Die MT riecht am Titel, geht aber leer aus

24:28 gegen den TBV – Die MT riecht am Titel, geht aber leer aus

Es hat wieder nicht gereicht – zum vierten Mal. Auch wenn für die MT Melsungen diesmal ihre erste Finalteilnahme beim REWE Final4 anstand und die Euphorie naturgemäß hoch war, behielt der TBV Lemgo Lippe vor 2.000 Zuschauern in der Hamburger Barclaycard Arena mit 28:24 (15:12) die Nase vorn und schnappte sich nach 19 Jahren Abstinenz von der Pokal-Endrunde den Titel, der gleichzeitig auch Eintrittskarte zum Europacup 2021/22 ist. Dabei drehten die Lipperländer eine Drei-Tore-Führung Melsungens kurz vor der Pause in eine eigene Drei-Tore-Führung und bauten darauf ihre Sicherheit in der zweiten Hälfte auf, mit der sie eine Aufholjagd der MT konsequent verunmöglichten. Mit sechs Toren war Domagoj Pavlovic der beste Schütze seines Teams, während für Lemgo Lukas Zerbe und Jonathan Carlsbogard je fünfmal trafen.

Kleine Veränderungen präsentierte Trainer Gudmundur Gudmundsson in der Aufstellung bei den Nordhessen im Vergleich zum Vortag. Im Tor begann Nebojsa Simic statt Silvio Heinevetter, Felix Danner begann am Kreis und neben Finn Lemke im Deckungszentrum sowie Julius Kühn und Kai Häfner auf den Halbpositionen. Auf den Außenbahnen jedoch setzte er auf die Erfahrung von Tobias Reichmann und Michael Allendorf. Und Reichmann war es auch, der nach etwas mehr als zwei Minuten den ersten Treffer des Tages auf die Anzeigetafel brachte. Guter Start also für die Nordhessen und Lemgo, wie bereits am Vortag, kurzzeitig wieder in der Rolle des Jägers.

Die legten sie aber schnell ab. Christoph Theuerkauf und Andrej Kogut holten sich die Führung, Allendorf egalisierte aber umgehend. Die angesprochene Erfahrung auf den Flügeln stach also in der Anfangsphase, während Julius Kühn aus dem Rückraum zwei Versuche brauchte, um mit seinem ersten Erfolg das 3:3 zu erzielen (6.). Was nicht darüber hinweg täuschen konnte, dass es im Zusammenspiel erst einmal mächtig hakte. Felix Danner brachte einen Ball nicht unter Kontrolle, Domagoj Pavlovic überwarf Tobias Reichmann beim Passversuch auf Außen. Lemgo musste nicht viel tun, um in den eigenen Angriff zu kommen. Folgerichtig machte Jonathan Carlsbogard mit dem 5:3 die erste Zwei-Tore-Führung der Kiel-Bezwinger perfekt (10.).

Was in der ersten Viertelstunde, wie schon am Vortag gegen Hannover, die große Stärke der Melsunger war: die Abwehr stand nahezu perfekt. Immer zwischen kompakt am Kreis und diesem einen geschlossenen Schritt vor, der den Lipperländern die Räume eng machte. Zweimal blockte Finn Lemke, einmal Julius Kühn. Und weil es hinten so gut klappte und auch vorn plötzlich Lösungen gefunden wurden, holte Kai Häfner erst per Doppelschlag den Vorteil zurück zur MT und Tobias Reichmann baute auf 7:5 aus (16.). Ein 4:0-Lauf also, der für etwas Ruhe sorgte und Häfner im Tausch gegen Stefan Salger eine Verschnaufpause auf der Bank ermöglichte.

Knapp 20 Minute dauerte es, bis mit der Parade von Finn Zecher, der gerade erst für Peter Johannesson eingewechselt worden war, gegen Domagoj Pavlovic auch die erste positive Torhüter-Aktion zu vermerken war. Auf beiden Seiten, wohlgemerkt, denn auch Nebojsa Simic blieb ohne Strich auf dem Statistikzettel und musste kurz darauf den Platz für Silvio Heinevetter räumen. Als Analogie der Geschehnisse hielt auch der sofort seinen ersten Ball von Andreas Cederholm und lieferte damit seinen Anteil am Ausbau der MT-Führung durch Reichmann und Pavlovic auf 11:8 (22.). Was jedoch schnell wieder Makulatur war, weil erst Häfner nur die Latte traf, Kühn sich einen Ballverlust leistete, Zecher den nächsten Wurf hielt und schließlich Cederholm doch noch sein Tor machte: 11:11 (25.).

Kurios wurde es, als Kühn in seiner unnachahmlichen Art aus zehn Metern mit Urgewalt von Halbrechts abzog, der Ball von der Unterkante der Latte an den Innenpfosten prallte und sich von dort kommend über das Gesäß von Zecher doch noch den Weg zum 12:11 ins Netz suchte. Aber Lemgo ließ sich auch davon überhaupt nicht beeindrucken. Erst legte Lukas Zerbe das Leder an Heinevetter vorbei, dann trafen Frederik Simak, Carlsbogard und abermals Zerbe bei gleichzeitigen Fehlversuchen von Reichmann und Kühn – der TBV ging plötzlich sogar mit einer 15:12-Fhrung in die Pause.

Finn Zecher gehörte das erste Ausrufezeichen des zweiten Durchgangs, als er den Wurf von Kai Häfner abwehrte. Das zweite beanspruchte jedoch Felix Danner mit einem klasse Block für sich. Es waren also weiterhin die defensiven Aktionen, die im Vordergrund standen. So wie auch Heinevetters Rettungstaten gegen Isaias Guardiola und Jonathan Carlsbogard, der aber noch einen Siebenmeter herausholte. Bjarki Mar Elisson vollstreckte und Lemgo war bereits auf vier weg (35.). Dann waren aber schon wieder die Keeper dran: Zecher gegen Danner und Heinevetter gegen Theuerkauf.

Melsungen wartete bis zur 38. Minute auf den ersten Torerfolg nach dem Seitenwechsel. Häfner war es, der die Rot-Weißen erlöste und Danner legte nach: 16:14 (39.). Das zu einem Zeitpunkt, da Frederik Simak die erste Strafe der gesamten Partie absitzen musste. Denn das Finale war bis dahin absolut fair verlaufen, die Unparteiischen hatten bisher zu keiner Zeit Probleme oder kniffelige Situationen zu lösen. Dann allerdings waren es gleich zwei in kurzer Zeit, die beide zu Ungunsten der MT abliefen. Erst angelte sich Yves Kunkel einen Abpraller, soll aber beim akrobatischen Wurf ins Netz im Kreis gewesen sein und auf der anderen Seite kassierte Finn Lemke bei Theuerkaufs Tor zum 18:15 zusätzlich obendrauf eine Zeitstrafe. Melsungen kopflos und mit Ballverlust, Gedeon Guardiola mit Übersicht und dem 19:15 übers gesamte Feld ins verlassene Tor (44.).

Der entscheidende Faktor im Spiel blieb Lemgos Torhüter Finn Zecher. Auch gegen Marino Maric aus kürzester Distanz blieb er der Sieger und feierte seine mittlerweile neunte Parade. Umso mehr, als Arnar Freyr Arnarsson die zweite Strafe für die MT kassierte, in der Mitte die Bahn für Theuerkauf frei war und der sich die Chance nicht entgehen ließ: 20:15 für den TBV und sofort die Auszeit von Gudmundur Gudmundsson (48.). Die jedoch verpuffte, weil sich Julius Kühn in der Deckung festlief, den Ball verlor und Bjarki Mar Elisson prompt auf sechs Tore Vorsprung erhöhte – die Vorentscheidung (49.).

Zehn Minute blieben den Nordhessen noch, um das zu vollbringen, was Lemgo tags zuvor gegen den THW Kiel gelang: einen hohen Rückstand aufzuholen. Ein schwieriges Unterfangen, weil Zecher weiter bravourös hielt und Carlsbogard wie Cederholm spektakulär vollstreckten. Da nutzte es wenig, dass sogar Finn Lemke im Gegenstoß traf. Die Zeit lief auch davon, weil Lemgo jeden Ballbesitz gnadenlos bis ins Passivspiel zog. Als Finn Zecher schließlich gegen Tobias Reichmann seine zwölfte Parade ablieferte und Lemgo mit dem Spielstand von 26:21 in die letzten vier Minuten ging, war der Deckel sprichwörtlich drauf und gingen die Aktionen der verbleibenden Spielzeit nur noch als statistische Daten in die Finalhistorie ein.

Zuschauer: 2.000 in der Barclaycard Arena, Hamburg.

(MK)

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