Städtische Wärmeinseln im Fokus: Klimavortrag beim Future Space

Städtische Wärmeinseln im Fokus: Klimavortrag beim Future Space

Der Klimawandel macht Hitze in Städten zu einer wachsenden Herausforderung. Warum heizen sich Städte stärker auf als ihr Umland, und welche Faktoren bestimmen das lokale Stadtklima? Diesen Fragen ging Prof. Dr. Britta Jänicke im Rahmen der Vortragsreihe „Donnerstag für Neugierige“ im Future Space nach und stellte dabei aktuelle Daten aus dem Stadtklimamessnetz der Universität Kassel vor.

Den Auftakt bildete ein Blick auf den Rekordsommer 2026 in Hessen: Der Juni war der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881, die Mitteltemperatur lag 3,7 Grad über dem langjährigen Klimamittel. In Bad Nauheim wurde ein neuer hessischer Temperaturrekord gemessen, während der Niederschlag mit nur 57 Prozent des Klimamittels deutlich unter dem Durchschnitt blieb.

Jänicke erläuterte, wie Städte über verschiedene Elemente wie Regen, Sonneneinstrahlung, Vegetation, Wind und versiegelte Flächen das lokale Klima beeinflussen, etwa durch Speicherung und Transport von Wärme und Feuchtigkeit sowie durch veränderte Windströmungen. Anpassungsmaßnahmen wirken dabei auf verschiedenen Ebenen zusammen, vom Innenraumklima über das Mikro- und Lokalklima bis hin zum großräumigen Mesoklima und der allgemeinen Witterung. Auf individueller Ebene bleiben die Möglichkeiten oft begrenzt: Mieterinnen und Mieter sowie Beschäftigte am Arbeitsplatz können meist nur auf einfache Maßnahmen wie Nachtlüften oder Sonnenschutz mittels Sonnensegeln oder Sonnenschirmen zurückgreifen. Wirksamer sind übergeordnete Strategien in der Stadt- und Freiraumplanung.

Ein zentrales Problem sieht Jänicke in der bisher unzureichenden Datenlage: Bestehende Wetter- und Luftmessnetze, etwa vom Deutschen Wetterdienst oder Umweltbundesamt, liefern für Kassel nur wenige Messpunkte. Das städtische Smart-City-Messnetz schafft hier zusätzliche, feinmaschigere Datenpunkte.

Anhand von Messreihen aus dem Sommer 2026 zeigte Jänicke die Entwicklung von Hitzetagen und Tropennächten in Kassel auf, mit einem deutlichen Ausschlag am 26. und 27. Juni. An diesem Tag ließ sich die städtische Wärmeinsel besonders klar nachweisen: Nachts erreichte der Temperaturunterschied zwischen den Messpunkten bis zu 4 Grad, tagsüber wurden Differenzen von bis zu 7 Grad gemessen.

Wie sich Hitze konkret auswirkt, verdeutlichte ein Beispiel vom 13. Juli 2026, 15 Uhr, in Kassel: Bei einer Lufttemperatur von 32 Grad und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 37 Prozent lag die Oberflächentemperatur bei 43 Grad, die Strahlungstemperatur sogar bei 47 Grad, gemessen mit einem Kestrel 5400 Hitzestress-Tracker.

Als Fazit hielt Jänicke fest, dass ein ideales Stadtklima aus einer möglichst großen Vielfalt urbaner Mikroklimate in Gehnähe besteht, unter Vermeidung von Extremen zu allen Jahreszeiten. Als nächste Schritte kündigte sie die Auswertung der bisherigen Messdaten, deren Aufbereitung, die Fortführung des Messnetzes sowie eine Modellevaluierung an.

Landesförderung für den Future Space

Der Future Space freute sich zudem über einen Besuch von Wissenschaftsminister Timon Gremmels, der einen Förderscheck in Höhe von 4.000 Euro für das Jahr 2026 überreichte. In seinem Grußwort würdigte Gremmels die Rolle des Future Space als Ort, an dem Neugier wachse und Zukunft gestaltet werden könne. Die Vortragsreihe „Donnerstag für Neugierige“ trage dazu bei, eine offene Wissensgemeinschaft zu stärken, in der wissenschaftliche Erkenntnisse, Kreativität und Austausch Raum finden, gerade zu aktuellen Themen wie Klimaforschung und Künstlicher Intelligenz. Besonders hob der Minister den Schwerpunkt im MINT-Bereich hervor: Hier entstünden die Kompetenzen, die für die Lösungen von morgen gebraucht würden. Bereits früh werde so das Interesse an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik geweckt und jungen Menschen der Einstieg in ein naturwissenschaftliches Studium erleichtert. Dieses Engagement unterstütze das Land gern.

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