Hersfeldpreise verliehen

Es war keine leichte Entscheidung, denn alle Neu-Produktionen der Bad Hersfelder Festspiele werden sowohl Abend für Abend vom Publikum in der Stiftsruine mit sehr viel Applaus gefeiert als auch fast durchgehend von den Kritikern gelobt. Doch die Jury ist wieder zu einem Ergebnis gekommen und so wurden am gestrigen  Sonntag  in der Stiftsruine in Bad Hersfeld die Hersfeldpreise verliehen.

Mit dem Großen Hersfeldpreis 2019 bei den Bad Hersfelder Festspielen wird Katharine Mehrling für ihre Darstellung der Fanny Brice in dem Musical FUNNY GIRL ausgezeichnet. In der Inszenierung von Stefan Huber überzeugt sie als deutscher Bühnenstar in der Rolle einer Broadway-Legende und verkörpert eine selbstbewusste, starke Frau.

Katharine Mehrling spielt mit außerordentlicher physischer Präsenz die Geschichte der Fanny Brice vom frechen Pummelchen zur traurigen Diva, die selbstbestimmt weiter ihren Weg geht.
Katharine Mehrling begeistert als Sängerin facettenreich und mit fulminanter Stimme. Sie ist gleichermaßen sinnlich, komisch und zeigt menschliche Tiefe; eine Frau, deren Herz auf dem rechten Fleck und oft auf der Zunge sitzt.

Mit dem Großen Hersfeldpreis werden Darstellerinnen und Darsteller ausgezeichnet, die die weiträumige Bad Hersfelder Festspielstätte in Spiel und Sprache beherrschen und die sich in ihr als rollenausschöpfende Schauspielerpersönlichkeiten erweisen. Der erste Preisträger war im Jahr 1962 Hans Caninenberg. Zu den Preisträgern gehörten seitdem unter anderem auch Volker Lechtenbrink, Uwe Friedrichsen, Mario Adorf, Tilly Lauenstein, Helen Schneider, Christian Schmidt, Christian Nickel und im letzten Jahr Natalja Joselewitsch und Dennis Herrmann für ihre Rollen in SHAKESPEARE IN LOVE.

Mit dem Hersfeldpreis 2019 bei den Bad Hersfelder Festspielen wird Günter Alt für seine Rollen in Kafkas DER PROZESS ausgezeichnet. In der Romanbearbeitung und Regie von Joern Hinkel spielt er den Onkel Albert und den „Mann im Dom“. Für diese beiden unterschiedlichen Rollen findet er jeweils seinen eigenen Ton. Sein Onkel ist ein boulevardesker, hilfloser Typ, als „Mann im Dom“ setzt er als messerscharfer Intellektueller einen markanten Schlusspunkt.

Der Hersfeldpreis wird an Darstellerinnen und Darsteller vergeben, die sich durch ihre Leistung profiliert haben, wobei die Auszeichnung insbesondere den Nachwuchs-Schauspielern und/oder für „beste Nebenrolle“ zuerkannt werden soll. Der Hersfeld Preis wurde 1969 zum ersten Mal vergeben: Albert Hormann erhielt ihn. Im Laufe der Jahre kamen Namen wie Cornelia Froboess, Uwe Friedrichsen, Dietlinde Turban, Jutta Speidel, Marie-Therese Futterknecht, Christoph Wohlleben und im letzten Jahr Corinna Pohlmann dazu.

Mit einer besonderen lobenden Erwähnung hebt die Jury den Festakt zur Eröffnung der Bad Hersfelder Festspiele 2019 hervor. Drei außergewöhnliche Reden von Intendant Joern Hinkel, dem Journalisten Deniz Yücel und Ministerpräsident Volker Bouffier setzten starke gesellschaftspolitische Akzente. Aus Anlass des Mordes an Regierungspräsident Walter Lübcke, der vor zwei Jahren Ehrengast dieser Preisverleihung war, verbanden die Redner persönliche Statements mit einer klaren Analyse der gesellschaftlichen Situation. Die Rückbesinnung auf Kernsätze unseres Grundgesetzes wurde zu einer ergreifenden Mahnung.

Der auf offener Bühne ausgetragene Diskurs aus verschiedenen Blickwinkeln führte zu einem engagierten Appell für gemeinsame Werte, für Demokratie und Freiheit.

Hintergrund:
Die undotierten Hersfeldpreise werden von der Stadt Bad Hersfeld und der Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine alljährlich vergeben. Eine unabhängige Jury entscheidet über die Vergabe der Preise. Die Hersfeldpreis-Jury: Martina Mattick-Stiller (ZDF/3sat, Vorsitz), Bettina Fraschke (HNA), Christoph Brandner (Fuldaer Zeitung), Hermann Diel (hr/Juryvorsitzender), Pit Rampelt (ZDF).
(MK)                                                    Fotos: M.Kittner

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