MT ringt Tabellenführer sensationell einen Punkt ab

Was für ein mitreißendes Duell! Nach 60 Minuten Vollgas auf beiden Seiten und Hochspannung von Anfang bis Ende trennten sich die MT Melsungen und die SG Flensburg-Handewitt vollkommen leistungsgerecht 24:24 (11:12). Vor 4.300 Zuschauern in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kasseler Rothenbach-Halle konnte sich keine Mannschaft einen Vorteil erarbeiten und zu keinem Zeitpunkt mit mehr als zwei Treffern in Führung gehen. Mit Momir Rnic, Michael Allendorf und Michael Müller waren gleich drei MT-Akteure fünfmal erfolgreich, Thomas Mogensen von der SG Flensburg-Handewitt traf sechs Mal.

Mit einer sehr offensiv ausgerichteten Abwehrvariante versuchten die Gastgeber dem Tabellenführer zu begegnen. Michael Allendorf suchte die Nähe von Holger Glandorf, Marino Maric rückte zentral zwei Schritte gegen  Rasmus Lauge Schmidt nach vorn. Zunächst ohne Wirkung, weil SG-Spielmacher Thomas Mogensen, dem dieses taktische Mittel eigentlich gelten sollte, über die linke Halbposition auswich und auf diesem Umweg gleich zweimal zum Erfolg kam. Nach fünf Minuten stand es 2:3.

Mit etwas Verspätung griff die Maßnahme doch, Melsungen fand über die nun stark gespielte Abwehr besser ins Spiel. Nach dem zwischenzeitlichen 2:4 durch Rasmus Lauge Schmidt war erst einmal Sendepause für den Nordexpress. Selbst eine Unterzahlsituation wurde nicht nur überstanden, sondern durch Johannes Sellin zum Anschluss genutzt. Timm Schneider und Michael Müller drehten den Spieß um, Philipp Müller legte zum 6:4 nach – Auszeit Flensburg nach mittlerweile neun Minuten ohne Torerfolg (15.).

.Erst die zweite Überzahl verhalf der SG zum fünften Treffer durch Anders Eggert, der auch den Ausgleich besorgte. Dazwischen lag ein von Sellin an die Latte gesetzter Siebenmeter. Geholt durch Marino Maric, weil das Kreisspiel prima funktionierte. Nutzen zog die MT jedoch nicht daraus, weil die nächste Aktion des Serben ebenfalls unfair gestoppt wurde, der Pfiff der Unparteiischen jedoch ausblieb. Dafür gab es auf der anderen Seite zur allgemeinen Überraschung Siebenmeter, den Eggert mit seinem dritten Volltreffer am Stück zur erneuten Führung der Gäste verwandelte (6:7, 19.).

Sellin und Michael Müller mit einem seiner ansatzlosen Schlagwürfe und Michael Allendorf per Strafwurf holten den Vorteil zurück, Flensburg glich aus. Spannung war reichlich geboten im voll besetzten Rund. Die übertrug sich auf die Akteure, es wurde hektisch und nicklig. Thomas Mogensen zog sich den Unmut des Publikums zu und bekam reichlich Pfiffe bei jeder Ballberührung. Was ihn nicht daran hinderte, seine Mannschaft kurz vor der Pause mit zwei Toren nach vorn zu werfen. Michael Müller verkürzte praktisch mit der Halbzeitsirene.

Den zweiten Durchgang begannen beide Teams mit je einem Spieler weniger auf der Bank. Sowohl Anders Eggert als auch Marino Maric hatte sich in den ersten 30 Minuten eine Verletzung zugezogen. Nominell ein Nachteil für Melsungen, weil Felix Danner ohnehin mit einer Blessur ins Spiel gegangen war und fast die komplette Verantwortung in der Nahkampfzone nun beim Youngster Johannes Golla lag, der auch im Innenblock der Verteidigung Schwerstarbeit verrichten musste. Und das mit Bravour erledigte. Der Tabellenführer tat sich extrem schwer, das Bollwerk der Nordhessen zu überwinden. Es brauchte schon einen Tempogegenstoß von Bogdan Radivojevic, um erfolgreich zu sein (12:14, 37.).

An Intensität legte die Begegnung auch weiter zu und bewegte sich zeitweise hart am Rande der Fairness. Woran die Unparteiischen nicht ohne Schuld waren, die in einigen Situationen die klare Linie vermissen ließen und mit ihren Entscheidungen daneben lagen. Die Spieler behielten aber die Nerven, zeigten einen mitreißenden Kampf und sehenswerte Tore. So Michael Müller auf Kempa-Zuspiel seines Bruders Philipp zum 15:15, als auch Johannes Golla herrlich freigespielt am Kreis zum 16:16, den Sellin einmal mehr den Ausgleich folgen ließ (47.).

Durch Momir Rnic legte Melsungen elf Minuten vor dem Ende erstmals wieder einen vor, nach Michael Müllers 20:19 ersetzte Kevin Möller den nicht überzeugenden Mattias Andersson im Gästetor. Ganz anders sein Gegenpart Johan Sjöstrand. Der fischte einen Ball nach dem anderen, blieb nach Kentin Mahé zuvor auch gegen Rasmus Lauge Schmidt Sieger im Siebenmeterduell. Und ermöglichte damit Momir Rnic knapp sechs Minuten vor Ultimo sogar das 22:20.

Keine Vorentscheidung, weil Michael Müller eine nicht nachvollziehbare Strafe erhielt, als Torschütze Johan Jakobsson beim 22:21 in ihn hineinlief. Rnic stellte in Unterzahl den alten Abstand wieder her, ehe noch einmal Jakobsson und Heinl die auslaufende Überzahl zum erneuten Gleichstand nutzten. Johannes Sellin netzte unter ohrenbetäubendem Jubel der längst stehenden Fans, Ljubomir Vranjes nahm seine letzte Auszeit. Jakobsson traf zum 24:24, dann war Michael Roth sofort dran mit dem finalen TimeOut 45 Sekunden vor Ultimo. Dass direkt im Anschluss nach nur drei Abspielen bereits passives Spiel angezeigt wurde passte ins Bild des Abends, der Ballverlust war einer mit Ansage der Unparteiischen. Doch Johan Sjöstrand machte mit seiner siebzehnten und letzten Parade gegen den frei zum Wurf kommenden Jakob Heinl den Punktgewinn perfekt.

Stimmen zum Spiel

Michael Roth: Ich denke, das Spiel war hart umkämpft. Wir haben das am Anfang sehr gut gelöst mit unserer versetzten 5:1-Abwehr und dem Gegner den Fluss genommen. Diese Variante haben wir zum Schluss vielleicht ein ganz klein wenig zu spät wieder aufgenommen, aber das kostet natürlich auch sehr viel Kraft. Insgesamt muss ich der Mannschaft ein riesiges Kompliment machen. Mit den ganzen Verletzten haben wir eine dreiviertel Stunde mit einem 19-Jährigen Johannes Golla am Kreis und in der Abwehr gespielt, der seine Sache ausgezeichnet gemacht hat. Den Punkt haben wir uns mehr als verdient, mit etwas Fortune wäre der zweite auch noch drin gewesen. Aber wir sind zufrieden damit. Die Mannschaft hat in den letzten Wochen, auch wenn nicht immer Punkte herauskamen, viel gearbeitet, um aus der Krise herauszukommen. Jetzt werden wir in der Spielpause alles genau analysieren und in 2017 mit ganz anderer Dynamik angreifen. Auch im Europacup haben wir noch viel vor.

Ljubomir Vranjes: Glückwunsch an Melsungen zu dem Punkt. Das war ein Hin und er, ein Kampf über 60 Minuten, falsche und gute Entscheidungen auf beiden Seiten. Ich bin aber wirklich zufrieden, wie wir gespielt haben. Nicht nur heute sondern das gesamte Jahr über. Trotzdem merkt man in der Kabine natürlich dass der Punktverlust die Mannschaft fuchst. Melsungen hat das gut gemacht und sich den Punkt verdient, sie hätten es sogar gewinnen können. Aber ich bin richtig zufrieden, dass wir jetzt am Jahresende ganz offiziell auf Platz eins stehen.

Axel Geerken: Die erste Hälfte 2016 lief phänomenal für uns, dann haben wir einige Schwächen gezeigt. Es war zwischenzeitlich einiges durcheinander geraten, aber wir haben zuletzt gezeigt, dass wir wieder da sind. Wir werden in der Pause analysieren und dann neu angreifen. Ich bin überzeugt, dass wir diese Saison noch zu einem guten ende bringen. Was man anmerken muss: trotz der vielen Enttäuschungen zu Anfang der Saison hatten wir einen sensationellen Zuschauerzuspruch. Meines Wissens liegt der sogar höher als der der letzten, so erfolgreich Saison.

Dirk Schmäschke: Wir hatten ein hervorragendes 2016 und können nur stolz darauf sein. Im Spiel heute haben beide Teams mit hoher Intensität gespielt, so dass das Unentschieden am Ende absolut gerecht war. Wir sind jetzt zum Jahresende tatsächlicher Tabellenführer. Insgesamt war das schon unser 30. Spiel der Serie, und wir haben noch eine sehr intensive Rückrunde in allen drei Wettbewerben vor uns.

Zuschauer: 4.300 in der Rothenbach-Halle, Kassel (ausverkauft).
Die nächsten Spiele:
Mi., 08.02.17, 19:30 Uhr, HSG Wetzlar – MT (Rittal-Arena Wetzlar)
Sa., 11.02.17, 19:00 Uhr, MT – S.L. Benfica (EHF-Cup) (Rothenbach-Halle Kassel)
Mi., 15.02.17, 19:00 Uhr, MT – Balingen-Weilstetten (Rothenbach-Halle Kassel)
© Info: MT-Pressedienst                             Fotos: M.Kittner

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