MT-Höhenflug jäh gestoppt

DSC_7762Die MT Melsungen ist nach dem Höhenflug der letzten Woche recht herb wieder auf dem Boden
der Tatsachen gelandet. Gegen den hessischen Rivalen HSG Wetzlar setzte es eine 24:32 (9:18)-Pakkung,
die vor allem einer desolaten ersten Halbzeit geschuldet war. Allein Michael Müller (6) und Johannes
Sellin (6/2) konnten sich als MT-Torschützen hervortun. Für die HSG Wetzlar war Kevin
Schmidt neunmal erfolgreich, davon fünfmal von Siebenmeterpunkt.
Mit dem Rückenwind von drei Siegen innerhalb einer Woche startete die MT Melsungen in die Partie. Um allerdings
gleich in der Anfangsphase zu spüren zu bekommen, dass die HSG Wetzlar alles andere als ein Punktelieferant
sein sollte. Quirlig, agil und vor allem die Zweikämpfe suchend präsentierten sich die Gäste von ihrer besten
Seite. Und erwischten den Favoriten damit auf dem falschen Fuß. Vor allem Jens Tiedtke erwies sich am
Kreis als harter Brocken, zog früh zwei Siebenmeter, sperrte für deine Kollegen frei und traf schließlich selbst.
Das war nach zwölf Minuten und bedeutete die 7:4-Führung für die Mittelhessen, die Florian Laudt anschließend
sogar noch auf 9:4 erhöhte. Und Michael Roth damit zur Auszeit zwang.
Ohne den gewünschten Erfolg zu erzielen. Erst bekam Patrik Fahlgren einen zweifelhaften technischen Fehler
gepfiffen, dann zielten nacheinander Michael Müller und Fahlgren glatt am Gehäuse vorbei. Wetzlar behielt die
Ruhe in der immer hektischer werdenden Partie und baute seine Führung durch Kevin Schmidt und Kent Robin
Tönnesen aus. Ehe Michael Müller gegen seinen alten Verein auch einmal das Glück auf seiner Seite hatte und
der Wurf des Linkshänders von der Latte und dem Rücken Andreas Wolffs ins Netz ging. Aber das war zu diesem
Zeitpunkt nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein, weil Tobias Hahn umgehend den alten Abstand
wieder herstellte (5:12, 22.).
Mit neuem Personal kam auch neuer Schwung bei der MT. Jonathan Stenbäcken und Nenad Vuckovic kamen
mit der überaus aggressiven HSG-Deckung wesentlich besser klar als Philipp Müller und Fahlgren zuvor. Stenbäcken
traf zum 6:12, Sellin verwandelte einen von Felix Danner herausgeholten Siebenmeter sowie einen feinen
Querpass von Michael Allendorf zum 8:13. Das Publikum zog mit, die MT schien zum ersten Mal in diesem
Spiel angekommen. Doch Kai Wandschneider trat mit der Grünen Karte sofort auf die Stimmungsbremse. Mit
dem Erfolg, dass der gesamte rot-weiße Schwung wieder dahin war und Grün-Weiß munter Tor um Tor aufsattelte.
Viermal in Folge durch zweimal Steffen Fäth, Jens Tiedtke und den mittlerweile vierten Siebenmeter von
Kevin Schmidt. Auch Michael Müller gelang noch ein Tor, das aber Tönnesen beantwortete und seine Mannschaft
mit einem satten Vorsprung von neun Toren in die Kabine brachte.
Aus der Kabine heraus kamen die Melsunger mit einer taktischen Umstellung in der Defensive. Michael Allendorf
und Christian Zufelde spielten den vorgezogenen Part in einer offensiven Deckung. Ohne den gewünschten
Effekt. Florian Laudt schlängelte sich durch und ließ Mikael Appelgren ebenso wenig eine Chance wie Kevin
Schmidt nur 60 Sekunden später, nachdem Vuckovic das Leder vorn vertändelt hatte. Die MT-Abwehr bekam
einfach keinen Zugriff auf die mittelhessischen Angreifer. Wenigstens trafen vorn jetzt die Müller-Brüder
wenigstens zuverlässig ins Schwarze. Nicht jedoch der sonstige Torjäger. Michael Allendorf, der im ersten
Durchgang schon einen Siebenmeter ausgelassen hatte, scheiterte auch völlig frei im Gegenstoß am Andreas
Wolff im Tor der Gäste (14:24, 39.).
Die nächste Chance zur Resultatsverbesserung bot sich dem Tabellen-Sechsten in Überzahl. Erst musste Tiedtke
runter, dann auch noch Evars Klesniks. Nenad Vuckovic übernahm Verantwortung und netzte zweimal ein. Anschließend
ging Ivano Balic runter und Michael Müller traf. Bis auf 19:26 kamen die Melsunger heran, dann
hatten sich die Wetzlarer wieder gefangeDSC_7927n. Wolff parierte gegen Anton Mansson vom Kreis, Tiedtke traf vom
Kreis. Und als Tobias Hahn zweimal fein von Rechtsaußen einlochte, war die HSG beim Stand von 21:30 wieder
neun Tore im Vorteil.

Im Angriff blieb bei der MT auch nach der nächsten genommenen Auszeit vieles Stückwerk. Deshalb hatte die
Steigerung von Mikael Appelgren im Tor kaum Auswirkung. Zumal sein Gegenüber Wolff weiter stark hielt und
fünf Minuten vor dem Ende auch gegen Sellin beim Siebenmeter siegreich blieb. Dass seine Vorderleute anschließend
ebenfalls Konzentrationsschwächen zeigten, hatte allenfalls noch statistische Auswirkungen. Und
war angesichts des vor allem in dieser Deutlichkeit gestalteten Spielverlaufs nur verständlich. So triumphierten
die Mittelhessen schließlich, aufgrund der ersten Hälfte auch in dieser Höhe nicht unverdient, mit 32:24. Den
Melsungern blieb die kleine Genugtuung, die zweite Hälfte noch mit einem Treffer gewonnen zu haben. Was
an der herben Packung jedoch auch nichts änderte.
Stimmen zum Spiel
Michael Roth: An Kai und die HSG erst einmal herzlichen Glückwunsch. Wetzlar war heute von der ersten Minute
an über die gesamte Spielzeit die bessere Mannschaft. Sie waren immer einen Schritt schneller als wir.
Nach 15 Minuten waren wir schon mit sechs hinten, und egal was wir versucht haben, hatte Wetzlar eine Lösung
gefunden. Das war heute ein gebrauchter Tag. Und vielleicht war es auch gut, dass die Niederlage so
deutlich ausgefallen ist. Wir hätten noch fünf Stunden weiterspielen können und trotzdem nicht gewonnen.
So haben wir uns als gute Nachbarn erwiesen und können damit wohl davon ausgehen, auch nächste Saison
ein Hessenderby zu spielen. Wetzlar hat heute eins der besten Spiele gemacht, die ich bisher von ihnen gesehen
habe.
Kai Wandschneider: Ich freue mich natürlich sehr über dieses Ergebnis. Und bin erleichtert, dass wir diese Überraschung
geschafft haben. Wir waren über die gesamte Spielzeit hoch konzentriert und haben sehr kompakt in
der Deckung gestanden. Mit der guten Leistung von Wolff im Tor hat ein Rädchen ins andere gegriffen. Wir
hatten die ganze Kraft in die Abwehr und den Positionsangriff gelegt. Uns war klar, dass wir Melsungens Tempo
nicht mitgehen können und haben deshalb versucht, auf einige Gegenstöße zu verzichten und das Tempo
herauszunehmen. Durch das verlorene Spiel von Balingen gegen den Bergischen HC sieht man erst, dass der Erfolg
hier Gold wert war. Wir haben die MT wohl nach ihren letzten Erfolgen genau im richtigen Moment erwischt.
Statistik
MT Melsungen: Appelgren (8 Paraden / 27 Gegentore), Sandström (0 P. / 5 G.); Stenbäcken (2), Mansson (2),
Sellin (6/2), Kubes, Fahlgren, Schröder, Hildebrand, Danner (2), P. Müller (3), Zufelde, Allendorf (1/1), Vuckovic
(2), M. Müller (6).
HSG Wetzlar: Dahl (n. e.), Wolff (12 P. / 24 G.); Schmidt (9/5), Prieto, Tiedtke (5), Rompf, Weber, Tönnesen (5),
Laudt (4), Fäth (4), Hahn (4), Harmandic, Balic (1), Klesniks.
SR: Matthias Brauer (Hamburg) / Kay Holm (Hagen, S-H)
Zeitstrafen: 8 – 18 (M. Müller 7:21, Kubes 13:23, Zufelde 37:13, P. Müller 44:47 – Prieto 6:50 14:37, Laudt
18:46, Tiedtke 23:34 40:05, Weber 36:06, Klesniks 41:51, Balic 43:42, Tönnesen 44:47)
Strafwürfe: 6/3 – 5/5 (Allendorf scheitert an Wolff, 8:01 Min.; Sellin über das Tor, 28:39 Min.; Sellin scheitert an
Wolff, 55:12 Min.)
Zuschauer: 3.881 in der Rothenbach-Halle, Kassel

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