Die Sensation lag in der Luft: MT und Flensburg-Handewitt trennen sich remis



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DSC_0313.jpgkleinUm ein Haar hätte die MT Melsungen den amtierenden Champions League-Titelträger und Bundesliga-Dritten SG Flensburg-Handewitt am Boden gehabt. Doch nach dem 22:22 (12:10)-Unentschieden vor 4.300 Zuschauern in der restlos ausverkauften Kasseler Rothenbach-Halle durfte sie sich angesichts ihres herausragenden Auftrittes an diesem Abend dennoch wie der Sieger fühlen. Zwar lagen die Bartenwetzer über fast die gesamte Spielzeit vorn, gerieten aber ausgerechnet kurz vor dem Ende erstmals in Rückstand. Ließen sich dadurch jedoch nicht aus der Bahn werfen und machten den Teilerfolg perfekt. Marino Maric (5) und Johannes Sellin (5/2) trafen für die MT am häufigsten, bei Flensburg ragte Lasse Svan (6) als Torschütze heraus.

Die MT mit Ballbesitz vom Anwurf tat sich schwer gegen das offensiv agierende Flensburger 6:0-Bollwerk, in dem Neuzugang Albin Tingsvall sofort seinen Platz hatte. Patrik Fahlgren scheiterte am blitzschnell abtauchenden Mattias Anderssun, Momir Rnic visierte ein wenig zu genau und traf nur den Pfosten. Das gleiche Schicksal, das im Gegenzug auch Lasse Svan ereilte sowie Lars Kaufmann, dessen Wurf von der Latte ins Aus sprang. Mehr als fünf Minuten waren vergangen, bis Philipp Müller den Bann brach und über den ersten Treffer des Abends jubeln durfte. Schneller ging es dann bei Thomas Mogensen, der den Ausgleich machte (6.)

Zwar geriet jeder MT-Angriff zu harter Knochenarbeit, doch davon einschüchtern ließen sie sich nicht. Bis zum 5:4 (16.) durch eine feine Einzelleistung von Momir Rnic legten die Gastgeber jeweils einen Treffer vor, den die Gäste beantworteten. Nicht ohne spielerische Unterbrechungen jedoch. Für die neben den beiden Schlussmännern Andersson und Mikael Appelgren und den auf beiden Seiten konsequent durchgreifenden Referees zwei extrem starke Abwehrreihen sorgten. Erfolge waren dadurch zwar Mangelware, nicht aber packende Szenen vor beiden Toren. So dauerte es bis zur 20. Spielminute, ehe die Halle beim 6:4 durch Marino Maric erstmals richtig bebte. Noch mehr, als der gleiche Spieler gleich darauf auch das 7:4 erzielte. Und damit Gästetrainer Ljubomir Vranjes zur Auszeit zwang.DSC_0377klein

Dennoch blieb Melsungens Kreisläufer zunächst die bestimmende Figur auf dem Parkett. Erst bediente er mustergültig Sellin auf dem rechten Flügel vor dessen 8:5, das 9:6 machte er dann auf Zuspiel von Momir Rnic wieder selbst. Doch auch sein Gegenpart auf Flensburger Seite, Anders Zachariassen, stand dem nicht nach. Von allen unbemerkt stahl er sich zentral frei und kam auf Vorarbeit des schon prima integrierten Albin Tingsvall so frei zum Abschluss wie selten ein Kreisspieler. An handballerischen Leckerbissen war die hart umkämpfte Partie also keineswegs frei. Sellin machte mit seinem zweiten Gegenstoßtor sogar die Vier-Tore-Führung perfekt (12:8, 28.), bevor die erste Zeitstrafe der Begegnung gegen Felix Danner den Norddeutschen den nötigen Raum bescherte, um in Überzahl zum Pausenstand zu verkürzen.

Was die MT direkt nach dem Wiederbeginn sofort korrigierte. Mikael Appelgren lenkte den versuchten Dreher von Anders Eggert um den Pfosten, Johannes Sellin verwandelte den an Felix Danner verschuldeten Siebenmeter. Noch einmal glänzte Appelgren, dann stellte Michael Allendorf den alten Abstand wieder her (14:10, 33.). Was jedoch einmal mehr nicht von langer Dauer sein sollte. Nächste Zeitstrafe gegen Sellin, nächster Doppelschlag der SG durch das erste Tor von Neuzugang Albin Tingsvall und Lasse Svan über Linksaußen. Die Flensburger waren erneut dran.

Hatten sich die Nordhessen in dieser Saison nach der Pause des Öfteren schon spielerische Auszeiten genommen und so vermeintlich sichere Führungen aus der Hand gegeben, zogen sie ihr Spiel gegen den Tabellen-Dritten konsequent durch. Sahen sich allerdings in der 40. Spielminute plötzlich einer doppelten Überzahl der SG gegenüber. Erst hatte Rnic nach einem vermeintlichen Foul eine Strafe kassiert, anschließend die Melsunger Bank noch zwei Minuten obendrauf, die Christian Hildebrand stellvertretend absass. Doch mehr als einen Gegentreffer, erneut durch Tingsvall, mussten sie nicht hinnehmen (17:15, 41.).

Die Abwehrreihen übernahmen wieder das Kommando wie schon zu Beginn der Partie. So mancher Zwei- wurde zum Ringkampf am beiden Torräumen. Geblockte Bälle wurden ebenso stürmisch gefeiert wie Tore, die begeisterten Zuschauer spendeten Beifall auf offener Szene und erhoben sich mehrfach von ihren Plätzen. Und wieder war zwischendurch immer Zeit für die hohe Kunst des Handballs. Michael Müller’s Pass hinter dem Rücken auf Felix Danner am Kreis blieb nur durch die blitzschnelle Reaktion von Mattias Andersson folgenlos. Der nächste Zauberpass des Rückraum-Rechten im rot-weißen Trikot auf Marino Maric dagegen führte zum Ziel: 19:17 (47.). Auch der nächste Erfolg des Kroaten war zum Zungeschnalzen: Doppelpass mit Patrik Fahlgren bei angezeigtem passivem Spiel – die Nordhessen waren wieder mit dreien vorn.

Ein Doppelschlag von Anders Zachariassen brachte Flensburg wieder auf Tuchfühlung. Und nach einem der wenigen Fehlpässe von Michael Müller an den Kreis gelang Drasko Nenadic der erste Ausgleich nach dem 4:4. Sechs Minuten vor dem Ende begann alles wieder bei Null. Rnic traf ebenso wie Tingsvall, es blieb der Ritt auf der Rasierklinge. Dann jedoch scheiterte Michael Müller an Mattias Andersson, Vier Zeigerumdrehungen vor Ultimo schien sich das Blatt doch noch zu wenden, nachdem die MT Melsungen das Spiel bis dahin im Griff hatte, Das richtige Szenario für Mikael Appelgren, der mit seiner Glanzparade gegen Nenadic den Vorteil zurückholte. Und dennoch nur Sekunden später machtlos war beim ersten Führungstreffer der SG an diesem Abend. Rnic war auf Zachariassen aufgelaufen, die Schiedsrichter hatten das als Stürmerfoul gesehen. Den daraus resultierenden Tempogegenstoß ließ sich Lasse Svan nicht entgehen: 21:22 (58.).

Mit der letzten Auszeit nahm MT-Trainer Michael Roth noch einmal eine Verschnaufpause, um die letzten Angriffsbemühungen zu koordinieren. Mit Erfolg, denn der frei gespielte Michael Allendorf netzte vom linken Flügel ins lange obere Eck zum Ausgleich. Dreißig Sekunden vor dem Abpfiff gingen die Arme der Schiedsrichter hoch, um passives Spiel anzuzeigen, fünfzehn Sekunden vor dem Ende pfiffen sie Flensburgs vergebliche Versuche, die rot-weiße Mauer zu durchbrechen, ab. Doch zu einem abschließenden Wurf kam es auch für die MT nicht mehr, weil sich jeder Flensburger einen Melsunger zur Umklammerung suchte und nicht mehr losließ. So glichen die verbleibenden Momente eher Ringkämpfen denn Handball, aber die Uhr wurde deshalb nicht mehr gestoppt. Was dem Spitzenspiel vor ausverkauftem Haus zwar ein leistungsgerechtes Unentschieden bescherte, die wackeren Nordhessen jedoch als moralische Sieger gegen den Champions League-Gewinner und heißen Meisterschaftsanwärter Flensburg vor Feld gehen ließ.bDSC_0189

Stimmen zum Spiel

Michael Roth: In erster Linie war das heute ein ganz hart umkämpftes Spiel, an dem die Torhüter und Abwehrreihen den größten Anteil hatten. Wir haben fast die ganze Zeit geführt, da ist es immer ärgerlich, wenn man am Ende nicht gewinnt. Aber man hat eben auch gesehen, dass einige Spieler in den letzten Begegnungen unheimlich viel Kraft gelassen ahben. Wir müssen auf dem Teppich bleiben, denn wir haben hier immerhin gegen den Champions League-Sieger fantastisch gekämpft. Insofern bin ich mit dem Punkt zufrieden. Schade, dass wir jetzt nicht richtig Weihnachten feiern können, sondern schon den nächsten Gegner im Kopf haben. Wir hoffen natürlich, unsere Serie der ungeschlagenen Spiele in Lemgo fortsetzen zu können. Es wäre klasse, auf dem fünften oder sechsten Platz zu überwintern. Und die Stimmung heute hier in der komplett vollen Halle war Spitzenklasse, so wünsche ich mir das viel öfter.

Ljubomir Vranjes: Ich muss sagen, dass ich mit der Leistung meiner Mannschaft zufrieden bin. Normal bin ich das nicht. Aber heute kommen wir her, kämpfen – darf man das sagen? – wie die Schweine und nehmen hier tatsächlich einen Punkt mit. Da muss man einen riesigen Respekt vor dem Team haben. Vor allem mit der Leistung von Torhüter und Abwehr bin ich zufrieden. Im Angriff hatten wir zu viele Fehler. Aber man muss auch sehen, dass wir mit Albin Tingsvall einen Spieler dabei hatten, der erst einmal mit der Mannschaft trainiert hat und heute fast 60 Minuten auf der Platte stand.

Statistik

MT Melsungen: Appelgren (13 P. / 22 G.), Sandström (n. e.); Maric (5), Sellin (5/2), Fahlgren, Schröder, Hildebrand, Danner (2), P. Müller (1), Boomhouwer, Rnic (3), Allendorf (3/1), Vuckovic, M. Müller (3)

SG Flensburg-H.: Andersson (12 P. / 22 G.), Møller (n. e.); Karlsson, Machulla, Nenadic (2), Eggert (1/1), Mogensen (3), Svan (6), Tingsvall (3), Wanne, Kaufmann (2), Heinl, Zachariasson (5), Radivojevic

Schiedsrichter: Holger Fleisch (Nellingen) / Jürgen Rieber (Nürtingen)

Zeitstrafen: 8 – 6 (Danner 27:18, Sellin 32:57, Rnic 39:18, Hildebrand 39:36 – Nenadic 28:08, Tingsvall 35:14 45:09).

Strafwürfe: 4/3 – 1/1 (Michael Allendorf wirft neben das Tor, 17:50 Min.).

Zuschauer: 4.300 in der Rothenbach-Halle, Kassel (ausverkauft).

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Die nächsten Spiele:

Freitag, 26.12.2014, 17.15 Uhr: TBV Lemgo – MT Melsungen, Lipperland-Halle, Lemgo
Mittwoch, 11.02.2015, 20.15 Uhr: MT Melsungen – THW Kiel, Rothenbach-Halle Kassel

Info: MT  Fotos: M.Kittner



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