Verlegte Kunst



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Federzeichnung „Deutsche Märchenstraße“ (Foto: Jürgen Preuß)

Federzeichnung „Deutsche Märchenstraße“ (Foto: Jürgen Preuß)

Teppichmosaike von Josef Mertin – Ausstellung in der Synagoge

Gudensberg. Unter dem Titel „Verlegte Kunst“ eröffnet die Stadt Gudensberg am Freitag, den 19. März 2016, im Kulturhaus Synagoge eine Ausstellung mit Werken des früheren Dissener Ortsvorstehers, Heimatforschers und Künstlers Josef Mertin (1919-1995). Gezeigt werden Teppichmosaikarbeiten über die Märchen- und Sagenwelt der Brüder Grimm und der „Deutschen Märchenstraße“ sowie Ansichten von Orten aus der „Grimm-Heimat Nordhessen“. Zur Einführung erläutert und würdigt der heimatgeschichtlich engagierte Gudensberger Jürgen Preuß das Leben und Wirken sowie das künstlerische Gesamtwerk des bemerkenswerten Menschen Josef Mertin mit einem Powerpoint-Vortrag.

Josef Mertin, wer war das?

Josef Mertin wurde 1919 im Sudetenland geboren und besuchte dort Volks-, Bürger- und Gewerbeschule. Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft traf er erst 1948 seine aus dem Sudetenland vertriebene Frau und Tochter in ihrer neuen Heimat, in Dissen, wieder.

In Dissen engagierte sich Josef Mertin in Vereinen und Verbänden in vielfältiger Weise ehrenamtlich, gemeinnützig und karitativ. Er gründete 1973 den Heimatverein, war erst Vorsitzender, später Ehrenvorsitzender. Von 1972 bis 1977 war er Ortsvorsteher von Dissen. 1978 wurde Josef Mertin für seine Verdienste um Bürgerschaft und Gemeinde, insbesondere um die Heimatvertriebenen, mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet.

Unter zahlreichen heimatgeschichtlichen Schriften hat Josef Mertin 1982 die Sammlung heimischer Sagen, „Der Berg der Blauen Blume“, zur Unterstützung der Aktion „Aussichtsturm Odenberg“ herausgegeben und für das 925-jährige Dorfjubiläum 1985 eine umfangreiche Dorfchronik verfasst.

Schon in der Schulzeit ein Künstler

Schon seit seiner Schulzeit hat sich Josef Mertin voller Begeisterung mit Zeichnen und Malerei in Öl und Aquarell beschäftigt. Später kamen Arbeiten mit Papier, Pappe, Holz und Ton hinzu. In den 1960er Jahren suchte er nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen mit Materialien der Gegenwart. Die Technik von Mosaikbildern aus Teppichböden entwickelte er im Laufe der Jahre zur Perfektion.

Nach Motiven aus dem religiösen Bereich und der Natur wendete sich „JM“, wie er seine Arbeiten signierte, der Welt der Volkslieder, Legenden, Sagen und Märchen der Brüder Grimm zu und entdeckte auch in Stadtansichten entlang der Deutschen Märchenstraße und in Nordhessen unzählige, märchenhafte Motive.

Teppichmosaik „Der Gestiefelte Kater“ (Foto: Jürgen Preuß)

Teppichmosaik „Der Gestiefelte Kater“ (Foto: Jürgen Preuß)

Glücks-Königreich Japan – ein besonderer Lebensabschnitt

Seit 1962 konnten sich bei über 70 Ausstellungen tausende von Menschen in Nordhessen, an der deutschen Märchenstraße und schließlich als Höhepunkt seines Lebens von 1989 bis 1993 in Japan erfreuen. Dort hatte der japanische Bauunternehmer, Atsuo Nishi, bei der Stadt Obihiro auf der Nordjapanischen Insel Hokkaido einen Themenpark mit Gebäuden, Fachwerkhäusern und Denkmälern von der Deutschen Märchenstraße und Lebensstationen der Brüder Grimm originalgetreu nachbauen lassen, ein typisch deutsches „Glücks-Königreich“. Die fachliche Beratung bei der Realisierung eines deutschen Marktplatz-Ensembles lag in den Händen der Arbeitsgemeinschaft „Deutsche Märchenstraße“, die Planung und bauliche Durchführung betreuten die Architekten Guntram Rother aus Kassel und Karl-Hermann Schwabe aus Gudensberg.

Im „Glücks-Königreich“ standen als Kopien: das Rathaus der Grimmschen Geburtsstadt Hanau mit ihrem Bronzedenkmal, das Grimm-Haus ihrer Jugend in Steinau, das Maximilians-Palais und einige Fachwerkhäuser aus dem Hauptort ihres Schaffens, aus dem alten Kassel, sowie der Göttinger Gänseliesel-Brunnen, das Rödertor aus Rothenburg/T., die Bremer Stadtmusikanten mit dem Roland und als Höhepunkt das Bückeburger Schloss als Nobelhotel.

Im „Glücks-Königreich“ wurde auch durch deutsche Volkstanz- und Musikgruppen sowie gastronomische und künstlerische Aktionen für eine typisch deutsche Atmosphäre gesorgt. Dazu gehörten auch mehrere Ausstellungen von Teppichmosaiken, Aquarellen und Zeichnungen des „JM“, der mehrfach nach Japan reiste und dazu die japanische Sprache und Schrift lernte. Dadurch entwickelten sich viele Freundschaften, und Josef Mertin wurde für unzählige, begeisterte Besucher des „Glücks-Königreichs“ mit seiner Kunst zu einem anerkannten „Botschafter der Freude“.

Der Freizeitpark wurde auf Grund schlechter Wirtschaftslage und rückläufiger Besucherzahlen 2003 stillgelegt.

Sagen-Wanderweg

Die Erinnerung an Josef Mertins vielseitiges, ehrenamtliches Engagement wurde 2011 mit der Eröffnung des nach ihm benannten Sagen-Wanderweges wach gehalten, und die jetzige Ausstellung mit „verlegter“ Teppichkunst von Märchen- und Sagen-Motiven, soll nun sein künstlerisches Lebenswerk im Kulturhaus Synagoge angemessen würdigen.

Einladung zur Ausstellungseröffnung

Eröffnung der Ausstellung mit Einführungsvortrag ist am Samstag, 19.03.2016, um 19:30 Uhr im Gudensberger Kulturhaus Synagoge, Hintergasse 23.

Öffnungszeiten: Mo. – Do. an Schul- und Sonntagen jeweils von 14 bis 17 Uhr bis zum 01. Mai 2016. Der Einführungsvortrag wird am Sonntag, 17. April 2016, um 16 Uhr wiederholt. Der Eintritt ist frei. (pm|rs)



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