MT mit Rumpfkader schrammt in Erlangen knapp an Überraschung vorbei

Denkbar knapp hat die MT Melsungen im Auswärtsspiel in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga in kleiner Besetzung eine Überraschung verpasst. Ohne vier Stammkräfte verloren die Nordhessen nach 16:15-Halbzeitrückstand mit 30:31. Dabei hätte das Spiel beim 30:30, zwei Minuten vor Schluss, auch in Richtung der Gäste kippen können. Doch wie so oft in solch engen Duellen, waren auch hier Kleinigkeiten entscheidend. Und so schlugen die Erlanger in der Crunchtime aus zwei Melsunger Fehlversuchen jeweils Kapital und hatten damit das bessere Ende für sich. Beste Torschützen vor 3.358 Zuschauern in der Arena Nürnberger Versicherung waren Antonio Metzner (7) für den HCE und Kai Häfner (7), Domagoj Pavlovic (7) und Tobias Reichmann (7/5) für die MT. Schon am Sonntag wartet der Rekordmeister und frisch gekürte DHB-Pokalsieger THW Kiel auf die MT Melsungen.

Die MT stieg mit Yves Kunkel, Julius Kühn, Domagoj Pavlovic, Kai Häfner, Tobias Reichmann, Gleb Kalarash und Nebojsa Simic in das Spiel ein, musste aber im ersten Angriff der Hausherren gleich den ersten Gegentreffer hinnehmen. Nach jeweils einem vergeblichen Vorstoß hüben und drüben egalisierte “Domba” Pavlovic zum 1:1 (2.). Der mögliche abermalige Ausgleich zum 2:2 war den Nordhessen nicht vergönnt – Julius Kühn hatte nach einem Foul von Nico Büdel eigentlich einen Siebenmeter verdient.

Fünf Minuten später war es dann soweit, die MT war beim 3:3-Ausgleich durch C wieder dran und nutzte den leichten Rückenwind umgehend zur ersten Führung durch Tobias Reichmann zum 3:4 (11.). Erlangen stockte zwischendurch, unter anderem, weil Christoph Steinert einen Strafwurf an den Pfosten gesetzt hatte.

In der Folge blieb das Spiel eng. Beide Abwehrreihen inklusive der jeweiligen Torhüter waren recht aufmerksam, machten den gegnerischen Angreifern das Leben durchaus schwer. Dabei agierte die MT, bei der jeweils Arnar Freyr Arnarsson für Domagoj Pavlovic kam, etwas offensiver als deren Pendant auf der anderen Seite. Dennoch fanden kreative Akteure wie Tobias Reichmann aus spitzestem Winkeln oder zweikampfstarke wie Domagoj Pavlovic zwischenzeitlich immer wieder Lücken, die sie zu Torerfolgen nutzen konnten.

Insofern bestand für Melsungen auch bei zwei oder drei Toren Rückstand (9:7, 15.; 11:8, 20.) noch keine Gefahr, ernsthafter ins Hintertreffen zu geraten. Unter anderem, weil Pavlovic nach lehrbuchmäßigem Eins-gegen Eins zum 11:9 verkürzte und er nach eine Glanztat von Nebojsa Simic gegen Simon Jeppsson mit einem gefühlvollen Heber zum 11:10 aufschloss.

Nebojsa Simic’ Gegenüber, Klemen Ferlin, kaufte mit einer Blitzreaktion Julius Kühn einen guten Wurf ab und sorgte so dafür, dass Christopher Bissel zu einem erfolgreichen Gegenstoß starten konnte. Damit ging Erlangen kurz vor der Halbzeitpause mit 15:13 nach vorn. Den leichten Vorsprung verteidigten die Franken dann bis zum Gang in die Kabinen (16:15), den Anschlusstreffer hatte Gleb Kalarash besorgt.

Den besseren Start in die zweite Spielhälfte hatten die Nordhessen. Julius Kühn und wieder Gleb Kalarash drehten den Rückstand binnen 100 Sekunden zu einer 16:17-Führung. Die der lange Simon Jeppsson zwar kurz darauf ausglich, aber beim Melsunger Gegenangriff durch ein Foul an Gleb Kalarash einen Strafwurf verursachte und sich damit auch noch eine Zeitstrafe einhandelte. Tobias Reichmann, supersicherer Strafwurfschütze, verwandelte, Domagoj Pavlovic legte nach und die MT hatte in der 35. Minute wieder die Nase vorn (17:19). Erlangens Trainer Raoul Alonso reagierte prompt und nahm ein Timeout.

Keine Frage, der HCE schwächelte jetzt etwas. Und die MT nutzte die Gunst der Stunde. Erst wies Nebojsa Simic Simon Jeppsson und kurz darauf Christoph Steinert in die Schranken. Auf der anderen Seite zog Domagoj Pavlovic seinen Gegenspieler zum Siebenmeter, den Tobias Reichmann souverän zum 17:20 verwandelte (38.). Für die MT lief es trotz fast nicht vorhandener Wechselmöglichkeiten im Rückraum besser als gedacht. Ja, es machte sich in diesem Moment sogar das Gefühl breit “Da geht heute was!”.

Selbst als der Vorsprung beim 20:21 (42.) fast wieder aufgebraucht war, hielt sich diese Einschätzung. Denn einmal mehr war es Domagoj Pavlovic, der nach toller Finte auf 20:22 stellte. Als Erlangen jedoch nach einem 3:0-Lauf (Metzner, Bissel, Firnhaber) mit 23:22 wieder Oberwasser hatte, sah Roberto Garcia Gefahr im Verzuge und legte den Grünen Karton. Die Ansprache fruchtete zunächst – Arnar Freyr Arnarsson netzte nach Wiederanpfiff zum 23:23-Ausgleich ein (46.).

So ganz verinnerlicht hatte die MT dann aber scheinbar des Trainers Appell “Kein Risiko!” doch nicht. Denn statt vorne besonnen weiterzuspielen, schlich sich plötzlich Bruder Leichtfuß ein. Ein vertändelter Angriff ermöglichte dem Ex-Melsunger Johannes Sellin einen Gegenstoß zum 25:23 (46.). Woraufhin sich die Gäste zum Glück wieder fingen. Ein starkes Kreisläufertor von Arnar Freyr Arnarsson, eine Parade von Nebojsa Simic gegen den frei vor ihm auftauchend Christopher Bissel und ein souverän erzielter Treffer von Kai Häfner erzwangen eine erneute Pattsituation (25:25, 48.).

Das Spiel insgesamt wurde nun etwas hektischer, kleinere Ungenauigkeiten passierten hüben wie drüben. Tore fielen aber weiter in schöner Regelmäßigkeit. Auch, weil beide Abwehrreihen nun nicht mehr so konsequent agierten, wie noch in der vorangegangenen Dreiviertelstunde. Der HCE legte jetzt jeweils vor, aber die MT blieb ihm auf den Fersen: 29:29-Ausgleich nach Siebenmetertor von Tobias Reichmann (55.) und 30:30-Ausgleich nach Rückraumtreffer von Kai Häfner (58.). Damit war endgültig die Crunchtime angebrochen und die Frage aufgeworfen: Wer hat jetzt die stärkeren Nerven?

Zunächst Antonio Metzner. Der Halbrechte war nach Anlaufschwierigkeiten in der zweiten Halbzeit richtig aufgetaut und von der MT-Defensive kaum unter Kontrolle zu bringen. Wie auch diesmal bei seinem Tor zum 31:30 (58:24 Min.). Der folgende Gegenangriff der Melsunger hätte dann eigentlich sitzen müssen. Zumal das eigene Tor zugunsten eines siebten Feldspielers verwaist war. Leider wurde Julius Kühns Wurf abgewehrt und so hatte Christopher Bissel keine Mühe, den Ball im leeren Melsunger Gehäuse zum 32:30 unterzubringen. Restspielzeit: 56 Sekunden – drei Würfe sollten noch folgen.

Zunächst setzt der bis dahin überaus erfolgreiche Domagoj Pavlovic einen Ball an den Pfosten. Im Gegenzug unterläuft Johannes Sellin ein technischer Fehler. Dann scheitert Tobias Reichmann frei von Rechtsaußen an Klemen Ferlin. Und das praktisch mit dem Schlusspfiff erzielte Tor von Yves Kunkel zum 32:31 hat dann nur noch statistischen Wert.

MT-Kapitän Kai Häfner im Sky-Interview:
“Das Spiel hatte viele Höhen und Tiefen. Es war ein Spiegelbild der letzten Wochen. Es tut sehr, sehr weh, weil wir wieder mit einem Tor verloren haben und an uns selbst gescheitert sind. Dabei haben wir eigentlich es ganz gut gespielt, machen aber viele freie Würfe nicht rein, sind in der Abwehr nicht kompakt genug und bekommen zu viele Gegentore. Das sind bei so einem knappen Spiel dann Kleinigkeiten, die Erlangen heute besser gemacht hat”.

HC Erlangen – Melsungen 32:31 (16:15)

Zuschauer: 3.358, Arena Nürnberger Versicherung, Nürnberg

Die nächsten Spiele:
So., 01.05..22, 16:05 Uhr, THW Kiel – MT Melsungen, Wunderino Arena Kiel
Do., 05.05.22, 19:05 Uhr, MT Melsungen – TSV Hannover-Burgdorf, Rothenbach-Halle Kassel

(MK)

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