100 Kunstwerke: Thermofotografie (42)

Kreuzfahrtschiff auf dem Rhein

Wieder einmal besuchen wir einen Künstler, dessen Werk nicht alltäglich ist. Was auf den ersten Blick nur wie Fotos mit ungewöhnlichen Farben wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als etwas völlig Anderes. Wärmebilder sind eben nichts, was wir mit unseren Sinnen direkt erfassen könnten.

Unter dem Dach des Critical Arts Ensembles mit ihrem Motto „Winning Hearts and Minds“, die jeden Tag einem anderen Künstler genau eine Stunde Zeit einräumen, seine Werke zu zeigen, präsentierte am Samstag Klaus Mühlhausen seine „Thermo-Art“. Es sind alltägliche Gegenstände, die er mit einer besonderen Camera fotografiert. Obwohl „fotografieren“ schon den ersten Irrtum aufkommen lässt, denn dieser Begriff suggeriert eine Nähe zur „normalen“ Fotografie, die nicht in allen Punkten gegeben ist. Klaus Mühlhausen legt daher großen Wert darauf, dass die Technik im Vergleich mit der herkömmlichen Fotografie doch nennenswert anders ist. So wird für jeden Bildpunkt eben nicht die Helligkeit des sichtbaren Lichtes, sondern die Temperatur gemessen. Dementsprechend sind auch bekannte Begriffe wie „Verschlusszeit“ hier nicht anwendbar. Und das Equipment liegt deutlich im 5stelligen Euro-Bereich.

Auch die Bilder sind anders, und nicht selten fällt mein scheinbar geübter Blick auf etwas herein, das nur vordergründig wie etwas Bekanntes aussieht. Die Erwartungshaltung führt den Beobachter in die Irre, und so kommt der Aha-Effekt erst, wenn erklärt wird, was wirklich auf dem Bild zu sehen ist. Daher gehört das Gespräch mit dem Künstler fast zwangsläufig dazu. Das Boot im obigen Bild befindet sich tatsächlich auf dem Wasser, aber schon die „Wolken“ im Hintergrund sind in Wahrheit Bäume am anderen Ufer. Wolken würden in aller Regel keine Wärme abstrahlen, lautet die Erklärung, weshalb sie auf dem Bild auch gar nicht zu sehen wären.

Terrakotta-Armee

Die weiße Farbe des Bootes entspricht der Erwartungshaltung, denn Boote sind meistens weiß. Aber auch wenn das Boot knallrot gestrichen wäre, würden wir in diesem Bild vermutlich doch nur eine weiße Fläche sehen. Wasser und Himmel sind blau, weil sie kalt sind, die Fenster des Bootes schimmern orange, da im Innern die Heizung arbeitet. Alles ist anders. Was erst wie eine Szene im Hochsommer erschien, wurde im Winter aufgenommen.

„Und sie leben doch!“

Auch die Terrakotta-Armee hält Überraschungen für uns bereit. Vielleicht haben wir mal gelernt, dass lebende Objekte Wärme abstrahlen, während tote Objekte sich der Umgebungstemperatur anpassen. Doch was sind das für seltsame gelbe Bereiche auf den Köpfen der Soldaten? Leben sie etwa doch? Was sich wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Film anfühlt, hat in Wirklichkeit eine ganz einfache Erklärung. Die Schädelplatte der Figuren besteht aus einem anderen Material als der Rest, welches eine anderes Verhalten bezüglich der Wärmeaufnahme und -rückstrahlung hat.

Leben tun allerdings die Besucher, und für diese ist es fast die beste Attraktion, sich selbst im Monitor der Wärmebildcamera betrachten zu können. Manche schneiden Grimassen, andere wundern sich über ihre blaue Nase. Unsere Bildergalerie zeigt einen kleinen Ausschnitt aus der großen Vielfalt.

Auf der Website des Künstlers können Sie weitere Thermofotografien betrachten und auf Wunsch auch erwerben.

Geo:

(Sf)

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