MT: ES HAT NICHT GANZ GEREICHT

ES HAT NICHT GANZ GEREICHT – MT UNTERLIEGT DEN RHEIN-NECKAR LÖWEN 23:26
Die Überraschung blieb aus. Mit 23:26 (13:12) unterlag die MT Melsungen den Rhein-Neckar Löwen vor 4.300 Zuschauern in der restlos ausverkauften Kasseler Rothenbach-Halle. Nach einer starken Anfangsphase mit bis zu fünf Toren Vorsprung entpuppte sich die Abwehrumstellung der Gäste auf eine offensive Variante gegen Lasse Mikkelsen zum entscheidenden Faktor. Melsungens Regisseur war mit sechs Toren dennoch erfolgreichster Melsunger, für die Löwen erzielte Steffen Fäth sieben seiner acht Tore bereits im ersten Durchgang.

Mit einem starken Auftakt sog die MT von der ersten Sekunde an die Fans mit. Ob das der erste Treffer des erstmals seit langer Zeit wieder in der Startformation aufgebotenen Simon Birkefeldt war, der Block von Finn Lemke gegen Andy Schmid, der nächste Torerfolg durch Yves Kunkel über die erste Welle, die Parade von Nebojsa Simic gegen Steffen Fäth, das 3:1 durch Lasse Mikkelsens Schlagwurf – es passte fast alles. Und nach simic‘ nächster Glanztat mit anschließendem weitem Pass auf Yves Kunkel und dessen Vollendung zum 4:1 war nicht nur der Lärmpegel oben, sondern auch Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen. Genau 4:48 Minuten waren gespielt, da lag die erste Grüne Karte zur Auszeit der Löwen.

Überragend stand die Deckung, unwiderstehlich agierte der Angriff. Die Löwen endeten im Zeitspiel, vorn zog Birkefeldt den Siebenmeter, Lasse Mikkelsen verwandelte sicher zum 5:1 (7.). Melsungens Regisseur war überhaupt nicht in den Griff zu bekommen. Ihm gehörte das 6:2 mit dem nächsten Schlagwurf nach Vorarbeit von Roman Sidorowicz und frenetischer Jubel für ein Anspiel auf Marino Maric hinter dem Rücken, das wieder im Siebenmeter endete. Der Schütze von der Linie zum 7:2? Na logisch: Lasse Mikkelsen (11.). Und weil es so schön war, lieferte er das 8:3 nach einem weiteren Abwehr-Block gleich hinterher (13.).

Bei den Gästen bestand das Spiel in Richtung Kasten der MT fast ausschließlich aus Steffen Fäth. Der traf mit dem 8:4 schon zum dritten Mal. Da hatte sich Andy Schmid bereits aufgerieben, saß auf der Bank und hatte die Regie Mads Mensah übertragen. Was jedoch erst Früchte trug, als Finn Lemke für ein normales Klammern gegen Jannik Kohlbacher für zwei Minuten auf die Bank musste. Mensah rochierte nach rechts, riss damit die Lücke in der Mitte für Fäth und der machte mit seinem schon fünften Treffer das 10:7 (19.).

Den nächsten Applaus erhielt Domagoj Pavlovic, der nach einer Auszeit gemeinsam mit Michael Müller ins Spiel kam. Er zog auch sofort ein Foul, bekam den Siebenmeter aber nicht. Stattdessen nutzte Patrick Groetzki die auslaufende Überzahl zum 10:8 (21.). Es war Feuer drin in der Partie, praktisch jede Aktion auf beiden Seiten bot genug Zündstoff, um die Volksseele hochkochen zu lassen. Oft genug zu Ungunsten der Gastgeber, so dass die Löwen nach Jannik Kohlbachers Gegenstoß zum 11:10 wieder Anschluss hatten (24.).

Während sich Lasse Mikkelsen durch die auf 5:1 umgestellte Abwehr der Gäste von Filip Taleski in seinem Wirkungsradius beschnitten sah, konnte Steffen Fäth weiter schalten und walten. Das 12:11 war sein siebter Streich (26.), Vladan Lipovina gelang nach Lasse Mikkelsens Lattenkracher, nach dem der Ball unter dem Dach auf der Lüftungsanlage verschollen blieb, sogar der Ausgleich. Eher Yves Kunkel die Führung für Rot-Weiß praktisch mit der Pausensirene zurückholte.

Der Auftakt zur zweiten Hälfte gehörte „Simo“ und Simon. Der MT-Schlussmann blieb Sieger gegen Steffen Fäth, der Linkshänder traf wie schon in Durchgang eins als erster ins Netz zum 14:12 (32.). Weil es ihm aber Löwen-Linkshänder Vladan Lipovina nachmachte, Andreas Palicka gegen Roman Sidorowicz klärte und Mads Mensah traf, war der Ausgleich schnell gemacht (34.). Danach ging es Schlag auf Schlag, gipfelnd in drei Toren innerhalb von nicht einmal 30 Sekunden. Für Melsungen waren Yves Kunkel und Finn Lemke erfolgreich, für die Löwen zweimal Mads Mensah – 16:16 (36.).

Dann riss der Faden bei den Gastgebern. Zweimal war Andreas Palicka zur Stelle, einmal blieb ein Stürmerfoul von Filip Taleski an Roman Sidorowicz ungestraft, einmal brachte Lasse Mikkelsen ein Zuspiel nicht unter Kontrolle. In der gleichen Phase bewahrten die Gäste kühlen Kopf, hatten die Geduld auf Lücken zu warten und kamen nach Vladan Lipovinas Doppelschlag ohne wirklich große Mühen zu einer 19:16-Führung. Erst Simon Birkefeldt unterbrach diesen Lauf (40.), vermochte damit die Löwen aber nicht zu stoppen. Das tat erst Trainer Heiko Grimm mit der Grünen Karte nach Patrick Groetzki 17:21 (44.).

Johan Sjöstrand kam für Simic, Domagoj Pavlovic bekam die nächste Chance. Der eine hielt bravourös, der andere traf. Ohne Hallo-Wach-Effekt allerdings. Dazu stand die Deckung der Löwen mittlerweile zu stabil und hatte die MT das Wurfpech gepachtet. Nach Lasse Mikkelsens Wurf an den Innenpfosten und wieder raus ereilte Roman Sidorowicz das gleiche Schicksal. Jerry Tollbrings Versuch landete ebenfalls am Holz, sprang von dort aber ins Netz – 18:24 (50.).

Die Melsunger gaben nicht auf, kamen nach Finn Lemkes 20:24 und Johan Sjöstrands zwei Paraden gegen Steffen Fäth auch zu weiteren Möglichkeiten, vertändelten die Bälle aber im Vorwärtsgang überhastet. So dass Jannik Kohlbachers Tor, die anschließend monierte falsche Sperre von Marino Maric und noch einmal Kohlbacher zum 20:26 die Vorentscheidung brachten (55.). Den Rest besorgte Palicka gegen Yves Kunkel, so dass die Gäste von ihrem Vorsprung in den verbleibenden Minuten trotz kleinem Endspurt der Rot-Weißen locker über die Ziellinie bringen konnten.

Stimmen zum Spiel

Heiko Grimm: Glückwunsch an die Rhein-Neckar Löwen zum verdienten Sieg. Wir haben furios begonnen. Das war auch unser Plan. Wir wollten das Spiel genießen und die Halle mit jeder positiven Aktion ein Stück mitnehmen. Aber es lief dann wohl ei wenig zu gut und plötzlich hatten wir was zu verlieren. Das ist das, was wir aus dieser Niederlage jetzt mitnehmen müssen: wir müssen Vertrauen in unsere eigenen Stärken haben. Auch wenn der Gegner mal auf zwei rankommt, denn wir haben ja die Qualität, wie man gesehen hat. In der zweiten Halbzeit sind wir dann an der Abwehr der Löwen und an Palicka gescheitert. Wir haben es in den entscheidenden Situationen nicht geschafft, die Halle mitzunehmen. Das müssen wir jetzt abhaken und uns für die nächsten aufgaben wieder auf unsere Stärken besinnen.

Nikolaj Jacobsen: Wir sind nach einem schwierigen Auftakt nicht richtig in Schwung gekommen. Lasse Mikkelsen hat da gemacht, was er wollte. Das wurde erst nach unserer Umstellung auf eine 5:1-Abwehr besser. Nach 15 Minuten haben wir schließlich bessere Lösungen gefunden. Das war heute ein Tag, wo Andy Schmid nicht so gut drauf war. Aber dafür haben Mads Mensah und Patrick Groetzki gute Lösungen gefunden. In der Phase, als wir mit fünf oder sechs Toren weggezogen sind, hatten wir auch viel Glück. Da hat Melsungen mehrfach nur den Pfosten getroffen, sowas kann schnell mal einen anderen Weg gehen. So war unser Sieg zwar verdient, aber auch ein wenig glücklich. Ich bin sehr zufrieden, wie die Mannschaft das nach dem Rückstand noch gedreht hat.

Axel Geerken: Wir wollen schon sehr gern Platz fünf halten. Aber gegen die Rhein-Neckar Löwen ist es immer schwer zu gewinnen, so dass das heute mehr ein Bonus-Spiel für uns war. Aufgrund der Umstellungen der Löwen im Spiel wurde es für uns zunehmend schwieriger. Jetzt haben wir die nächste anspruchsvolle Aufgabe in Flensburg vor uns, aber warum soll uns da nicht auch mal was gelingen? Ansonsten ist es unser Bestreben, möglichst viele der noch ausstehenden Begegnungen zu gewinnen, um Platz fünf zu sichern und dann in der nächsten Saison im EHF-Cup zu spielen.

Oliver Roggisch: Ich wurde vor dem Spiel interviewt, ob es für uns jetzt überhaupt noch um irgendetwas ginge in der Meisterschaft. Ja, habe ich geantwortet, der dritte Platz ist uns schon wichtig. Für den Verein, für die Sponsoren, für die Fans, für eigentlich alle. Ich muss heute unseren Trainer mal loben. Das kommt bei uns beiden nicht häufig vor, aber heute hat jede seiner Entscheidungen gefruchtet. Steffen Fäth hat ein Riesenspiel gemacht und unsere Mannschaft hat gezeigt, dass sie auch mal ohne Andy Schmid gewinnen kann.
Info: MT- Pressedienst                             ©Fotos: M.Kittner

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