Interview mit einem Zeitreisenden



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RotbartsagaWenn das Buch „Die Rotbartsaga, das Vermächtnis des Kapitäns Carl Carlszoon“ im September 2014 erscheint, dann ist das nicht nur eine Geschichte über einen legendären Schiffskater aus dem 17. Jahrhundert, sondern auch ein ganz besonderes Buchprojekt. Im Gegensatz zu seinem im Berliner Vergangenheitsverlag erschienenen Publikationen aus der Reihe Kleine Kulturgeschichten, wird Wolfgang Schwerdt die Rotbartsaga nämlich bewusst ohne Verlag veröffentlichen. Das, so der Autor, eröffnet ihm speziell bei diesem Projekt eine Reihe interessanter neuer Möglichkeiten.

NHR: Herr Schwerdt, Sie haben immerhin drei Bücher im Berliner Vergangenheitsverlag publiziert und sich nun entschieden, ihr mit insgesamt sechs geplanten Bänden größtes Buchprojekt, die Rotbartsaga, ohne Verlag zu veröffentlichen. Ist das nicht ziemlich gewagt? Ist nicht jeder Autor bestrebt, einen Verlag zu haben?

Wolfgang Schwerdt: Keineswegs, ich habe ja auch schon vorher E-Books und Taschenbücher ohne Verlag herausgegeben und konnte feststellen, dass es im Einzelfall zumindest finanziell durchaus interessanter als eine Verlagsveröffentlichung sein kann. Die Frage, wie publiziert man, ist für einen Autor bei den vielen Möglichkeiten, die ihm heute offen stehen, recht komplex. Das kann — wie im Falle der kleinen Kulturgeschichten — mit einem Verlag wunderbar funktionieren, das kann aber auch — entsprechende Erfahrungen und Fähigkeiten des Autors vorausgesetzt — im sogenannten Selfpublishing ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Beim Projekt Rotbartsaga ist genau das der Fall.

NHR: Was macht denn das Rotbartsaga-Projekt in diesem Zusammenhang für Sie zu etwas Besonderem?

Wolfgang Schwerdt: (lacht) Na ich hoffe natürlich nicht nur für mich. Mal abgesehen davon, dass natürlich die Geschichte des legendären Schiffskaters einzigartig ist, die Einbeziehung der Leser und der Region ist so wie ich es betreibe schon etwas ungewöhnlich und ist sowohl Teil der Geschichte selbst als auch der Finanzierung des Projektes. Denn Selfpublishing bedeutet natürlich, dass ich nun als Autor in Vorlage gehen muss. Da gibt es das Lektorat und das Korrektorat, den Satz und die Erstellung der Druckvorlagen, nicht zuletzt natürlich auch den Druck selbst. Und das Rühren der Werbetrommel ist natürlich auch nicht ganz ohne, aber gerade hier ergeben sich aus den Notwendigkeiten ganz spannende Möglichkeiten.

NHR: Sie meinen das, was Sie unter dem Stichwort Rotbartsaga-Musterrolle veranstaltet haben, also die Aufnahme realer Katzen und Hunde mit Bild und eigener Schiffskatzenvita in das Buch gegen eine Spende?

Wolfgang Schwerdt: Ja, das ist eine der Möglichkeiten. So finden sich in dem im September erscheinenden Buch immerhin dreißig vierbeinige Mitreisende, von denen einige sogar schon mit eigenen Abenteuern und Illustrationen direkt in die Saga eingebunden sind. Dabei geht es übrigens nicht nur um das Spenden. Beinahe wichtiger ist der sogenannte Multiplikatoreneffekt, also die Tatsache, dass jeder, der mit seinem vierbeinigen Liebling im Buch vertreten ist, das in seinem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis auch weiterverbreitet. Das ist ganz wichtig zur Erhöhung des Bekanntheitsgrades und damit natürlich der Verkaufszahlen. Aber die Einbeziehung der Leser hat nicht nur finanzielle Hintergründe. So manches der spannenden Schiffskatzenabenteuer der Rotbartsaga wäre so nicht entstanden, wenn mir die „Sponsorkatzen“ nicht auch sehr anregende Charaktere für meine Protagonisten liefern würden. Ich denke da nur an einen gewissen Max Schneider — übrigens aus Kassel — der als Roi de Merguez (Wurstkönig) ganz besondere Fähigkeiten bei der Nahrungsbeschaffung an Bord entwickelt.

NHR: Apropos Kassel, Sie haben in die Saga, die ja mit der Karibik, Ostasien oder Südfafrika eigentlich an den exotischsten Orten der Welt spielt, auch einen sehr engen Bezug zur Nordhessischen Region eingebaut. Wie funktioniert denn das und warum eigentlich?

Wolfgang Schwerdt: (grinst) Wer sagt denn, dass Nordhessen nicht exotisch ist, zumindest für einen Zugereisten wie mich. Aber im Ernst, die globalen Handelsbeziehungen aber auch die Konflikte der europäischen Großmächte des 17. Jahrhunderts — bei denen es unter anderem um die Herrschaft über die Weltmeere und überseeische Kolonien ging — haben um Hessen-Kassel natürlich keinen Bogen gemacht. Und beispielsweise Wanfried oder Münden spielten da durchaus eine nicht ganz unerhebliche Rolle, zumindest was den Handel betraf. Bei genauerer Betrachtung der Geschichte finden sich recht bedeutende Namen wie Uckermann oder Mercer, Lucae oder Charlotte Amalie in der Region, die ich zu meiner Wahlheimat gemacht habe. Und so bietet es sich geradezu an, in der Region um Werra, Fulda und Weser den Anfang, die Entdeckung der Rotbartsaga anzusiedeln. Das muss gar nicht mühsam konstruiert werden.

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NHR: Sie haben mit der Gästeführerzunft Wanfried ja auch einen Anzeigenkunden für Ihr Buch gewonnen. Wieder so eine publizistische Vielseitigkeitsübung?

Wolfgang Schwerdt: Ja klar. Zunächst einmal ist da der Aspekt der materiellen Unterstützung, das ist keine Frage. Aber es geht nicht nur um Anzeige gegen cash, sondern es geht um Textanzeigen im Buch, die für alle Beteiligten einen echten Nutzen und übrigens auch einen Bezug zum Buchinhalt haben. In Wanfried beispielsweise gibt es eine sehr rührige und aufgeschlossene Gästeführerzunft, die Besucher der Stadt sehr kompetent und unterhaltsam in die Vergangenheit reisen lässt. Etwas sehr ähnliches mache ich mit meiner Rotbartsaga und in Bezug auf Wanfried mit dem Rotbartsohn Rabauke und dem Bruder meines menschlichen Protagonisten, Piet Carlszoon. Die liefern bereits jetzt im Buch Geschichten, die — mit praktischer Unterstützung der Gästeführer — an realen Orten in Wanfried spielen und die, gemeinsam noch ein wenig weiterentwickelt, Teil des historischen Stadtmarketing und im Rahmen von Veranstaltungen beispielsweise unter Einbeziehung der Gastronomie werbewirksam verwendet werden können. Und da der Flusskater Rabauke (und der eine oder andere seiner Kollegen) viel auf Werra, Fulda und auch Weser herum gekommen sind, bieten sich solche Kooperationen für viele Orte der Region aber auch Gasthäuser (ich denke da nur an das Ausflugslokal mit dem bezeichnenden Namen „Graue Katze, Roter Kater“) und nicht zuletzt vielleicht sogar Tourismusorganisationen und Reiseveranstalter an. Na ja, dass sich darüber vielleicht auch mein Buch verkauft, soll natürlich kein Hinderungsgrund für eine Zusammenarbeit sein.

NHR: Wenn ich das richtig verstanden habe, ist ziemlich bald Anzeigenschluss. Hat sich die Einbeziehung regionaler Initiativen, Geschäfte oder Institutionen in das Buchprojekt damit erledigt?

Wolfgang Schwerdt: Natürlich nicht. Es gibt ja noch den Rotbartsaga-Blog, auf dem ebenfalls Textanzeigen in Form von Posts — mit entsprechender Verbreitung in den sozialen Netzwerken — geschaltet werden können. Hier ist sogar die ständige Weiterentwicklung der Geschichten für den jeweiligen Anzeigenkunden — eigentlich eher Kooperationspartner — möglich. Ich möchte hier nicht alle Möglichkeiten der Zusammenarbeit auflisten, dafür habe ich ja die entsprechenden Seiten auf dem Rotbartsaga-Blog. Und dann wird es ja noch fünf weitere Bände geben, jeder mit seinem speziellen regionalen Schwerpunkt. Da ist noch viel Kooperationspotenzial drin.

NHR: Herr Schwerdt, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 



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