62. Bad Hersfelder Festspiele – EWIG JUNG

Erik Gedeon nennt sein EWIG JUNG ein Songdrama.

Aber was ist es? Ein Schauspiel? Oder eine Art Revue voller bissigem Witz, schwarzem Humor, manchmal bittersüßen Szenen aber vor allem mitreißenden Songs?

Auf jeden Fall ist es ein Fest für Schauspieler und Maskenbildner!

EWIG JUNG versetzt sechs der Darsteller der aktuellen Bad Hersfelder Festspiele in das Jahr 2050. Die Festspiele gehen inzwischen auf das 100. Jubiläum zu und auch das kleine Schlösschen hat sich verändert. Es wurde in eine Seniorenresidenz umgebaut und nennt sich nun KÜNSTLERSENIORENRESIDENZ IM EICHHOF.

Hier leben die Künstler im Alter von 80(+) und 90(+) und machen die Sommerterasse im Innenhof des Schlosses einfach zu ihrer Bühne. Sie nehmen ihr allabendliches Unterhaltungsprogramm gegen den erbitterten Widerstand ihrer deutlich jüngeren Pflegekraft, Schwester Iris-Stefanie (Iris-Stefanie Maier, auch Frau Levi in DER ZAUBERBERG), selbst in die Hand.

Während sich die Ex-Mimen glücklich singend ihrer jeweiligen Lieblingsmusik und mit mancher Rezitation ehemals verkörperter Rollen und vergangener Theaterzeiten erinnern, versucht Schwester Iris-Stefanie die Alten mit vermeintlich „altersgerechtem“ Liedgut zu „beglücken“: naive Kinderlieder und Themen wie Siechtum und Verwesung.

Kehrt sie ihnen aber den Rücken, nutzen die ergrauten Damen und Herren die Sommerterrasse im Innenhof des Eichhofs als Bühnenrampe und lassen da „die Sau raus“. Da wird durchaus auch selbstverliebt Tschechow oder Shakespeare zitiert, vor allem aber wird gesungen. Gloria Gaynor ist vor ihnen ebenso wenig sicher wie Nirvana oder Freddie Mercury und „STAYING ALIVE“ kann man zur Not auch ohne Zähne singen!

Auf der Bühne sind die Darsteller, die das Publikum bereits aus anderen Produktionen der Bad Hersfelder Festspiele kennt, kaum wiederzuerkennen. So perfekt sind die Masken von Chef-Maskenbildnerin Anja Kietzmann und Julia Frick.

Stephan Ullrich, der auch in DER NAME DER ROSE und DER ZAUBERBERG spielt, erinnert sehr an Rainer Langhans, den Ex-Kommunarden, der im Dschungel-Camp des Privatfernsehens seinen wohl letzten großen Auftritt hatte. Franziska Becker, die das Publikum in SONGS OF EUROPE begeisterte und zweimal in KÖNIG LEAR kurzfristig für die erkrankte Kollegin als Goneril einsprang und da zeigte, wie wandlungsfähig und vor allem belastbar sie ist, wirkt in Leggins und viel Pink wie eine Punk-Oma.

Frank Jordan (auch DER NAME DER ROSE) und Thomas Mahn (auch musikalischer Leiter von EWIG JUNG) sehen wie Maddalena Noemi Hirschal (auch „Frau Iltis“ in DER ZAUBERBERG) und Hans-Christian Seeger (auch in DER NAME DER ROSE und Regisseur von EWIG JUNG) fast schon wie „normale“, ältere Herrschaften aus. Bis sie anfangen, das zu tun, was sie wirklich wollen: die bleiben, die sie einmal waren, auch wenn das Gedächtnis und die Glieder nicht immer zuverlässig mitmachen.

Fotos : Iko Freese

 

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