Leuchtende Nachtwolken über Kassel: Ein Blick in die obere Atmosphäre

Leuchtende Nachtwolken über Kassel: Ein Blick in die obere Atmosphäre

In den vergangenen Nacht konnten aufmerksame Beobachter in Nordhessen in der Dämmerung ein seltenes Naturphänomen am Nachthimmel entdecken: leuchtende Nachtwolken, auch Noctilucent Clouds oder kurz NLCs genannt. Sie erscheinen kurz nach Sonnenuntergang oder vor Sonnenaufgang als feine, silbrig bis bläulich schimmernde Schleier nahe dem Horizont und gehören zu den höchsten Wolken, die unsere Atmosphäre überhaupt hervorbringt.

Wie entstehen NLCs?

Leuchtende Nachtwolken bilden sich in der Mesosphäre, in einer Höhe von etwa 80 bis 85 Kilometern. Das ist weit oberhalb der gewöhnlichen Wetterwolken, die sich meist nur wenige Kilometer über dem Boden befinden. In dieser extrem dünnen und kalten Luftschicht, die im Sommer Temperaturen von unter minus 120 Grad Celsius erreichen kann, lagern sich winzige Eiskristalle an mikroskopisch kleinen Staubteilchen an. Diese Kondensationskerne stammen vermutlich teils von verglühten Meteoren, teils von vulkanischem Ursprung.

Sichtbar werden die Wolken nur unter besonderen Bedingungen: Die Sonne muss bereits unter den Horizont gesunken sein, sodass der Himmel in Bodennähe dunkel ist, während die Sonnenstrahlen die hoch gelegenen Eiskristalle noch von unten beleuchten. Dadurch entsteht der charakteristische, fast außerirdisch wirkende Schimmer. Die beste Beobachtungszeit liegt in den Sommermonaten zwischen Mai und August, wenn die Sonne in unseren Breiten nur flach unter den Horizont sinkt.

Fotografie-Tipp

Wer leuchtende Nachtwolken selbst fotografieren möchte, sollte den Blick etwa 30 bis 60 Minuten nach Sonnenuntergang Richtung  Nordwesten richten, also dorthin, wo die Sonne untergegangen ist. Ein Stativ ist Pflicht, da bei schwachem Licht längere Belichtungszeiten nötig sind. Eine gute Ausgangseinstellung ist eine Belichtungszeit von ein bis vier Sekunden bei Blende 2.8 bis 4 und ISO 400 bis 800. Wichtig ist eine ruhige Hand beim Auslösen oder besser ein Fernauslöser beziehungsweise Selbstauslöser, um Verwacklungen zu vermeiden. Wer die feinen, wellenartigen Strukturen der Wolken besonders gut einfangen möchte, sollte mehrere Aufnahmen im Abstand von wenigen Minuten machen, denn die Bewegung der NLCs lässt sich so eindrucksvoll dokumentieren.

Wo kann ich mich informieren, ob es diese Nacht eventuell NLCs gibt?

Eine sichere Vorhersage gibt es nicht, aber das OSWIN-Radar des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik in Kühlungsborn liefert einen guten Anhaltspunkt: Zeigt es vor Sonnenuntergang deutliche Echos aus der Mesosphäre, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass in der kommenden Nacht NLCs zu sehen sind.

Link: https://www.leuchtende-nachtwolken.info/vorhersage.htm

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