Burg Reichenbach, Amtssitz der Hessischen Landgrafen

Kulturgeschichtliche Höhepunkte auf dem Premiumweg Reichenbach 3

Heute steht nur noch der Bergfried der einstmals mächtigen Festung, die von den Anwohnern seit Jahrhunderten sogar als Schloss bezeichnet wurde. Inwieweit auf dem strategisch günstig gelegenen Berg, dort, wo bereits im 11. Jahrhundert die Burg zu Reichenbach errichtet wurde, auch frühere Befestigungsanlagen existierten, ist noch unbekannt. Fest steht aber, dass die etwa 2 Kilometer entfernte Siedlung Reichenbach, der die Burg ihren Namen verdankt, schon im 7./8. Jahrhundert ein befestigter fränkischer Adelssitz war.

Nicht nur wegen der sich hier kreuzenden überregionalen Handelsstraßen, sondern auch wegen der Grenzlage zwischen Hessen und Thüringen hatte die Festung Lichtenau im Mittelalter eine herausragende strategische Bedeutung. So wechselte sie mehrmals ihre Besitzer, gehörte mal den Landgrafen von Thüringen, den Reichenbachern, also einem Zweig der Gozmaren und dem Mainzer Erzbischof. 1249 schließlich eroberte Sophie von Brabant die Burg für ihren noch unmündigen Sohn Heinrich, den späteren Landgrafen von Hessen.

Als Jagdschloss und Amtssitz diente die Anlage den Hessischen Landgrafen seit 1315 und in den zahlreichen Auseinandersetzungen mit Thüringen und Braunschweig Ende des 14. Jahrhunderts war die Burg die Kommandozentrale des Hessischen Landgrafen Hermann.

Burg Reichenbach als Steinbruch

Spätestens nach der Verlegung des Amtssitzes nach Lichtenau im Jahre 1490 verlor die Burg an Bedeutung. Es heißt auch, dass die Tatsache, dass Landgraf Ludwig II von Hessen 1471 im Alter von gerade einmal 33 Jahren auf der Burg Reichenbach plötzlich aus unerklärlichen Gründen verstorben war, zur Aufgabe der Burg geführt habe. In jedem Fall war sie im Laufe des 16. Jahrhunderts dem Verfall preisgegeben worden. Um 1550 soll die Burg auf Befehl von Kaiser Karl V zerstört worden sein. Tatsächlich diente sie der Bevölkerung seitdem als Steinbruch.

Auch wenn solche Darstellungen nicht als allzu genaue Wiedergaben des Originals gelten dürfen, so gibt doch der Stich von Daniel Meisner in seinem Politischen Schatzkästlein einen ungefähren Eindruck vom Aussehen der Burg Anfang des 17. Jahrhunderts. Auf dem Berg thront eine recht komplexe Befestigungsanlage mit dem bereits stark in Mitleidenschaft gezogenen Hauptturm, dem Bergfried und dem Palas. Zumindest auf diesem Stich kann man zwar den Verfall, nicht jedoch die befohlene Zerstörung erkennen.

Restauration des Bergfrieds

Teil der Wall- Grabenanlagen rund um die Burg

1820 stürzte der große Hauptturm im Osten der Ringmauer ein. Von den Wohngebäuden und den Befestigungsmauern dürfte zu dieser Zeit kaum noch etwas  geblieben sein. Und als im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts auch der Bergfried in sich zusammenzubrechen drohte, ergriffen 1899 Bürger, Sponsoren, Heimatvereine und nicht zuletzt der damalige Bezirkskonservator Bickell sowie der Lichtenauer Stadtchronist Gustav Siegel die Initiative zur Restauration des letzten baulichen Zeugnisses der Burg.

Die im Rahmen der Sanierung 1901/02 von Siegel durchgeführten Geländeuntersuchungen und Grabungen geben noch heute wichtige Anhaltspunkte für die Rekonstruktion der Gesamtanlage. 1934 musste der Turm wieder saniert werden und wieder wurden gleichzeitig Ausgrabungen, diesmal von Gottfried Gansauge durchgeführt. Seine Erkenntnisse sind es die den heutigen Wissensstand um die Buganlage im Wesentlichen begründen. Die Ausgrabungen waren jedoch nicht umfassend genug, um die Gesamtanlage zu beschreiben und gegebenenfalls Vorgängerburgen zu belegen.

Bergfried der Burg Reichenbach als Aussichtsturm

Blick vom Turm (mit Teleobjektiv) auf den Helkopfsee (gefluteter Tagebergbau zwischen Retterode und Glimmerode)

Das, was dem Besucher heute ins Auge fällt ist der in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder restaurierte Bergfried, der 2008 mit einem Dach versehen worden ist. Bis zum Sommer 2009 waren immer noch Restaurierungsarbeiten am Mauerwerk erforderlich, denn die Instandsetzungen in den Jahren 1948 bis 1958 waren nicht ausreichend sachkundig vorgenommen worden. Der falsche Mörtel zum Stabilisieren und Verfugen der Mauer führte immer wieder zu weiteren Beschädigungen der Bausubstanz, Frostschäden drohten den Turm auseinander zu sprengen.

Seit 1966 kümmert sich der Burgverein um das historische Gemäuer, das seit Sommer 2009 mit dem Abschluss der Instandsetzungsarbeiten seiner 1901 festgelegten Bestimmung als Aussichtsturm endgültig gerecht wird.

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