Der Prozess – Eine sehr beeindruckende Premiere

Eine sehr beeindruckende Premiere:
Joern Hinkels DER PROZESS nach Franz Kafka zur Eröffnung der Bad Hersfelder Festspiele

Das passte: Nach den Reden bei der Eröffnungsfeier, hier besonders hervorzuheben die Worte des zu Unrecht in der Türkei verhafteten Journalisten Deniz Yücel, folgte ein anspruchsvolles Schauspiel, dessen Handlung Intendant und Regisseur mit hervorragenden Schauspielern in die Gegenwart holte.
Es spielen: Ronny Miersch, Marianne Sägebrecht, Ingrid Steeger, Dieter Laser, Markus Majowski, Thomas Maximilian Held, Thorsten Nindel, Jürgen Hartmann, Corinna Pohlmann, Mathias Schlung, Maria Radomski, Günter Alt, Nicole Sydow, Lou Zöllkau und außerdem Jule Gölsdorf in den Videos.

Zum Inhalt: Der Bankangestellte Josef K. wird am Morgen seines dreißigsten Geburtstags in seinem Schlafzimmer verhaftet. Die beiden Herren, die plötzlich im Auftrag des Gerichts neben seinem Bett stehen und ihm genüsslich sein Frühstück wegessen, nennen ihm keine Gründe dafür. Vergeblich versucht er herauszufinden, weshalb er angeklagt wurde. Auf seiner fieberhaften Suche nach den Gründen irrt er durch mysteriöse Gerichtsgebäude und findet sich am Ende in einer leeren Kathedrale wieder: hier sucht er nach Klarheit, nach Erlösung, doch selbst hier kann ihm anscheinend niemand helfen.
Regisseur Joern Hinkel fasziniert Kafkas Text seit langem: „Kafkas Roman ist ausgesprochen vielschichtig. Auf den ersten Blick ist es eine Geschichte über den Verlust von Rechtsstaatlichkeit, ausgelöst durch eine undurchdringliche Organisation, ein anonymes „Gericht“, das durch seine Vorgehensweise elementare Menschenrechte verletzt. Aber es ist auch die Geschichte über eine schweigende Masse, die das Unrecht als gegeben hinzunehmen scheint. Josef K. begehrt auf. Er versucht, hinter das Unrechts-System zu blicken, und wird dafür bestraft. Auf den zweiten Blick ist der PROZESS eine Parabel über die Befreiung aus den Fesseln eines unzumutbaren, willkürlichen Gesetzes, über die Auflehnung gegen einen ungerechten Gott, der den Menschen in einer absurden Welt allein zu lassen scheint.“

Am Ende des eindringlichen Theaterabends gab es viel Applaus, keine euphorischen Begeisterungsstürme … dafür waren die Premierenbesucher noch zu betroffen und bewegt vom zum Nachdenken animierenden Inhalt.
Joern Hinkel hat mit seiner „Mannschaft“ ein wachrüttelndes, erschreckend aktuelles Werk auf die Bühne der Bad Hersfelder Festspiele gebracht.
Fröhliche und unterhaltsame Aufführungen wie Hair, Shakespeare in Love und Funny Girl runden sicherlich eine wieder erfolgreiche Spielzeit in der Stiftsruine ab.
Informationen und Tickets unter www.Bad-hersfelder-Festspiele.de

M.Kittner                                                   ©Fotos: M.Kittner

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