MT :“Zerrissene Woche” mit ungewissem Ausgang

09.03.2018
Nach einer zerrissenen Trainingswoche, die von zahlreichen verletzungs- und krankheitsbedingten Ausfälle gekennzeichnet war, herrscht bei Handball-Bundesligist MT Melsungen auch am Tag vor dem Spiel gegen GWD Minden noch große Ungewissheit. Wer wird am Samstag gegen die Ostwestfalen – und vor allem, in welcher Verfassung – auflaufen können? Anwurf in der Kasseler Rothenbach-Halle ist um 20:30 Uhr. Es gibt noch Tickets am Spieltag im Vorverkauf an der ab 19:00 Uhr geöffneten Hallenkasse.   

Wenn der Tabellensiebte in eigener Halle den Tabellenzwölften empfängt, ist die Verteilung der Rollen “Favorit” und “Außenseiter” klar. Zumindest auf dem Papier. Doch aufgrund einer durch zahlreiche Ausfälle “zerrissenen Trainingswoche” (Michael Roth), ist die Situation bei weitem nicht mehr so eindeutig.

In Sachen Personalia gibt es bei den Nordhessen zwar in einigen Fällen inzwischen Entwarnung, in anderen aber wiederum nicht. “Unsere derzeitige Situation ist schon ziemlich grotesk, man weiß als Trainer selbst am Tag vor dem Spiel nicht genau, wen man ins Rennen schicken kann und noch weniger, in welcher Verfassung sich die Spieler befinden, die die ganze Woche über nicht trainieren konnten”, verrät Michael Roth. Sein Wunsch, dass diesmal die Fans der Mannschaft besonders helfen müssen, ist deshalb weitaus mehr als eine Floskel.

Wie sieht sie also aus, die Personalsituation der MT? Torhüter Johan Sjöstrand wird auf ärztliche Anweisung hin definitiv nicht spielen, da er seinen schweren grippalen Infekt noch nicht auskuriert hat. Hier wäre dei Gefahr von Folgeschäden nicht absehbar – die Gesundheit des Spielers geht vor. Deshalb soll sein Pendant Nebojsa Simic, der nach seinem Muskelbündelriss eigentlich noch rekonvaleszent ist, am Samstag zumindest auf der Bank sitzen. Ob er eventuell Mathias Lenz und Fabian Meyfarth unterstützen kann, ist sehr fraglich.

Wie fit die ebenfalls unter der Woche von Erkältung geplagten Lasse Mikkelsen und Michael Müller sind, beziehungsweise, wie lange deren Kräfte reichen, wird sich zeigen. Sie haben zumindest das Abschlusstraining mitgemacht. “Wir werden wohl mit Philipp Müller, Timm Schneider und Michael Müller eine frühere Rückraum-Formation wieder aufleben lassen. Die haben ja schließlich drei Jahre Erfahrung in diese Besetzung”, so der MT-Coach augenzwinkernd.

Finn Lemke wird wohl nach einigermaßen überstandener Oberschenkelzerrung in der Abwehr zumindest sporadisch eingesetzt werden können. Gleiches gilt für Johannes Golla, der jedoch nach seinem Umknicken im Kiel-Spiel noch durch einen argv geschwollenen Knöchel gehemmt ist. Auch der lädierte Felix Danner meldetet sich Ende der Woche wieder einsatzbereit.

Glück im Unglück hatte offenbar Arjan Haenen, der aus dem Match an der Förde mit Verdacht auf Muskelfaserriss rausgekommen war. Die starke Einblutung hatte zunächst eine genauere Diagnose verhindert. Der Rechtsaussen kann also trotz der Nachwirkungen von seiner Zerrung spielen. Zurück im Team ist auch sein Positionskollege Tobias Reichmann, der seinen Einsatz an der Ostsee zuletzt aus privaten Gründen absagen musste.

Eine Hiobsbotschaft sorgte indes für besondere Unruhe: Goalgetter Julius Kühn klagte Ende der Woche über Schmerzen in der Wurfarmschulter, die er sich gezerrt hatte. Er konnte den Bal kaum noch aufs Tor bringen. Eine Teilentwarnung gab dann am Freitagabend Mannschaftsarzt Dr. Gerd Rauch nach eingehender Untersuchung: “Ich denke, wir werden Julius soweit wieder hinbekommen, dass er morgen dabei sein kann”. Das würde dann nicht nur der MT-Offensive gut zu Gesicht stehen, sondern auch zu dem im vereinseigenen Hallenmagazin erscheinenden Artikel gut passen. Unter dem Titel “Vor diesem Arm zittern alle Keeper” wird in der Samstagsausgabe ausführlich die Wahl von Julius Kühn zum “HBL-Spieler des Monats” gewürdigt.

Klar, das angesichts derlei Personalproblem der Gegner seine Chance wittert. GWD Minden, das übrigens noch nie in der Rothenbach-Halle gewinnen konnte, hofft auf einen Auswärtscoup: “ „Wir müssen sie läuferisch packen, müssen da mutig auftreten und ihnen das Leben so unangenehm wie möglich machen. Und wenn sie uns dann schlagen sollten, müssen sie sich wenigstens sehr dafür anstrengen“, gibt sich GWD-Coach Frank Carstens auf der Mindener Homepage kämpferisch. Der 46-jährige, der die Ostwestfalen seit Februar 2015 betreut, muss wahrscheinlich aus seiner Stammbesetzung nur auf Spielmacher Dalibor Doder verzichten, der noch an den Nachwirkungen einer Hüftprellung leidet. Mit Kreisläufer Anton Mansson und Torwart Maurice Paske stehen übrigens auch zwei Ex-MT-Cracks im Aufgebot.

Carstens’ Gegenüber auf Melsunger Seite, Michael Roth, will allen Unbilden zum Trotz die Punkte in Kassel behalten. Und notfalls mit diversen besetzungstaktischen Improvisationen den Kontrahenten in Schach halten. Gelingt es, wäre dies für ihn übrigens ein tolles Jubiläumsgeschenk. Denn laut SKY-Statistik steht der 56-jährige vor seinem 500. Einsatz als Bundesligatrainer. Der sportliche Ausgang dieser “zerissenen Woche” bleibt bis dahin ungewiss.
MT-Pressedienst / M.Kittner

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