62. Bad Hersfelder Festspiele MATHIAS RICHLING Man kann uns schwer was leicht machen

Der Altmeister des politischen Kabaretts tritt mit neuen Themen und dem immer wieder aktualisierten RICHLING-CODE zum zweiten mal (2.06. 2012/ 20:00 Uhr) in der Stiftsruine in Bad Hersfeld auf.

Herr Richling, ein Jahr ist es her, dass Sie in Bad Hersfeld waren. Es war ihr erster Auftritt in der Stiftsruine. Wie war es eigentlich für Sie, in dieser außergewöhnlichen Spielstätte zu spielen?

Historisch eindrucksvoll, ehrfurchtsheischend, stimmungsgeladen, funkenüberspringend, zugig, vom Abend abgekühlt und von den Zuschauern aufgewärmt.

Fühlt man sich nicht sehr allein auf der riesigen Bühne?

Ich nicht. Ich erspiele mir ja Merkel, Steinmeier, Schäuble, Helmut Schmidt. Günter Grass, Joachim Gauck, Pofalla, von der Leyen, Ackermann, Künast, Kauder, Lauterbach und so weiter. Die hab ich dauernd auf der Bühne. Und die Zuschauer sind auch noch da. Am wenigsten allein bin ich auf der Bühne.

Böse Zungen nannten/nennen diese Region auch „hessisch Sibirien“ – weil auch hier einst die westliche Welt zu Ende war. Seit Mauerfall liegt Bad Hersfeld wieder gut erreichbar in der Mitte Europas. Wie haben Sie es erlebt?
Als hessisch Europa! Wenn ich ein Gastspiel gebe, habe ich meist keine Zeit für die Lokalitäten. Das Publikum in Bad Hersfeld war jedenfalls nicht nur europäisch. Es hatte für mich Weltformat.
Im letzten Jahr ist ja so einiges passiert, das sich wahrscheinlich in Ihrem Programm niederschlägt. Wir geben Ihnen mal ein paar Stichworte und Sie kommentieren oder schenken uns einen Ausblick auf aktuelle Pointen?
1. Griechenland
Man sagt, die Wiege der Demokratie steht in Griechenland. Die Frage ist: Wird sie jetzt auch zu Grabe getragen?
2. FDP
Die FDP hat ein immenses Nichtwählerpotential und bei jeder Wahl aktiviert sie neue Nichtwähler – die sie nicht wählen.
3. Röttgen, Merkel, Seehofer …
Die Suche nach einem Endlager für Atommüll wurde unterbrochen. Die Suche nach einem Endlager für ausgebrannte Politiker ist für Frau Merkel jetzt wichtiger.
4. Blockupy/ Occupy
Der Bürger merkt, dass er nicht mehr Splittergruppe in der Demokratie ist.
5. Bundespräsident
Herr Wulff wollte und wollte nicht gehen, weil er immer betonte, er lernt ja noch. Er hat aus dem Amt ein Volontariat gemacht.
Welches war ihr Lieblingsthema in den letzten 12 Monaten?
Herr Gauck, Herr Wulff, Frau Merkel, Herr Kretschmann – alles, was die Nachrichten täglich neu hergeben. Ich kann nicht nach Lieblingsthemen fragen. Als Satiriker muss ich mich mit dem beschäftigen, was aktuell ist und den Menschen auf der Seele brennt.
Die gesamte politische und gesellschaftliche Entwicklung hat sich in den letzten Jahren verändert. Wirkt sich das eigentlich auch auf die „Humor-Wirtschaft“ aus? Lebt Kabarett auf – speziell politisches Kabarett?
Das Kabarett war nie töter als jeden Tag in den letzten hundert Jahren. Und da Menschen immer etwas haben, was sie aufregt, belästigt, echauffiert und betrifft, ist Kabarett auch immer aktuell. Ob das früher besser war, kann ich nicht beantworten und das ist auch unerheblich. Die Zeiten sind jetzt so wie sie sind und wir Kabarettisten sind dazu da, sie zu kommentieren. Sonst müssten Sie auch die Zeitung von vor zwanzig Jahren drucken. Dass sich eine Veränderung eingestellt hat im sogenannten Humor-Bewusstsein, ist richtig. Das hat auch zu tun, mit der viel größeren Quantität der Sendeplätze. Und wer sagt, das hat auch zu Verflachung geführt, mag Recht haben. Aber nur zum Teil. Es hat auch viel Hervorragendes hervorgebracht. Früher hieß es immer, die Deutschen hätten keinen Humor und könnten keinen produzieren. Jetzt produzieren sie und lachen viel mehr und es ist auch wieder nicht recht. Man kann uns schwer was leicht machen. Aber wenigstens amüsieren wir uns mittlerweile mehr dabei.

MATHIAS RICHLING
DER RICHLING-CODE
2. 06. 2012/ 20:00 Uhr
Stiftsruine Bad Hersfeld
Karten ab 16.00 €

Kartenzentrale
Am Markt 1
36251 Bad Hersfeld
Telefon 06621 400755
Telefax 06621 400770

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