Tagebuch eines frustrierten Katers

ein Buch, das auch Menschen lesen sollten

Egon, der edle norwegische Waldkater hat ein Problem: sein geliebtes Frauchen hat ein kleines Kätzchen, den Max aus dem Tierheim mit in die Gemeinschaft gebracht und damit die bislang heile Welt des verwöhnten Katers jäh verändert. Max, so die Einstellung Egons kann nicht bleiben, darf nicht bleiben, wird nicht bleiben.

Lange kann es nicht dauern, bis Frauchen erkennt, dass wie bisher ausschließlich für den charmanten Egon Platz in Frauchens Herzen, in der Wohnung oder am Futternapf sein kann und sie den Max wieder ins Tierheim zurück befördert. Und selbstverständlich würde er, der erfahrene, intelligente und schöne Kater mittels seiner langjährig erprobten Manipulationsstrategien diese Einsicht seines Frauchens nach besten Kräften fördern.

Nun, Frauchen erkennt nicht und die ausgefeilten und genialen Katerstrategien im Kampf um die Zuneigung seines Frauchens fallen entweder einem schlechten Timing, unglücklichen Umständen oder der Unbekümmertheit des halbstarken Max zum Opfer. Frustration und daraus resultierend das Schreiben des Tagebuches ist die Folge der Fehlschläge, die nur durch die geistige Umnachtung Frauchens und der Dummheit Maxens zu erklären sind. Selbstzweifel kommen natürlich nicht auf, schon deshalb nicht, weil sich – wie der Kater einfühlsam und scharfsinnig analysiert – Frauchen ja auch bei zwischenmenschlichen Beziehungen alles andere als Rational verhält.

Das satirisch-humorige Büchlein über die Befindlichkeiten eines von sich eingenommenen – also ganz normalen – Katers und menschliche Beziehungskisten aus einer gewissen tierischen Distanz betrachtet, macht einfach Spaß. Einfühlsam aber schonungslos, humorig aber nicht albern ist das „Tagebuch eines frustierten Katers“ ein Buch, das man, einmal angefangen, nur deshalb wieder aus der Hand legt, weil es viel zu schnell zu Ende ist. Wunderschön auch die scheinbar lässig dahingeworfenen Illustrationen des Malers und Grafikers Konrad Borkiewicz, eher Karikaturen der Protagonisten, mit einer unglaublichen Aussagekraft. Die für bod-Bücher anscheinend typische Satzschluderei mit unmotivierten Einschüben und gelegentlich großen Abständen zwischen den Wörtern, kann das Lesevergnügen glücklicherweise kaum beeinträchtigen. Ein Buch, das nicht nur Katzenliebhaber in vollen Zügen genießen können.

Anna Janaszkiewicz: Tagebuch eines frustrierten Katers. Books on Demand 2007. Taschenbuch, 119 Seiten.

Dass Kater Egon nicht nur unter dem Pseudonym ‚Anna Janaszkiewicz‘ Tagebücher schreiben kann, sondern sich auch persönlich seinem geneigten Publikum stellt, können Sie übrigens auf der Egon-der-Kater-Seite bei facebook sehen. Hier hat Egon als Bürger Kassels und aus aktuellem Anlass in diesem Jahr auch die EGONALIA 2012 veranstaltet, eine echte Alternative zur Documenta. Bei der Vorstellung von Kunstwerken von, mit oder über Katzen hat es sich der kuratierende Waldkater Egon nicht nehmen lassen, die Interpretationen im treffenden und tiefschürfenden Kunstjargon selbst zu verfassen. Auch diese spontane Kunstaktion des hochkreativen und sensiblen Katers ist ein wahres Vergnügen, das hoffentlich ebenso wie sein Tagebuch den Weg in die realen und virtuellen Bücherregale finden wird.

Fotos:  ©Egon der Kater

3 Kommentare

  • das Tagebuch eines frustrierten Katers kann unter den folgenden ISBN über den normalen Buchhandel
    ISBN-10: 3837000265
    ISBN-13: 978-3837000269
    oder beispielsweise über den einschlägigen Online-Buchhandel bezogen werden.

  • Alessandra

    Als eine Katzenliebhaberin moechte ich gerne das „Tagebuch“ lesen! wie koennte ich es kaufen?!

  • Hans-Peter Pütz

    Leseprobe hat mir gut gefallen

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