WhatsApp geht an Facebook — Was nun?

Nachdem der bekannte und beliebte Messenger „WhatsApp“ an Facebook verkauft wurde, ging ein Aufschrei durch die Netzgemeinde. Nun plötzlich scheint man sich sicher zu sein, dass die Chats abgehört werden. Doch wieso sollte das ausgerechnet dann der Fall sein, wenn Facebook seine Finger im Spiel hat? Und noch wichtiger: Wieso sind die Daten erst jetzt gefährdet?

Wann auch immer wir „im Netz unterwegs“ sind, wir müssen uns damit abfinden, dass nichts sicher ist, nichts mehr geheim. Das fängt bei eMails an, deren Sicherheitsfaktor ungefähr dem einer Postkarte entspricht. So wie der Briefträger theoretisch den Grußtext auf jeder Postkarte lesen könnte, so kann auch jede eMail im Netz mitgelesen werden. Natürlich nicht von jedem, denn wie der Briefträger die Postkarten auch nicht vor der Zustellung jedem Bürger dieser Welt vor die Nase hält, so wird auch eine eMail nur von bestimmten Servern im Netz weitergeleitet. Doch gerade dort, bei diesen virtuellen Briefträgern, setzen Abhörmaßnahmen an, und auch ein neugieriger Administrator könnte sich unbemerkt Zugang zu unseren Daten verschaffen. Aber das ist nicht erst seit gestern so, nicht erst, seit Facebook WhatsApp gekauft hat. Was also hat sich verändert?

Viele Leute scheinen das Datennetz genauso zu sehen, wie die üblichen Vertriebswege in „Real Life“. Wenn ein Postpaket oder ein Brief von Frankfurt nach Kassel transportiert wird, glaubt scheinbar niemand daran, dass die amerikanischen Dienste dieses Postsendung abfangen könnten. Wenn der Brief allerdings in New York Zwischenstation machen würde, sähe das anders aus. Glaubt man. Daraus folgt: Wenn ein Datenpaket nur innerhalb von Deutschland transportiert wird, dann ist es sicher und keine fremden Dienste können sich daran bereichern. Glaubt man. Und das glaubt sogar unsere „Hohe Politik“. Das ist allerdings eine komplette Illusion.

„WhatsApp wurde von zwei Typen gegründet, die zusammen vorher 20 Jahre als Computerfreaks bei Yahoo! Inc. gearbeitet haben“ schreibt WhatsApp selbst auf der Website http://whatsapp.com. Eine uramerikanische Firma also, ebenso wie Facebook. Warum sollte ausgerechnet Facebook unsere Daten gefährden, WhatsApp zuvor jedoch nicht? Dass Facebook durch WhatsApp einen Vorteil hat, bezweifelt natürlich niemand. Mark Zuckerberg ist kein Dummkopf, der mal eben 19 Milliarden Dollar für eine fixe Idee ausgibt. Im Grunde werden hierbei zwei verschiedene Datenpools zusammengeführt: Handynummern und deren Kontakte auf der einen Seite, Facebook-IDs und deren Kontakte auf der anderen Seite. Doch hatte die Facebook-App nicht auch schon Zugriff auf die Telefon-ID? Zumindest die Android-App fordert das Recht „Telefonstatus und -identität“ an. So grundlegend neu ist die Welt also nach diesem Deal nicht.

Alternativen

Im Moment scheint ein Hype darin zu bestehen, nach Alternativen zu WhatsApp zu suchen. Threema von der schweizer Firma Kasper Systems ist dabei einer der Favoriten. Dies hat einen guten Grund: Die Kommunikation wird durchgehend verschlüsselt, vom Absender bis zum Empfänger. Zwar behauptete WhatsApp auch, die Kommunikation zu verschlüsseln, doch bei näherem Hinsehen stellte sich heraus, dass nur der Weg zwischen Handy und dem Server verschlüsselt wurde. Auf dem Server lagen die Nachrichten dann unverschlüsselt vor. Damit sind sie potentiell für jeden lesbar, der dort herankommt. Für die Firma WhatsApp selbst, versierte Hacker und auch die Geheimdienste.

Damit sichergestellt ist, dass man auch mit dem richtigen Gesprächspartner verbunden ist, trifft man sich am besten einmal persönlich. Jeder scannt dann die Threema-ID des anderen, wodurch automatisch ein Adressbucheintrag erzeugt wird. Dieser ist dann mit drei grünen Punkten gekennzeichnet, was bedeutet, dass man sich über die Identität sicher sein kann. Man kann auch die ID des Gegenübers von Hand eingeben, dann bekommt sie nur einen roten oder zwei gelbe Punkte. Dennoch ist auch bei manueller Eingabe die Kommunikation von Beginn an verschlüsselt, und das ist ein gravierender Vorteil gegenüber anderen Lösungen.

Seit kurzem ist auch ein Gruppenchat möglich, so dass man auch mit mehreren Freunden sicher chatten kann.

Hintergrundwissen

Die NHR bereitet eine Reihe „IT-Sicherheit“ vor, mit der wir versuchen wollen, dem Laien auf einfache Weise solche Themen nahezubringen. Dabei legen wir besonderes Augenmerk darauf, Fachthemen allgemeinverständlich darzustellen. Bleiben Sie dran, wir melden uns.

© NHR 2014  Text: Sehfahrer

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