Melsungen hat auch gegen Lemgo das Nachsehen

Melsungen hat auch gegen Lemgo das Nachsehen

 

Die MT Melsungen sehnt sich weiterhin nach einem Erfolgserlebnis. Denn auch gegen den TBV Lemgo Lippe reichte es der von zahlreichen Ausfällen gebeutelten Mannschaft am Donnerstagabend beim 18:23 (8:10) nicht für einen Punktgewinn. Vor 3.036 Zuschauern in der Kasseler Rothenbach-Halle sorgte eine schnelle Führung nicht für die nötige Ruhe. In einer von jederzeit fairen Abwehraktionen auf beiden Seiten geprägten ersten Hälfte fehlten zwar eindeutig Tore, für Spannung jedoch war ausreichend gesorgt. Das änderte sich nach dem Seitenwechsel jedoch, als die Gäste sich nach dem zwischenzeitlichen MT-Ausgleich binnen acht Minuten vier Tore Vorsprung beschafften. Von denen sie anschließend clever zehrten und die Punkte letztlich verdient mit ins Lipperland nahmen. Andre Gomes und Tobias Reichmann waren mit je drei Treffern die erfolgreichsten Melsunger Schützen, für Lemgo traf Bjarki Mar Elisson sechsmal.

Für die MT war im Unterschied zu den letzten Spielen so etwas wie kaum mehr gekannte Kontinuität im Kader angesagt. Doch diese eigentlich positive Aussage hieß auch, dass bis auf den nach kurzer Auszeit zumindest auf die Bank zurückkehrenden Marino Maric alles beim Alten blieb: praktisch eine komplette Feldbesetzung, darunter die komplette Spielmacher-Schaltzentrale mit Elvar Örn Jonsson, Domagoj Pavlovic sowie Talent Paul Kompenhans, fiel weiterhin aus. Was einmal mehr bedeutete, dass Yves Kunkel seinen angestammten Platz auf Linksaußen gegen den auf Rückraum Mitte tauschte.

Und von dort prompt erfolgreich war. Denn nachdem Nebojsa Simic beim ersten Wurf von Jonathan Carlsbogard seine Klasse unter beweis gestellt hatte, traf Kunkel, mit ein wenig Glück, gegen den dabei unglücklich aussehenden Peter Johannesson nach 90 Sekunden zur Führung für Rot-Weiß. Was Julius Kühn mit einem Rückraum-Hammer in den Winkel und Gleb Kalarash im Gegenstoß auf 3:1 ausbauten (5.). Ein kleiner Vorteil, der jedoch schnell wieder verspielt war. Weil Lemgo seine Deckungsarbeit sehr offensiv interpretierte, dabei unglaublich beweglich blieb und kaum ein Löchlein zum Durchbruch übrigließ. Bjarki Mar Elisson glich nicht nur per Siebenmeter aus, sondern zeichnete auch für die erfolgreich abgeschlossene erste Welle zum 4:5 verantwortlich (10.).

Belebend für Melsungen wirkte sich die frühe Hereinnahme von Andre Gomes für Julius Kühn aus. Der lieferte nicht nur das feine Anspiel auf Arnar Freyr Arnarsson zum 5:5 (14.), sondern holte kurz darauf auch einen Siebenmeter heraus – den Tobias Reichmann allerdings nicht an Peter Johannesson vorbeibrachte. Stattdessen stellten Frederik Simak und Jonathan Carlsbogard auf 5:8 (18.). Einem Geniestreich glich dann der sechste MT-Treffer. Da tauschten nämlich Kai Häfner und Tobias Reichmann kurz entschlossen die Positionen. Und noch bevor sich die Lemgoer Deckung so richtig orientiert hatte, war der nominelle Rechtsaußen über die rechte Rückraumposition an den Kreis durchgebrochen und hatte völlig freie Bahn. Ein Tor mit Nachhall, denn gegen eine noch immer irritierte blaue Hintermannschaft sorgten Andre Gomes und erneut Arnar Freyr Arnarsson für den 8:8-Ausgleich (22.).

Die Torhüter spielten auch mit. Und wie! Erst feierte Nebojsa Simic gegen Tim Suton seine bereits fünfte Parade, direkt im Gegenzug zog Peter Johannesson ihm gleich. Es war die erwartete enge Partie „auf Augenhöhe“, in der TBV-Coach Florian Kehrmann mit dem taktischen Mittel des siebten Feldspielers zu punkten versuchte. Mit dem Erfolg, dass Tim Suton die sechsminütige Torflaute mit dem 8:9 beendete (24.). Mehr war zunächst nicht drin, weil Gleb Kalarash hinten selbst bereits verloren geglaubte Abpraller nicht aufgab. Allerdings baute Johannesson sein Paradenkonto weiter aus, so dass an eine echte Wende nicht zustande kam. Mit dem zweiten gehaltenen Siebenmeter, diesmal geworfen von Julian Fuchs, avancierte der Schwede zum Garanten der Lemgoer Zwei-Tore-Führung zur Pause.

Der Auftakt zum zweiten Durchgang gehörte dann jedoch den Gastgebern. Durch das 9:10 durch Kai Häfner, den von Julius Kühn geholten Abpraller nach Jonathan Carlsbogards Lattenkracher, die Glanzparade von Nebojsa Simic gegen Gedeon Guardiola und Yves Kunkels Ausgleich zum 10:10 (33.). Genug Erfolgserlebnisse eigentlich, um Selbstvertrauen zu tanken. Da spielte jedoch Bjarki Mar Elisson nicht mit. Der bekam drei Chancen und nutzte sie alle eiskalt zum 11:13 (38.). Auch Peter Johannesson hatte etwas gegen Melsunger Ambitionen jeglicher Art, parierte glänzend gegen Julius Kühn und kurze Zeit später gegen Kai Häfner. Dazwischen lag ein Elisson-Siebenmeter, der per Aufsetzer an der Latte landete und eine weitere Monsterparade von Simic gegen Lukas Zerbe im Nachwurf. Der sein Versäumnis mit einem anschließenden Doppelschlag zum 11:15 (41.) jedoch sofort wieder ausbügelte.

Der Versuch der MT, ihrerseits mit sieben Feldspielern zum Erfolg zu kommen, lief nicht gut. Zwar ging es für die Rot-Weißen wie geplant ohne Torhüter weiter, aber wegen eines Wechselfehlers dennoch mit nur sechs Akteuren im Feld. Glück aber, dass Tim Sutons Wurf erst gegen den Pfosten und von dort ans Bein des zurückgesprinteten Simic prallte. Es lief für die MT längst nicht mehr so rund wie noch zu Beginn der zweiten Halbzeit, auch Lemgo suchte nach seiner Linie. Immerhin stach die Karte Andre Gomes. Der passte erst erfolgreich auf Gleb Kalarash an den Kreis und vollendete anschließend auch selbst zum 13:16 (46.).

Das Spiel mit sieben Feldspielern blieb weiterhin Roberto Garcia Parrondos Mittel der Wahl, Alexander Peterssons 14:17 (48.) gab ihm Recht. Andre Gomes wartete dann nach Defensiv-Ballgewinn von Michael Allendorf gar nicht erst auf das Einwechseln, sondern jagte das Leder ohne viel Spielerei mit fast 127 km/h an Johannesson vorbei zum 15:17 in die Maschen (49.). Doch auch die nächste sensationelle Simic-Parade gegen Frederik Simak taugte nicht als Initialzündung. Dazu war das Offensivspiel der Nordhessen zu fehlerbehaftet, wechselten sich Offensivfouls, Schrittfehler und ungenaue Abspiele in zu kurzer Folge ab.

Folgerichtig zog Lemgo erneut davon und war spätestens mit Bobby Schagens 16:20 (56.) auf die Siegerstraße eingebogen, zumal auch die MT-Deckung nach Arnarssons Zeitstrafe Lücken offenbarte. Jonathan Carlsbogard hatte keinerlei Kontakt, als er bei neun Metern hochstieg und sich die Ecke für das 17:21 (57.) aussuchen durfte. Zum 18:22 wurde Tim Suton in bester Kempa-Manier von Bobby Schagen bedient und das 18:23 (59.) machte Gideon Guardiola ins von Simic verlassene, leere Melsunger Tor. Der Schlusspunkt unter den nächsten gebrauchten Abend einer Melsunger Mannschaft, der es vorrangig an zündenden Ideen fehlte.

Stimmen zum Spiel

Roberto Garcia Parrondo: Glückwunsch an Florian und den TBV zum Sieg. Lemgo war besser als wir und hat absolut verdient zwei Punkte geholt. Mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen heute Abend. Natürlich ist unsere Situation hinlänglich bekannt. Wir müssen immer wieder darüber nachdenken und versuchen, unsere Lage irgendwie zu verbessern. Den Spielern kann man kaum einen Vorwurf machen, die haben auch heute wieder gekämpft. Aber das allein hat leider nicht gereicht.

Florian Kehrmann: Das Spiel heute hatte Höhen und Tiefen. Es war sicher das, was man ein ziemlich zähes Spiel nennt. Wir mussten gleich zu Anfang eine mögliche Euphorie Melsungens wegnehmen und haben es auch geschafft, Julius Kühn und Kai Häfner weit genug vom Tor wegzuhalten. Auch wir hatten Aktionen, in denen wir Fehler gemacht haben. Trotzdem ging uns die Übersicht nicht verloren. In die zweite Halbzeit kamen wir dann erst nicht gut rein, haben uns dann aber ein Polster aufbauen können, was uns dann natürlich geholfen hat. Ich bin stolz auf meine Mannschaft und glücklich über die zwei Punkte.

Zuschauer: 3.036 in der Rothenbach-Halle, Kassel.
Die nächsten MT Spiele:
SA., 04.06.22, 16:30 Uhr, Bergischer HC – MT Melsungen, Uni Halle Wuppertal
MI., 08.06.22, 19:05 Uhr, MT Melsungen – HSG Wetzlar, Rothenbach-Halle Kassel

Info: MT-Pressedienst      © Fotos: M.Kittner

M.Kittner

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