbar aufeinander, ebenso Ruderzug und Brustpresse. Für den Anfänger in Sachen Krafttraining hat dieser Zirkel gegenüber dem freien Training mehrere Vorteile. Es wird nicht nur die Regelmäßigkeit des Trainings elektronisch dokumentiert, es ist auch die Bewegungsform und der zeitliche Ablauf vorgegeben. So wird gewährleistet, dass der Körper immer im optimalen Trainingsbereich arbeitet und die Gelenke und Bänder nicht durch Fehlhaltung unerwünschten Belastungen ausgesetzt sind.

eGym-TokenBei der Kraftmessung muss ich zunächst so stark wie nur möglich drücken, ziehen, treten und was weiß ich noch alles. Dann wählt der Computer automatisch einen bestimmten Prozentsatz dieses Maximalwertes als Dauerbelastung. Wie hoch dieser ist, ist vom Ziel abhängig. Schneller Muskelaufbau bedeutet hohe Kraft bei wenigen Hüben, das Ziel „allgemeine Fitness“ erfordert dagegen moderaten Krafteinsatz bei vielen Hüben. In meinem Fall liegt der Prozentsatz bei 45, und es werden 20 Hübe bei zwei Durchgängen pro Trainingstag verlangt.

Nach einer Runde mit Erklärungen gibt es dann eine Runde (im Training später sind es zwei) mit echter Belastung, wo noch kleine Korrekturen vorgenommen werden. Nun merke ich schon, dass ich Muskeln habe, denn sie melden sich merklich! Bei diesem Durchgang fällt auch auf, dass meine Bänderdehnung im linken Knie, die ich mir als Jugendlicher beim Judo zugezogen hatte, immer noch Probleme verursacht. Was im täglichen Leben längst vergessen schien, bringt der eGym-Zirkel plötzlich wieder an’s Tageslicht. Gerade deswegen ist auch die persönliche Betreuung so wichtig, damit ich nicht aus falsch verstandener Eitelkeit über das Ziel hinaus schieße. Für den Beinstrecker bedeutet das, dass die Krafteinstellung drastisch reduziert wird, damit sich Gelenk und Bänder an die Belastung gewöhnen können.

Zum Schluss kommt die Dehnungsphase. Ich glaube nicht, dass ich diese Übungen schon vollständig behalten habe. Aber das ist nicht weiter schlimm, denn es sind immer Trainer anwesend, die eingreifen können, wenn irgendwo Not am Mann ist.

Vorläufiges Fazit

Die Einweisung ist vorüber, einen Grundüberblick habe ich erhalten, und ich weiß auch, auf was ich bei den Übungen grundsätzlich achten muss. Jetzt kommt der anstrengende Teil: Alles umsetzen und vor allem: Bei der Stange bleiben!

Ich werde weiter berichten, wie es mir mit dieser Kombination aus Sport und Ernährungskonzept ergeht.

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