Auszeichnung für NABU-Rotmilanprojekt

© NABU Landesverband Hessen e.V.

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Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser überreicht Urkunde „UN-Dekade Biologische Vielfalt“

Wiesbaden – Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser zeichnet das Rotmilanprojekt der NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe im Vogelsberg als Projekt der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ aus. Diese Ehrung wird an Projekte verliehen, die sich in nachahmenswerter Weise für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen. „Der Schutz von Tieren und Pflanzen, ihren Lebensräumen und der genetischen Vielfalt ist eine wichtige Zukunftsaufgabe. Das Rotmilanprojekt der NABU-Stiftung im Vogelsberg leistet einen wertvollen Beitrag zur dauerhaften Sicherung des typisch hessischen Greifvogels“, erklärte die Staatssekretärin. Die UN-Auszeichnung trage dazu bei, die Bedeutung der heimischen Artenvielfalt stärker ins Bewusstsein zu rücken. Der Vorsitzende der NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe, Hartmut Mai, freute sich über die Ehrung: „Die Urkunde der UN-Dekade zeigt, wie wichtig der Schutz des roten Greifen ist. Mit dem Rotmilanprojekt möchten wir erproben, wie man ihm am besten helfen kann.“

Projektleiter Maik Sommerhage, der sich seit 2013 um den Schutz des Rotmilans im Vogelsberg kümmert, bezeichnete die Verbesserung des Brut- und Nahrungsangebotes sowie die Verringerung von Konflikten mit dem Ausbau erneuerbarer Energien als zentrale Ziele der fünfjährigen NABU-Aktion. Die ersten Ergebnisse stimmten ihn hoffnungsvoll: „Bislang konnte die NABU-Stiftung bereits 100 Hektar Schutzgebiete im Vogelsberg ankaufen und somit dauerhaft sichern. Weitere rund 300 Hektar werden von örtlichen Landwirten Rotmilan-optimiert bewirtschaftet.“ Damit stünden dem Rotmilan im Projektgebiet während der Brutzeit dauerhaft gute Nahrungsquellen zur Verfügung.

Es zeige sich, so Sommerhage, dass die untersuchten Rotmilane ihre Raumnutzung änderten und bevorzugt die optimierten Nahrungsbiotope anflögen. Eine gezielte Verbesserung des Nahrungsangebots an Ausweichstellen könne demnach standörtliche Konflikte beim Ausbau der Windenergie verringern. Für die Zukunft sei die Besenderung von fünf Rotmilanen vorgesehen, um weitere Aufschlüsse über ihre Fluggewohnheiten zu erhalten.

© NABU Landesverband Hessen e.V.

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Hintergrund: Rotmilanprojekt „Mäuse für den Milan“
Mehr als die Hälfte vom Weltbestand des Rotmilans brütet in Deutschland. Der Vogelsberg, der das größte hessische EU-Vogelschutzgebiet mit fast 64.000 Hektar beherbergt, gehört zu den Gebieten mit den höchsten Siedlungsdichten des roten Greifen. Deshalb trägt Hessen eine besondere Verantwortung für den Schutz des Rotmilans. Das Mittelgebirge ist aber auch die am stärksten mit Windrädern bebaute Region des Bundeslandes.

Im Rahmen des Rotmilan-Projektes „Mäuse für den Milan“ der NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe im Vogelsberg sollen geeignete Wiesen- und Waldgebiete dauerhaft geschützt und die Bewirtschaftung auf weiteren landwirtschaftlichen Flächen für den Rotmilan optimiert werden. Ziel der Hilfsaktion, die 2013 startete bis mindestens 2017 läuft, ist es zudem, Konflikte mit dem Ausbau erneuerbarer Energien zu minimieren. Die NABU-Stiftung möchte herausfinden, welche Maßnahmen einen wirkungsvollen Schutz des Roten in seinem Brut- und Nahrungsgebiet sicherstellen können. Dazu untersuchen NABU-Ornithologen jährlich die Siedlungsdichte und den Bruterfolg des Rotmilans in einem Gebiet mit einer Größe von 470 Quadratkilometern.

Eine wichtige Schutzmaßnahme ist das Anlegen von „Milanfenstern“ auf Äckern der Vogelsbergregion. Dabei werden durch das Aussetzen von Sämaschinen freiflächenartige Strukturen u. a. in Raps- und Maisfeldern geschaffen, die die Nahrungsgrundlage für den Rotmilan in der Butt- und Aufzuchtzeit der Jungen verbessern. Auf den freien Flächen kann er leichter nach Mäusen und anderen Beutetieren jagen. Zudem sollen auf Mähwiesen die Mähtermine so gewählt werden, dass durch eine Staffelmahd dauerhaft frisch gemähte Wiesen zur Verfügung stehen. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit mit Landwirten aus dem Vogelsberg vorgesehen. Futterplätze, an denen Fallwild ausgelegt wird, sind ein weiterer Baustein zur Verbesserung des Nahrungsangebotes. Im Zuge des Projekts werden zudem ehrenamtlich tätige Naturfreundinnen und Naturfreunde zu Rotmilanhorst-Betreuern ernannt und dafür geschult.

Hintergrund: UN-Dekade Biologische Vielfalt
Die Vereinten Nationen haben das Jahrzehnt von 2011 bis 2020 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen. Die Dekade soll die Umsetzung des UN-Übereinkommens von 1992 unterstützen. Ziel ist es, den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Dazu soll auch das gesellschaftliche Bewusstsein gefördert werden. Genau hier setzt die deutsche UN-Dekade an: Sie möchte mehr Menschen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt, unserer natürlichen Lebensgrundlage, gewinnen. Ein Schwerpunkt ist daher die Auszeichnung von vorbildlichen Projekten. Die Mitwirkenden setzen sich für die biologische Vielfalt ein, indem sie sie schützen, nachhaltig nutzen oder ihren Wert vermittel

Biologische Vielfalt ist alles, was zur Vielfalt der belebten Natur beiträgt: Arten von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen, ihre Wechselwirkungen untereinander und zur Umwelt sowie die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Lebensräume. Die natürliche Vielfalt zu schützen, bedeutet nicht nur, die Schönheit der Natur zu bewahren. Es bedeutet auch, die Grundlagen des Überlebens von uns allen zu sichern.

Die Auszeichnung dient als Qualitätssiegel und macht den Beteiligten bewusst, dass ihr Einsatz für die lebendige Vielfalt Teil einer weltweiten Strategie ist. Möglichst viele Menschen sollen sich von diesen vorbildlichen Aktivitäten begeistern lassen und die ausgezeichneten Projekte als Beispiel zu nehmen, selbst im Naturschutz aktiv zu werden. Weitere Informationen zur UN-Dekade finden sich im Internet unter www.un-dekade-biologische-vielfalt.de

Quelle: NABU Landesverband Hessen e.V.

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