Earth Day im Fridericianum: „Living Earth“ von Tue Greenfort

Anlässlich des Umwelt- und Kulturfestivals zum Earth Day in Kassel präsentiert der dänische Künstler und documenta-13-Teilnehmer (2012) Tue Greenfort das Kunstprojekt „Living Earth“, das speziell für das Fridericianum konzipiert wurde. Der Titel ist Programm: Eine Tonne Erde auf dem Friedrichsplatz bildet den Ausgangspunkt für eine partizipative Intervention. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, kleine Skulpturen aus einer Handvoll Erde zu formen und so Teil eines gemeinschaftlichen kreativen Prozesses zu werden. Die entstandenen Figuren werden im Fridericianum auf einem Raster angeordnet und fügen sich nach und nach zu einem großen kollektiven Kunstwerk zusammen.
Symbolisch verweist das Projekt auf die Natur, die durch menschliches Handeln geformt und neu geordnet wird. Gleichzeitig wird Erde als schützenswerter Lebensraum erfahrbar gemacht – in einer einzigen Handvoll leben über eine Milliarde Organismen.
Die Teilnahme am Kunstprojekt sowie der Eintritt zur Ausstellung sind am Earth Day kostenfrei. Als Dank erhalten alle Teilnehmenden ein Zertifikat.
Andreas Hoffmann, Geschäftsführer der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, erklärt, dass das Projekt auf eindrucksvolle Weise die Wechselwirkungen zwischen Natur und menschlichem Eingreifen verdeutlicht. Nachhaltigkeit werde dabei nicht als abstrakter Begriff verstanden, sondern konkret in Materialien, Prozessen und lokalem Handeln sichtbar gemacht. Mit diesem Beitrag zum Earth Day unterstreiche das Fridericianum die Verbindung von Kunst, ökologischer Verantwortung und gesellschaftlichem Wandel.
Auch Moritz Wesseler, Direktor des Fridericianums, betont den gemeinschaftlichen Charakter des Projekts. Besucherinnen und Besucher seien eingeladen, unter Anleitung des Künstlers kleine Skulpturen aus Erde zu formen, die anschließend zu einem größeren Werk zusammengefügt werden. Das Projekt rege sowohl zur Reflexion über die Zerbrechlichkeit der Erde an als auch zu einem kollektiven künstlerischen Erlebnis.
Tue Greenfort (*1973, Holbæk) ist ein dänischer Künstler, dessen interdisziplinäre Praxis sich an den Schnittstellen von Natur und Kultur, Öffentlichkeit und Privatheit sowie Gemeinschaft und Individuum bewegt. Seine Arbeiten setzen sich kritisch mit wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Praktiken auseinander und entwickeln einen erweiterten Ökologiebegriff, der Umwelt, soziale Beziehungen und menschliche Subjektivität gleichermaßen einbezieht.
Für die documenta 13 (2012) entwickelte Greenfort das Projekt „The Worldly House“, ein temporäres Archiv in der Karlsaue, in dem unter anderem Materialien, Texte, Bücher und Videos die Arbeit der feministischen Theoretikerin und Philosophin Donna Haraway zur Ko-Evolution verschiedener Spezies präsentierten.
Die International Friends of documenta e. V. feiern zudem ihr einjähriges Bestehen und informieren vor Ort über Beteiligungsmöglichkeiten und Mitgliedschaftsmodelle. Der gemeinnützige Verein vereint Menschen, die sich der zeitgenössischen Kunst verbunden fühlen und die documenta, das Museum Fridericianum, die Ausstellungen sowie das documenta archiv ideell und finanziell unterstützen.
Am Veranstaltungstag können Besucherinnen und Besucher außerdem die Toiletten im Fridericianum und in der documenta Halle kostenfrei nutzen. Die Ausstellungsräume sind barrierefrei zugänglich. Zudem stehen ein Safe Space sowie ein Stillraum zur Verfügung.
Mit der Beteiligung am Earth Day verbindet die documenta zeitgenössische Kunst mit Aspekten der Nachhaltigkeit. Neben einer ressourcenschonenden Produktion gehört dazu auch die kritische Auseinandersetzung mit ökologischen, ökonomischen und sozialen Systemen.
Sonntag, 26. April 2026, 11:00–18:00 Uhr
Ort: Vor dem Fridericianum und im Erdgeschoss des Gebäudes
PM: Ulrike Mönnig