„Klug. Schnell. Falsch.“ – KI zwischen Hype und Handwerk
„Klug. Schnell. Falsch.“ Drei Worte, die den Abend im gut besuchten Schülerforschungszentrum Nordhessen (SFN) treffender kaum hätten zusammenfassen können. Im Rahmen der beliebten Veranstaltungsreihe „Pizza with the Pro(f)“ strömten so viele Interessierte ins SFN, dass der Raum bis auf den letzten Platz gefüllt war. Der Grund für den Andrang: Dr. Normann Günther und sein ebenso pointierter wie schonungsloser Blick auf den aktuellen Umgang mit Künstlicher Intelligenz.
Im Zentrum des Vortrags stand eine Kernbotschaft, die einen empfindlichen Nerv der aktuellen KI-Debatte traf: der weit verbreitete Irrglaube, dass der bekannteste Name automatisch auch die beste Lösung liefere. ChatGPT als universelles Allheilmittel? Für Günther ein gefährlicher Trugschluss. Anhand konkreter Beispiele machte er deutlich, dass jedes KI-Modell eigene Stärken und Schwächen besitzt – sei es ChatGPT, Gemini 3 Pro, Flux, Gemini AI Nano Banana Pro oder Grox, um nur einige zu nennen. Wer diese Unterschiede ignoriere, überlasse das Ergebnis letztlich dem Zufall.
Erst das Verständnis der jeweiligen Eigenarten verwandle KI von einer unberechenbaren Blackbox in ein präzises Werkzeug. Gerade in einer Phase, in der ein intensiver Wettbewerb zwischen den Modellen herrscht, sei es entscheidend, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Denn was heute noch gehypt werde, könne morgen bereits überholt sein.
Besonders spannend waren die praxisnahen Einblicke in neue Arbeitsweisen mit KI. Modelle als Lektoren etwa: Ein KI-Modell erstellt einen Text, ein anderes überprüft ihn kritisch. Dieses gezielte Gegeneinandersetzen erweise sich als erstaunlich effektive Methode, um typische Fehler – oder das berüchtigte „Lügen“ der KI – deutlich zu reduzieren.
Ebenso entlarvend war das von Günther beschriebene Prompting-Paradox. Während viele Nutzer verzweifelt nach dem perfekten Prompt suchen, zeigt die Realität inzwischen ein anderes Bild: Moderne KI-Systeme sind häufig selbst besser darin, sinnvolle Prompts zu generieren, als ihre menschlichen Anwender.
Am Ende blieb der Eindruck eines Abends, der den Blick auf Künstliche Intelligenz nachhaltig schärfte. Statt sie als magische Blackbox zu verklären, lernten die Besucher im SFN, KI als differenziertes, lernbares Werkzeug zu begreifen.
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