Ausstellungseröffnung im Schloss Wilhelmshöhe »Kunst und Illusion – Das Spiel mit dem Betrachter«

Mechanischer Maikäfer, um 1600

Unbekannter Künstler, Mechanischer Maikäfer, um 1600 Museumslandschaft Hessen Kassel

Die Kunst ist ein Medium der Illusion: So gaukelt die Malerei dem Betrachter auf zweidimensionaler Fläche eine dreidimensionale Realität vor. Die Sonderausstellung der Gemäldegalerie Alte Meister im Schloss Wilhelmshöhe widmet sich den vielfältigen Erscheinungsformen und Entwicklungen von Illusionskunst. Aus den reichen Beständen  der Museumslandschaft Hessen Kassel sind dabei neben Gemälden und Graphiken auch Kunsthandwerk, Möbel und optische Geräte zu sehen. In vier Ausstellungskapiteln werden prominente Arbeiten von Rembrandt, Jan Gossaert oder Sibylla Merian und auch selten gezeigte sowie eigens restaurierte Werke präsentiert.

 

 

Die Vortäuschung von Raum und Perspektive, Gegenständen oder Materialien als eigentliches Thema der Darstellung ist seit der Antike eine zentrale Aufgabe  in Kunst und Kunsttheorie. Der Unterhaltung des Betrachters durch Verblüffendes und Kurioses liegt dabei stets die tiefere Frage nach dem Verhältnis von Schein und Sein zugrunde. Die illusionistische Aneignung der sichtbaren Welt erforderte die exakte Imitation von Objekten, nicht nur in Größe und Form, sondern auch in der Materialität. Die Wiedergabe von Gegenständen des Alltags und anderer Lebensbereiche steht in der Ausstellung neben Arbeiten, in denen die Materialien der Objekte selbst zum Thema der Darstellung werden. Auch der Wettstreit um den Vorrang unter den künstlerischen Gattungen spielt hierbei eine wichtige Rolle: Dies zeigt sich ebenso in der  malerischen Wiedergabe von Graphiken wie auch bei der Nachahmung von Skulptur in der sogenannten »Grisaille«-Technik (einer monochromen Malerei in Grautönen).

 

Johann Wilhelm Kirchner, Porträtkopf Landgraf Friedrichs II. von Hessen-Kassel, um 1786 Museumslandschaft Hessen Kassel

Johann Wilhelm Kirchner,
Porträtkopf Landgraf Friedrichs II.
von Hessen-Kassel, um 1786
Museumslandschaft Hessen Kassel

Eng verbunden mit dem Aspekt der Materialität ist die Verwechslung mit dem Naturvorbild sowie dessen Nachahmung. In Gestalt von Objekten aus Porzellan, Stein und Gips werden spielerisch Flora und Fauna imitiert, gemalte Stillleben demonstrieren die Überwindung der vergänglichen Natur durch die Kunst. Ebenfalls zentral für den Effekt der Illusion ist die Imitation von Raum und Perspektive: Architektur im Bild eröffnet dem Betrachter neue fiktive Orte, während andere Darstellungen zugleich in den Raum des Betrachters vorzudringen scheinen. Das Motiv des Vorhangs kreiert dabei in besonderer Weise einen Raum im Raum, der mit seinem Spiel aus Verbergen und Enthüllen die Neugierde des Betrachters anspricht.

 

Der Sammelleidenschaft der hessischen Landgrafen ist es zu verdanken, dass Besucher von Schloss Wilhelmshöhe ab Juli anhand  unterschiedlichster Objekte aus insgesamt sieben verschiedenen Sammlungen der Museumslandschaft Hessen Kassel die vielfältigen Facetten von Illusion und Augentäuschung in der Kunst  auf anschauliche Weise erleben können.

 

 

 

 

Unbekannter Künstler, Ein Mann verrichtet seine Notdurft (Zylinderspiegel-Anamorphose), um 1700–1750 Museumslandschaft Hessen Kassel

Unbekannter Künstler, Ein Mann
verrichtet seine Notdurft
(Zylinderspiegel-Anamorphose),
um 1700–1750
Museumslandschaft Hessen Kassel

Kunst und Illusion – Das Spiel mit dem Betrachter

  1. Juli bis 30. Oktober 2016

Museumslandschaft Hessen Kassel

Schloss Wilhelmshöhe/Gemäldegalerie Alte Meister

Schlosspark1

34131 Kassel

Di–So und Feiertage 10–17 Uhr / Mi 10–20 Uhr

www.museum-kassel.de

 

 

PM Museumslandschaft Kassel

(CB)

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