Die Rückkehr der Kasseler Mumien

ötenmumie Kassel II: Weiblicher Fötus, 34. Schwangerschaftswoche, Anencephalie mit Rachischisis der Halswirbelsäule Der Fötus weist einen Neuralrohrdefekt auf. Teile des Gehirns fehlen und der Hirnschädel ist nicht ausgebildet (Anecephalie). Zusätzlich sind die Halswirbel nicht ordnungsgemäß verwachsen, so dass das Rückenmark nur durch eine dünne Membran geschützt ist (Rachischisis= offene Spina bifida).

Es war eine Sensation, als im Jahr 2005 fünf bis dahin wenig beachtete, historische Fötenmumien im Magazin des Kasseler Naturkundemuseum wiederentdeckt wurden. Ihre Erforschung und die daraus entstandene Zusammenarbeit mit den Mumienexperten der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim führte im Jahr2009 dazu, dass die international herausragende Sonderausstellung „Mumien – Körper für die Ewigkeit“ mit Mumien aus aller Welt in Kassel realisiert werden konnte.

Wegen ihrer Einzigartigkeit gingen zwei der Kasseler Fötenmumien gleich im Anschluss mit der großen Mannheimer Ausstellung auf Welttournee. Über acht Jahre haben in den USA, Kanada und fünf europäischen Ländern rund drei Millionen Besucher die Mumien und die Ergebnisse des internationalen und interdisziplinären German-Mummy-Projekts bestaunt.

Jetzt, im Herbst 2018, sind sie endlich zurückgekehrt und finden ihren Platz in der zwischenzeitlich neu konzipierten Dauerausstellung zur Geschichte des Naturkundemuseums. Sie stehen im Kontext mit den anatomischen Tätigkeiten am Collegium Carolinum, das Landgraf Karl im Jahr 1709 im gleichen Gebäude, dem Ottoneum, gründete.

Das teilweise mit namhaften Wissenschaftlern besetzte Collegium hatte die Aufgabe, die Studenten vor dem Beginn des Studiums an einer theologischen, juristischen oder medizinischen Fakultät in Mathematik, Physik und Anatomie auszubilden. Die Kasseler Fötenmumien spielten vermutlich im Bereich der Embryologie und Fehlbildungslehre eine wichtige Rolle bei der Ausbildung von Ärzten und Hebammen.

PM: Stadt Kassel (HJ)

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