Abschied von Dr. Claudio Funke

Abschied von Dr. Claudio Funke

Mit großer Trauer nimmt die Redaktion der Nordhessen Rundschau Abschied von Dr. Claudio Funke, der am 2. Juli 2026 im Alter von 82 Jahren verstorben ist.

Mit ihm verliert Kassel einen leidenschaftlichen Kulturförderer, einen streitbaren Geist und einen Menschen, der das kulturelle Leben der Stadt über viele Jahre hinweg mit Ideen, Überzeugungskraft und außergewöhnlichem persönlichem Engagement bereichert hat.

Dr. Claudio Funke betrachtete Kunst und Kultur nicht als schmückendes Beiwerk einer Stadt. Für ihn waren sie Ausdruck von Identität, gesellschaftlicher Verständigung und gelebter Offenheit. Er wollte Menschen für Kunst begeistern, Künstlerinnen und Künstler sichtbar machen und Orte schaffen, an denen Begegnung und kultureller Austausch möglich wurden.

Zu seinen bedeutenden Verdiensten zählt seine Mitwirkung an der Entstehung der Kasseler Museumsnacht. Gemeinsam mit weiteren engagierten Persönlichkeiten entwickelte er Ende der 1990er Jahre die Idee für dieses neue Veranstaltungsformat. Im Jahr 1999 fand die erste Kasseler Museumsnacht statt. Was damals von manchen noch mit Skepsis betrachtet wurde, entwickelte sich zu einem der wichtigsten und beliebtesten Kulturereignisse der Stadt. Dr. Claudio Funke gehörte zu ihren Initiatoren und setzte sich auch in den folgenden Jahren immer wieder für ihre Weiterentwicklung ein.

Damit trug er entscheidend dazu bei, Kassels vielfältige Museumslandschaft stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Die Museumsnacht öffnete nicht nur die Türen zahlreicher Häuser bis tief in die Nacht. Sie führte Menschen zusammen, senkte Berührungsängste und ließ die Bedeutung Kassels als Museumsstadt auf besondere Weise sichtbar werden.

Auch mit seinen Publikationen richtete Dr. Claudio Funke den Blick auf die Stadt und ihre Menschen. Mit den Büchern „Kassel anders“ und „Kassel anders 2.0“ präsentierte er gemeinsam mit seinen Mitwirkenden ungewöhnliche Perspektiven auf Kassel. Dabei ging es ihm nicht um eine herkömmliche Darstellung bekannter Sehenswürdigkeiten, sondern um die vielen Persönlichkeiten, Geschichten und Orte, die den besonderen Charakter der Stadt ausmachen.

In der Galerie Salón Dynamique, die er gemeinsam mit seiner Frau Antje Skerra Funke in einer historischen Villa im Vorderen Westen betrieb, fand seine Liebe zur Kunst einen weiteren Ausdruck. Die Galerie war kein gewöhnlicher Ausstellungsraum. Kunst, Architektur, historische Einrichtungsgegenstände und persönliche Begegnungen verbanden sich dort zu einem besonderen Gesamterlebnis. Künstlerinnen und Künstler aus Kassel und weit darüber hinaus erhielten hier die Möglichkeit, ihre Werke in einem außergewöhnlichen Umfeld zu präsentieren.

Für die Redaktion der Nordhessen Rundschau war Dr. Claudio Funke über viele Jahre hinweg ein vertrauter und geschätzter Gesprächspartner. Mehrfach im Jahr meldete er sich bei uns, berichtete von neuen Ausstellungen, stellte Künstlerinnen und Künstler vor oder machte auf kulturelle Entwicklungen aufmerksam, die ihm am Herzen lagen.

Aus diesen Kontakten entstand ein regelmäßiger und lebendiger Kulturaustausch. Die Gespräche mit ihm waren niemals oberflächlich. Claudio Funke hatte eine klare Haltung und sprach offen aus, was er dachte. Er vertrat seine Ansichten nachdrücklich, manchmal unbequem, stets leidenschaftlich und immer aus dem tiefen Wunsch heraus, etwas zu bewegen.

Er war kein stiller Beobachter des kulturellen Lebens. Er mischte sich ein, entwickelte Ideen, stellte Verbindungen her und gab Menschen eine Bühne. Seine Begeisterung für Kunst war nicht nur in seinen Worten zu spüren, sondern in seinem gesamten Handeln.

Im Sommer 2022 besuchte die Nordhessen Rundschau die Ausstellung des nigerianischen Künstlers Olayanju Dada in der Galerie Salón Dynamique. Bei dieser Gelegenheit entstand eines unserer letzten Interviews mit Dr. Claudio Funke. Darin zeigte er sich so, wie viele Menschen ihn in Erinnerung behalten werden: interessiert, meinungsstark, voller Energie und mit einer ansteckenden Begeisterung für Kunst und Künstler.

Mit Dr. Claudio Funke verliert Kassel einen ganz besonderen Menschen. Sein Engagement für die Museumsnacht, seine publizistischen Projekte, seine Galerie und sein unermüdlicher Einsatz für Kunst und Kultur haben Spuren in dieser Stadt hinterlassen.

Auch der Redaktion der Nordhessen Rundschau wird er fehlen. Wir verlieren einen langjährigen Wegbegleiter, einen Impulsgeber und einen Menschen, mit dem uns zahlreiche Begegnungen und intensive Gespräche verbinden.

Unsere Gedanken und unser aufrichtiges Mitgefühl gelten seiner Frau Antje Skerra Funke, seiner Familie und allen Menschen, die ihm nahestanden.

In würdevoller Erinnerung zeigen wir Ihnen noch einmal einen Ausschnitt aus unserem Interview mit Dr. Claudio Funke aus dem Sommer 2022. Seine Stimme, seine klare Haltung und seine große Leidenschaft für die Kunst werden uns in Erinnerung bleiben.

Yasmin Schwarze

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