Verdienter Sieg nach starker zweiter Halbzeit

Ein gelungenes Geburtstagsgeschenk bereiteten die Spieler der MT Melsungen ihrem Trainer Michael Roth. Beim 30:22 (10:11)-Sieg gegen den HBW Balingen-Weilstetten war vor 3.196 Zuschauern in der Kasseler Rothenbach-Halle allerdings ein ganz starken Johan Sjöstrand sowie eine gewaltige Leistungssteigerung nach der Pause nötig, um die kampfstarken Gäste in die Schranken zu weisen. Die Hereinnahme von Fahlgren, Boomhouwer und Schneider führte zu einer Qualitäts- und Temposteigerung, der sich die Schwaben zum Ende hin nicht mehr gewachsen sahen. Erfolgreichste Torschützen waren Johannes Sellin (8/5) für Melsungen sowie Sascha Ilitsch (5) auf Seiten der Balinger.

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Die Verletzungssorgen reißen nicht ab bei den Nordhessen. Nach Marino Maric musste mit Felix Danner auch der zweite etatmäßige Kreisläufer schon vor der Begegnung passen, so dass die Hauptlast in der Nahkampfzone zunächst auf den Schultern von Youngster Johannes Golla ruhte. Der seine Sache prima machte und gemeinsam mit dem immer wieder nach innen ziehenden Michael Allendorf gleich zu Beginn mustergültig Gassen für den Rückraum öffnete. Michael Müller und Nenad Vuckovic, der den Spielmacherpart übernahm, profitierten mit je zwei Treffern zur 5:3-Führung (10.).

In der Deckung stand Melsungen ebenso sicher wie im Europacup gegen Benfica, ließ nur wenig gefährliche Aktionen in Richtung Gehäuse von Sjöstrand zu. Und was dennoch durchkam, wurde oft zur Beute des Schweden, der auch einen Siebenmeter von Yves Kunkel parierte und nach 20 gespielten Minuten bei nur fünf Gegentreffern schon sieben gehaltene Bälle vorzuweisen hatte. Nicht ganz so effektiv arbeitete der Angriff, dennoch reichte es zu einer 8:5-Führung.

Sjöstrand elektrisierte auch weiter die Fans. Mit einer spektakulären Doppelparade gegen Pascal Hens und Matthias Flohr in Unterzahl bereitete er den Weg zu Michael Allendorfs Gegenstoß, dessen Erfolg jedoch Peter Johannesson im Wege stand. Die Torhüter waren im ersten Durchgang zweifellos die überragenden Akteure auf dem Feld. Allein konnte es der MT-Zerberus für seine Farben jedoch auch nicht richten. Weil vorn immer mehr Fehler unterliefen und Balingen das konzentriert nutzte, führten zwei Tore von Jannik Hausmann zum Ausgleich, Martin Strobel erzielte gar die erste Gästeführung (9:10, 27.), die bis zur Pause Bestand hatte.

Nach dem Seitenwechsel brachte Patrik Fahlgren das MT-Spiel ins Laufen. Seine erste Aktion  hatte er allerdings als Passempfänger am Kreis, wo er auf Zuspiel von Michael Müller zum Ausgleich traf. Außerdem kam Jeffrey Boomouwer für den glücklosen Michael Allendorf, und auch er stach sofort als Joker. Machte im Zusammenspiel mit Sellin per Tempogegenstoß erst das zwölfte MT-Tor und traf in Unterzahl gleich noch mit feiner Einzelleistung zum 13:12 (34.).

Das zeigte Wirkung bei den Gästen. Yves Kunkel setzte einen Strafwurf glatt neben den Kasten, auf der Gegenseite traf Sellin vom Punkt. Weil Timm Schneider sich zweimal erfolgreich durchtankte und traf, zogen die Gastgeber sogar auf 16:13 weg (38.). Um kurzzeitig wieder in alte Fehler zu verfallen. Fehlpässe, unvorbereitete Abschlüsse und daraus resultierend Fahrkarten führten Balingen sofort wieder heran. Nach Martin Strobels Anschluss war der erneute Ausgleich drin, doch einmal mehr Boomhouwer schaltete schneller als alle anderen, fischte sich einen Ball aus dem laufenden HBW-Angriff heraus und vollstreckte noch aus der eigenen Hälfte, weil das Gästetor zu Gunsten eines zusätzlichen Feldspielers verwaist war – 18:16 (43.).

Erst jetzt setzte nachhaltige Wirkung ein. Johannes Sellin traf sowohl vom Siebenmeterstrich als auch per Gegenstoß – Melsungen führte erstmals mit vier. Die Verunsicherung bei HBW war spürbar. Selbst in Überzahl gelang den „Galliern von der Alb“ nur noch wenig, bei angezeigtem passivem Spiel reichte es nicht einmal mehr zu einem Notabschluss. Als kurz darauf Tim Nothdurft im Gegenstoß vollkommen frei nur die Latte anvisierte und Momir Rnic im Gegenzug das 21:16 markierte, waren die Süddeutschen mehr als nur angeschlagen und nahmen früh ihre letzte Auszeit (51.).

Peter Johannesson sorgte noch einmal für ein kurzes Aufleben, als er mit einer Doppelparade gegen Sellin und Boomhouwer Wegbereiter für Sascha Ilitsch‘ 21:17 war. Doch mehr als ein leichtes Aufflackern war das nicht mehr. Spätestens als Sellin nach langem Pass von Boomhouwer auf 24:18 erhöhte, war die Entscheidung gefallen. Als Arjan Haenen sich zum 27:20 in die Torschützenliste eintrug, stand das Publikum bereits applaudierend, beim Schlusspunkt durch Johannes Golla machte sich die Erleichterung aller noch einmal explosionsartig bemerkbar. Denn so klar, wie es das Ergebnis am Ende ausdrückte, war die Partie zuvor bei weitem nicht.

Stimmen zum Spiel

Michael Roth: Das war für uns ganz wichtig, heute diese zwei Punkte mitzunehmen. Man hat gemerkt, dass es ein wegweisendes Spiel ist, denn wir wollen gerade in den Duellen gegen die unter uns platzierten Teams zeigen, wer die bessere Mannschaft ist. Das haben wir am Anfang auch gemacht, hatten dann aber einen Bruch im Spiel. In der Pause haben wir gesagt, dass wir den Faden unbedingt wieder aufnehmen und ruhig bleiben müssen. Das klappte, weil einige Spieler eine doch klar nach oben weisende Formkurve gezeigt haben. Wir müssen aktuell die Ausfälle von Maric und Danner verkraften, aber Golla uns Philipp Müller im Innenblock haben das richtig gut gemacht. Nur 22 Gegentore sind ganz nach meinem Geschmack.

Runar Sygtryggsson: Glückwunsch zum Sieg. Ich bin unzufrieden mit der Art und Weise, wie wir hier verloren haben. Der Sieg von Melsungen war ohne Frage verdient. Aber wir haben unsere freien Bälle in der ersten Hälfte zu oft verworfen. Dann haben wir es geschafft, uns heran zu kämpfen, auch weil Melsungen ein paar seiner Spieler geschont hat, was natürlich legitim ist. In der zweiten Hälfte hatten wir es zunächst in der Abwehr noch im Griff, im Angriff nicht mehr. Mit unserer kämpferischen Leistu ng bin ich noch zufrieden, mit der Disziplin nicht. Am Ende haben wir die Köpfe einfach hängen lassen, das war nicht gut.

Axel Geerken: Wir haben nach der Niederlage in Wetzlar viel miteinander gesprochen. Insofern waren die zwei Siege gegen Benfica und Balingen wichtig. Aber es gibt bei uns immer noch Phasen, wo wir unruhig werden, wenn irgendetwas nicht so läuft wie vorgesehen. Wir werden den Weg in den nächsten Begegnungen versuchen weiter zu gehen und uns die Sicherheit zurückzuholen.

Zuschauer: 3.196 in der Rothenbach-Halle, Kassel

Die nächsten Spiele:
So., 19.02.17, 15.00 Uhr: Riihimäen Cocks (FIN) – MT Melsungen (EHF-Cup, Elenia Arena, Hämeenlinna)
Mi., 22.02.17, 20:15 Uhr: THW Kiel – MT Melsungen (HBL, Sparkassen-Arena, Kiel)
Mi., 01.03.2017, 20:15 Uhr: TVB 1898 Stuttgart – MT Melsungen (HBL, SCHARRena, Stuttgart)
Sa., 04.03.2017, 20.00 Uhr: Helvetia Anaitasuna (SPA) – MT Melsungen (EHF-Cup, Polideportivo, Anaitasuna)
Mi., 08.03.2017, 20.15 Uhr: MT Melsungen – SC Magdeburg (HBL, Rothenbach-Halle, Kassel)
© Info: MT-Pressedienst                            Fotos: M.Kittner

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